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Gegenlichtblende

Durch direkte Sonneneinstrahlung auf das Objektiv, sowohl frontal als auch seitlich, können Blendeneffekte und Linsenreflexionen in Form von Lichtkreisen auf den Bildern entstehen. Diese Effekte beeinträchtigen die Fotoqualität, beispielsweise indem die Lichtkreise bestimmte Details auf dem Foto verdecken. Eine Gegenlichtblende, oder auch Streulichtblende genannt, ermöglicht eine Reduzierung dieser Reflexionen auf dem Objektiv und führt zu kontraststärkeren Aufnahmen mit einem schärferen Bildfokus.

Manchmal sind die Linsenreflexionen auf den Fotos jedoch erwünscht. Vor allem bei der Outdoor-Fotografie sowie beim Fotografieren von Wolkenkratzern mit einem Tilt-Shift-Objektiv werden die Lichtkreise als Stilmittel eingesetzt. Dieser Effekt kann auch im Rahmen der Nachbearbeitung künstlich erzeugt werden.

Das Streulicht dagegen ist unerwünscht und beschreibt das seitlich auf das Objektiv fallende Licht. Dieses bewirkt eine Verringerung des Kontrasts und lässt das Bild überbelichtet und matt wirken. Mithilfe einer Gegenlichtblende können unerwünschte Umgebungslichter ausgeschlossen werden und  kontrastreiche, einzigartige Aufnahmen entstehen. Zusätzlich kann die Gegenlichtblende die Frontlinse vor äusseren Einwirkungen wie Schmutz und ungewollten Berührungen schützen. Allerdings ist sie nicht beim Blitzen sowie beim Fotografieren der Sonne geeignet. Beim Blitz kann die Blende eventuell als Schatten auf dem Bild zusehen sein, während sich beim frontalen Sonnenlicht die Blendenflecken nicht vermeiden lassen. Auch wenn die Gegenlichtblende nicht immer notwendig ist, ist es möglich, diese permanent am Objektiv zu lassen. Dafür müssen Sie sie einfach falsch herum auf das Objektiv schrauben.

Die Gegenlichtblende wird am Objektiv mit einem Bajonett-Verschluss oder einem Filtergewinde befestigt. Besonders der Bajonett-Verschluss ermöglicht eine schnelle Befestigung sowie einen sicheren Halt. Je nach Hersteller können sich Gegenlichtblenden im Material unterscheiden. Sie können aus Gummi, Hartplastik, Aluminium oder Metall bestehen. Während Gegenlichtblenden aus Gummi leichter verstaut werden können, sind diese jedoch weniger widerstandsfähig als die anderen Modelle. Gegenlichtblenden aus Aluminium und Hartplastik können dagegen Stösse gut abfedern und sind leichter als Varianten aus Metall. Zudem spielt die Form der Blende eine entscheidende Rolle. Die tulpenförmigen Gegenlichtblenden sind meist nierenförmig ausgeschnitten und sind vor allem auf Weitwinkel-Objektiven zu finden. Runde Gegenlichtblenden finden vor allem bei Teleobjektiven sowie bei Objektiven ohne Innenfokussierung Verwendung.

Die Länge beziehungsweise Tiefe einer Gegenlichtblende steht in Abhängigkeit zur Brennweite eines Objektivs. Demnach gilt: Je grösser die Brennweite, desto tiefer sollte die Gegenlichtblende sein. Da beispielsweise Weitwinkel-Objektive kürzer als Tele-Objektive sind, benötigt man eine kleinere Gegenlichtblende. Wenn die Brennweite, das Objektiv und die Streulichtblende nicht aufeinander abgestimmt sind, kann dies zu einer mechanischen Vignettierung führen – also zur Abdunklung der Bildränder. Aus diesem Grund sind bei vielen Objektiven von Herstellern wie Nikon und Canon eine Gegenlichtblende im Lieferumfang enthalten, die auf das entsprechende Modell abgestimmt ist. Einige andere Objektive haben eine Gegenlichtblende in Ihrer Bauform integriert, indem diese eine nach innen versetzte Linse besitzen.

Kehrwertregel

Verwackelte Fotos sind ein Ärgernis für jeden Fotografen. Besonders beim freihändigen Fotografieren besteht die Gefahr, dass ein Bild verwackelt. Die Kehrwertregel ist eine Faustformel in der Fotografie. Sie soll helfen, Verwackelungsunschärfe zu vermeiden.

Die Kehrwertregel kann Ihnen als ungefährer Anhaltspunkt für scharfe Aufnahmen dienen. Sie lautet: Die Belichtungszeit in Sekunden sollte kürzer sein als der Kehrwert der Brennweite in Millimetern. Übersteigt die Belichtungszeit den Kehrwert der Brennweite, besteht Verwackelungsgefahr. Der Kehrwert der Brennweite bestimmt somit die maximale Belichtungsdauer.

Ein Beispiel: Fotografieren Sie mit einer Brennweite von 30 mm, muss die Belichtungszeit 1/30 Sekunde oder kürzer sein, damit Ihr Bild nicht verwackelt.

Die Kehrwertregel hat ihren Ursprung in der analogen Fotografie. Auch in der digitalen Fotografie kann sie unverändert angewendet werden, wenn Sie eine Vollformatkamera einsetzen. Das bedeutet, dass der Sensor der Kamera genauso gross ist wie das Kleinbild-Negativ eines analogen Films (24 mm x 36 mm). Vielfach sind Digitalkameras für den Amateurgebrauch mit kleineren Sensoren ausgestattet. Bei der Kehrwertregel muss dann der entsprechende Crop-Faktor der Kamera berücksichtigt werden. Bei einem Crop-Faktor von 1,5 müsste die Belichtungszeit im Beispiel von 1/30 Sekunde auf 1/45 Sekunde verkürzt werden.

Wenn Sie ein Stativ als Bildstabilisator verwenden, verliert die Kehrwertregel ihre übliche Gültigkeit. Beim Fotografieren «aus der Hand» sollten Sie diese Faustregel jedoch stets im Blick behalten.

Für eine scharfe Aufnahme aus der Hand sollten Sie zudem auf die richtige Kamerahaltung und Aufnahmetechnik achten. Gegen Verwackelungen kann auch ein Bildstabilisator helfen, der leichte Bewegungen des Fotografen ausgleicht. Achten Sie zudem auf die passende Belichtungszeit: Bei kurzer Belichtungszeit verwackelt das Bild bei einer winzigen Bewegung der Kamera nicht sofort. Das Abbild des Motivs auf dem Sensor bewegt sich bei kurzer Belichtung kaum. Ist die Belichtungszeit jedoch lang, kann das Abbild auf dem Aufnahmesensor durch eine ungewollte Bewegung verwischt aufgenommen werden. Die versehentliche Kamerabewegung sorgt dann für unscharfe Fotos.

Welche Belichtungszeit tatsächlich zu verwackelten Aufnahmen führt, hängt auch davon ab, wie ruhig Ihre Hand beim Fotografieren ist. Befinden Sie sich zum Beispiel in einer unsicheren Position oder sind Sie ausser Atem, ist die Chance einer Verwackelung grösser. Wichtig ist zudem die Brennweite des Objektivs. Je länger die Brennweite ist, desto schneller kann das Foto verwackeln.

Normalobjektiv

Objektive mit einem Brennweitenbereich von 40 bis 60Millimeter werden als Normalobjektive bezeichnet. Diese geben die Welt so wieder, wie das menschliche Auge sie auch wahrnimmt.
Von einem sogenannten Normalobjektiv wird meist erst dann gesprochen, wenn es eine feste Brennweite von 50 Millimetern besitzt. Hierbei entspricht die Brennweite des Objektivs in der Länge ungefähr der Sensordiagonalen. Über eine Formel lässt sich der Bildwinkel berechnen, welcher bei den Normalobjektiven bei circa 50° liegt und damit etwa dem Blickwinkel des menschlichen Auges entspricht.

Besonders Anfängern ist ein Normalobjektiv ans Herz zu legen, da diese mit wenig Aufwand gute Fotos ermöglichen. Im Vergleich zu Zoomobjektiven liefern Normalobjektive meist Fotos mit höherer Auflösung, Randschärfe und Lichtstärke. Vor allem in Punkto Lichtstärke überzeugt das Normalobjektiv. Es fängt das verfügbare Licht für den Sensor gut ein, wodurch auch bei schlechten Lichtverhältnisse noch gute Fotos zu erzielen sind. Am besten eignen sich Motive, bei denen Sie mit verschiedenen Abständen und Perspektiven experimentieren können. Weniger geeignet ist das Normalobjektiv bei entfernten Objekten, da diese nicht einfach herangezoomt werden können.

Neben den technischen Aspekten weisen Normalobjektive auch Vorteile hinsichtlich Anschaffungskosten und Gewicht auf. Im Vergleich zu anderen Objektiven sind sie meist preiswerter, handlicher, leichter und somit einfacher zu transportieren. Aufgrund der Festbrennweite ist das Normalobjektiv jedoch nicht für jedes Motiv ideal. Unterwegs sollten Sie daher noch ein flexibleres Objektiv zum Austauschen mitführen, um für verschiedene Fotomotive gerüstet zu sein.

Farbraum

Der Farbraum, auch Gamut genannt, ist die Darstellung aller Farben auf einem Monitor, einer Kamera oder eines ähnlichen Gerätes. Jedes Medium nimmt die Farben Rot, Grün und Blau anders wahr und besitzt seinen eigenen Farbraum. Die genannten Farben lassen sich über drei Zahlenwerte dreidimensional darstellen, welche in ihrer Summe einen virtuellen Körper bilden und den Farbraum definieren. Dabei können nur die Farben, die der Körper umschliesst, abgebildet werden.
Damit Bilder über verschiedene Medien möglichst identisch dargestellt werden, wurden standardisierte Farbprofile wie sRGB und Adobe RGB eingeführt.

Der sRGB, oder auch Standard-RGB, bietet den optimalen Farbraum für die im Internet zu betrachtenden Bilder. In diesem Farbraum können die Farben auch auf einem weniger leistungsstarken Monitor gut dargestellt werden. Satte Farben und einige Farbtöne können jedoch nicht durch den sRGB abgebildet werden.
In der Fotografie und Bildbearbeitung wird daher der Adobe RGB von Anwendern bevorzugt. Dieses Farbprofil besitzt den grösseren Farbraum und kann wesentlich mehr Farbtöne und Nuancen darstellen. Folglich kommen hochwertige Fotos im Adobe RGB mit viel mehr Ausdruck zur Geltung.

Fotografen und Grafiker verwenden zudem neben dem Farbmodell RGB auch das CMYK-Farbmodell.
Bei RGB wird durch das Mischverhältnis der Farben Rot, Grün und Blau eine Farbwahrnehmung abgebildet, die unter Einfluss von Licht entsteht. Hierbei entsteht ein helleres Bild, je höher der Farbanteil ist. Das CMYK-Farbmodell steht dagegen für Cyan, Magenta, Yellow und Key und kommt hauptsächlich in der Drucktechnik zum Einsatz. Hinter den Farbbezeichnungen verbergen sich ein helles, fast grünstichiges Blau, ein Violett als Rotton, ein helles Gelb und Schwarz (Key). Das Schwarz wird hier als Kontrastfarbe verwendet, da die Mischung der drei anderen Farben nie zu einem reinen Schwarz führen würde. Im Gegensatz zum sRGB bewirkt das Schwarz im CMYK-Farbmodell, dass das Bild mit zunehmendem Farbanteil dunkler wird.

Bokeh-Effekt

Schärfe allein reicht in der Portrait-, Mode- und Foodfotografie häufig nicht aus. Oftmals ist es erst der Wechsel zwischen Schärfe und Unschärfe, welcher den Aufnahmen das Besondere verleiht. Das Hauptmotiv soll aus der Aufnahme einzigartig hervorgehoben werden. Dafür eignet sich der sogenannte Bokeh-Effekt. Dieser lebt von der Tiefenunschärfe.

Der Begriff «Bokeh» kommt aus dem Japanischen und bedeutet übersetzt so viel wie «verschwommen» oder «unscharf». Bei diesem Effekt spielt der Fotograf bewusst mit den Schärfe- und Unschärfebereichen eines Bildes. Ziel des Unschärfeeffekts ist ein unscharfer Hintergrund. Während beispielsweise Personen im Vordergrund freigestellt werden, lässt man Ablenkendes und Unschönes im Hintergrund verschwinden.

Es gibt drei wichtige Regeln, die beachtet werden sollten. Diese betreffen den Abstand, die Blende und die Brennweite.

Hinsichtlich des Abstands kann zum einen die Strecke zwischen Kamera und Objekt und zum anderen jene zwischen Objekt und Hintergrund betrachtet werden. Wenn sich das Objekt in geringem Abstand zum Hintergrund befindet, ist dieser bereits unschärfer. Allerdings kann dieser Effekt noch weiter verstärkt werden. Der Hintergrund verwischt mehr, sobald der Fotograf näher an die zu fotografierende Sache geht und diese weiter vom Hintergrund entfernt ist. Kurzgefasst: Je näher das Objekt an der Kamera ist, desto geringer ist die Tiefenschärfe.

Ist die Blende zu, ist der Hintergrund scharf. Je weiter die Blende geöffnet ist, desto unschärfer ist der Hintergrund. Je mehr Licht durch das Objektiv einfallen kann, desto grösser werden die verschwimmenden Lichtkreise.

Je grösser die Brennweite, desto geringer ist die Tiefenschärfe. Der Hintergrund wird also mit abnehmender Brennweite unschärfer.

Beim Bokeh-Effekt kann man zusätzlich mit Formen und Lichtern spielen. Ein aussergewöhnliches und kreatives Foto kann beispielsweise mit dem Einsatz einer Lichterkette erzielt werden. So können interessante und einzigartige Fotohintergründe geschaffen werden. Als Bokeh-Elemente sollten möglichst kleine Lichter verwendet werden. Diese werden vor oder hinter dem aufzunehmenden Objekt angebracht. Anschliessend wird das Objekt manuell fokussiert, sodass das Licht im Hintergrund unscharf wird. Nun kann der Auslöser betätigt werden.

Es ist aber auch möglich mit Hilfe von Filtern das Bild zu verändern. Dazu können Objektiv-Deckel mit Muster benutzt werden. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie diese ganz einfach selbst kreieren können. Je kleiner die Filterformen sind, desto besser ist dies für langsame Linsen.

Zusammengefasst ist der Bokeh-Effekt eine Aufnahmetechnik, mit der Fotos auf einfache Weise eine besondere Charakteristik verliehen werden kann. Durch unterschiedliche Ebenen wirken Bokeh-Bilder räumlich und tief. Probieren Sie sich aus. Mit Hilfe von Photoshop kann der Bokeh-Effekt auch im Nachhinein auf ein Foto angewendet werden.

Dynamikumfang

Im Gegensatz zum menschlichen Auge kann sich ein Kamerasensor nur bedingt an unterschiedliche Umgebungshelligkeiten anpassen. Besonders schwierig sind schnelle Wechsel von einem hellen zu einem dunklen Ort. Der Grund dafür ist der beschränkte Dynamikbereich der Technik.

Die Reichweite zwischen dem hellsten und dem dunkelsten Bereich eines Motives wird als Dynamikumfang oder kurz Dynamik bezeichnet. Dieser erstreckt sich über maximal 23 Blendenstufen von der Dunkelheit der Nacht bis hin zur prallen Mittagssonne. Das menschliche Auge kann ungefähr 20 dieser Blendenstufen erfassen. Bezogen auf die Fotografie, weisen qualitativ hochwertige moderne Kameras einen Dynamikumfang von 9 bis 12 Blendenstufen auf. Ältere Modelle verfügen nur über 8 Blendestufen.

Der Dynamikumfang einer Aufnahme ist umso höher, je mehr Helligkeitsabstufungen ein Motiv hat. Je grösser die Dynamik, desto mehr Details sind erkennbar. Je kleiner der Dynamikbereich ist, desto detailärmer wird das Bild. Das Objekt verschwimmt mit dem Bildhintergrund.

Wird der mögliche Dynamikbereich einer Kamera überschritten, gehen die darüber hinaus liegenden Bildinformationen verloren. So passiert es häufig, dass bei Aufnahmen in der Natur mit Menschen im Vordergrund aufgrund eines kleinen Dynamikbereichs entweder ein «ausgebrannter» Himmel oder «ausgebrannte» Gesichter entstehen. Mit dem Begriff «Ausbrennen» ist eine Überbelichtung gemeint.

Ein weiteres Beispiel ist das Fotografieren eines Brautpaars. Auch in dieser Situation muss man sich entscheiden, welche Person man vermehrt belichten möchte. Da in dieser Situation der Dynamikumfang der Technik nicht ausreicht, erzielt man im Ergebnis entweder ein weisses Brautkleid oder einen schwarzen Anzug. Das jeweils andere Kleidungsstück färbt sich gräulich.

Ein geringer Dynamikumfang von Fotos kann auf verschiedene Weisen erhöht werden. Qualitativ hochwertige Kameras können aufgrund eines hohen Dynamikumfangs falsche Belichtungsverhältnisse ausgleichen. Wer trotz nicht so teurer Kamera optimale Aufnahmen erzielen möchte, sollte schon während der Aufnahmephase auf die Helligkeiten achten. Dabei helfen Histogramm und Überbelichtungswahrnehmung.

Ausserdem sollte anstatt des JPG-Formats im RAW-Format fotografiert werden. Im Gegensatz zu JPG können Aufnahmen des RAW-Formats mit dem RAW-Konverter oder Photoshop bedingt korrigiert werden. Allerdings sollte man den nachträglichen Gebrauch der Dynamikregler nicht übertreiben. Hellt man dunkle Bereiche zu sehr auf, entsteht sogenanntes «Rauschen» an Stellen ausserhalb des Dynamikbereichs. Alles was auf der hellen Seite über einen bestimmten Helligkeitswert hinausgeht, wird durch Übersteuerung als reines Weiss dargestellt.

Eine weitere Möglichkeit für optimal belichtete Aufnahmen bietet HDR (High Dynamic Range) oder das Verfahren zur Dynamikerhöhung DRI (Dynamic Range Increasemet). Diese arbeiten mit Belichtungsreihen. Dabei werden mehrere Aufnahmen bei unterschiedlicher Belichtung gemacht, die im Anschluss von Hand oder automatisch zusammengeführt werden.

Zusammengefasst steht der Dynamikumfang also in direktem Zusammenhang mit dem Kontrastumfang eines Fotos und dem Umfang der Motivhelligkeit.

Für das optimale Endergebnis sollten unterschiedliche Aufnahmemodi, Lichteinfallpositionen und Blendenstufen ausprobiert werden.

Abbildung von Möwen – nur die vorderste ist fokussiert und scharf gestellt

Der richtige Umgang mit AF-Feldern

Zur Erleichterung der Fokussierung bietet jede Kamera mehrere AF-Felder an. Die Abkürzung AF bedeutet Autofokus. Je nach Marke und Modell der Kamera kann es sich dabei um 9, 11, 19 oder mehr AF-Felder handeln. Unabhängig von der Anzahl der Felder ist die Funktionsweise immer gleich. Für die Nutzung der AF-Felder gibt es unterschiedliche Einstellungsoptionen, die verschiedene Möglichkeiten bieten. Diesem Artikel dient die Canon EOS 70D als Beispiel, welche 19 AF-Felder besitzt.

Welche Einstellungsoptionen es gibt und wie diese richtig angewendet werden, erfahren Sie hier.

Die automatische Messfeldwahl

Wie der Name bereits verrät, wählt die Kamera bei der automatischen Messfeldwahl ihren Fokuspunkt selbst. Dabei greift die automatische Messfeldwahl auf alle zur Verfügung stehenden AF-Felder zurück. Es werden immer die Punkte herangezogen, die den geringsten Abstand zur Kamera haben. Wird der Auslöser der Kamera nur halb durchgedrückt, erscheinen die ausgewählten AF-Felder im Sucher oder bei Aktivierung des Live-View-Modus auf dem Display.

Abbildung von 19 AF-Feldern auf der Aufnahme einer Möwe

Ist die automatische Messfeldwahl nicht zufriedenstellend, besteht die Möglichkeit, den Auslöser loszulassen und diesen erneut halb durchzudrücken. Die Kamera gibt nun eine andere Auswahlmöglichkeit der Messfelder an.

Da es in dieser Einstellung nicht möglich ist, selbst einen Bereich für die Fokussierung zu bestimmen, eignet sich diese besonders für Aufnahmen, in denen ein Objekt klar erkennbar ist und sich bestenfalls vom Hintergrund abhebt. Lässt sich das Motiv nicht klar identifizieren, kann es passieren, dass die Kamera stets den falschen Bereich ins Visier nimmt.

Die manuelle Wahl der Messfelder

Das Problem, dass die Kamera den falschen Bereich der Aufnahme fokussiert, kann mit der manuellen Wahl umgangen werden. In dieser Einstellung können Sie das AF-Feld selbst bestimmen. Zum einen kann das Feld über die Einstellungen auf dem Display ausgewählt werden. Zum anderen kann die AF-Messfeldwahltaste gedrückt und im Anschluss mit dem Blick durch den Sucher und der Hilfe des Schnellwahlrades und des Hauptwahlrades ausgewählt werden. Das Hauptwahlrad steuert die horizontale und das Schnellwahlrad die vertikale Bewegung innerhalb der AF-Felder. Wird die SET-Taste betätigt, springt die Auswahl immer zum mittleren AF-Feld.

Durch die manuelle Messfeldwahl ist es möglich, einen konkreten Punkt zur Fokussierung auszuwählen. Der Nachteil dieser Einstellungsoption ist, dass nur ein einziges AF-Feld ausgewählt werden kann. Dies wird vor allem bei der Aufnahme von bewegten Motiven problematisch, da es sehr schwer wird, das AF-Feld an der richtig Stelle zu positionieren. Ein Wechsel des AF-Feldes ist während der Aufnahme eines bewegten Objektes ebenfalls sehr schwierig, da die Umstellung zu lange dauert.

Fokussierung eines Grashalms vor einem verschwommenen Hintergrund

Demnach eignet sich die manuelle Messfeldwahl, um bei stillstehenden Objekten, oder auch bei Portraits, den Fokus an einen konkreten Punkt zu setzen.

Die manuelle Messfeldwahl in Form einer Zone

Um bewegte Motive mit einer selbst bestimmten Messfeldwahl aufzunehmen, bietet sich die manuelle Messfeldwahl in Form einer Zone an. Hier konzentriert sich die Kamera nicht auf ein einzelnes AF-Feld, sondern auf einen voreingestellten Bereich.

Bei 19 AF-Feldern werden diese in fünf Bereiche aufgeteilt –  links, mittig, rechts, oben und unten. Wurde eine Zone gewählt, sucht sich die Kamera bereits beim Antippen des Auslösers die einzelnen AF-Felder innerhalb der Zone aus. Hier kann die Auswahl der AF-Felder ebenfalls durch ein erneutes halbes Durchdrücken verändert werden.

Abbildung von Möwen – nur die vorderste ist fokussiert und scharf gestellt

Bei der Auswahl der passenden AF-Felder kann die Kamera ein oder mehrere der AF-Felder auswählen. Bei der manuellen Messfeldwahl in Zonen liegt die Konzentration nicht, wie bei der manuellen Messfeldwahl, auf nur einem einzigen AF-Feld. Dadurch entsteht die Freiheit, nur eine Richtung der bevorzugten AF-Felder vorzugeben und die konkrete Auswahl der Kamera zu überlassen.

Abbildung zweier Möwen – die hinter liegt im Fokus und ist scharf gestellt

Sowohl die manuelle Messfeldwahl, als auch die manuelle Messfeldwahl in Zonen, bieten die Möglichkeit, nicht nur ein Objekt im Vordergrund, sondern auch im Hintergrund zu fokussieren und scharfzustellen.

Fazit

Die Einstellungsoptionen bezüglich der AF-Felder erleichtern nicht nur die Fokussierung an sich, sondern bieten die Möglichkeit, die Art und Weise der Fokussierung auf das zu fotografierende Objekt anzupassen.

Collage eines Bildes mit drei unterschiedlichen Belichtungen – über- normal- und unterbelichtet

Das Histogramm für die richtige Belichtung nutzen lernen

Der grosse Vorteil der digitalen Fotografie ist, dass das Ergebnis sofort im Anschluss auf dem Kameradisplay gesichtet werden kann. Allerdings kann das Kameradisplay täuschen. Einflussfaktoren, wie das Umgebungslicht, eine Schutzfolie oder die Helligkeitseinstellung des Displays, können die Wirkung der Aufnahme beeinflussen. So kann es passieren, dass die Aufnahme auf dem Display der Kamera dunkler oder heller wirkt, als sie tatsächlich ist.

Um dieser Täuschung zu entgehen, ist es hilfreich, einen Blick auf das Histogramm zu werfen. Was auf dem Histogramm zu sehen ist, und wie Sie dieses einsetzen, erfahren Sie hier.

Lesen eines Histogramms

Das Histogramm ist die Darstellung aller Tonwerte einer Aufnahme in Form einer Kurve. Dieses lässt sich in drei Bereiche unterteilen – die Tiefen, die Mitteltöne und die Lichter.

Grafik eines Histogramms

Unter den Tiefen werden die dunklen Töne des Bildes verstanden. Diese werden immer auf der linken Seite des Histogramms dargestellt. Auf der rechten Seite finden sich die Lichter und somit die hellen Töne der Aufnahme. Der mittlere Bereich stellt alle Mitteltöne dar. Folglich werden die Tonwerte in dem Histogramm von links nach rechts immer heller.

Auf das Histogramm lässt sich sowohl nach dem Drücken des Auslösers in der Bildervorschau, als auch während der Nutzung des Live-View-Modus zurückgreifen, um die Belichtung direkt vor Ort zu überprüfen. Oft lässt sich diese Funktion durch die Info-Taste der Kamera aktivieren.

 

Interpretieren des Histogramms

Fällt der erste Blick auf ein solches Histogramm, ist nur eine Kurve zu sehen, die meist einer Berglandschaft ähnelt. Hierbei stellt sich die Frage, wie die Kurve aussehen muss, damit die Belichtung gelungen ist.

Von einer ausgewogenen Belichtung wird gesprochen, wenn sich die Kurve über alle Tonwertbereiche erstreckt und sie weder auf der linken noch auf der rechten Seite anstösst.

 

Foto historischer Gebäude mit Seifenblasen – Abbildung eines Histogramms

Verlagert sich die Kurve im Histogramm auf die linke Seite, ist das Bild sehr dunkel. Stösst die Linie zudem an den linken Rand,  ist die Aufnahme unterbelichtet.

Über- und Unterbelichtung zweier verschiedener Aufnahmen mit Histogramm

Bei einer Überbelichtung verhält sich die Kurve umgekehrt. Je weiter oben die Kurve an einen der Ränder grenzt, desto stärker sind die unter- oder überbelichteten Flächen vertreten. Diese Bildbereiche können nachträglich nicht korrigiert werden. Über- und unterbelichtete Bildbereiche enthalten keine weiteren Informationen, auf die das Bildbearbeitungsprogramm zugreifen könnte. Bei einer Überbelichtung wird hierbei vom Ausbrennen gesprochen.

Um bei der Nachbearbeitung aus den Vollen schöpfen zu können, wird ein Histogramm benötigt, das sich über alle Tonwerte erstreckt –  ähnlich wie in der ersten Abbildung.

Fazit

Das Histogramm ist eine fotografische Grundlage, die vermehrt in Vergessenheit gerät. Durch das Histogramm muss die Einschätzung der Belichtung nicht mehr einzig und allein nach der Darstellung auf dem Display erfolgen. Folglich ist das Histogramm eine verlässliche Unterstützung für gelungene Aufnahmen.

Sollte eine Aufnahme, trotz eines zufriedenstellenden Histogramms, nicht den optischen Ansprüchen genügen, bietet die vielfältige Verteilung der Tonwerte einer Aufnahme ein grosses Bearbeitungsspektrum.

 

Weissabgleich und Farbtemperatur

Das Licht ist ein entscheidender Faktor in der Fotografie. Die Beleuchtung bzw. die Lichtverhältnisse bestimmen daher auch die Wirkung eins Bildes auf den Betrachter. Ob ein Bild warm und harmonisch oder eher kühl und düster wirkt, wird massgeblich von der bestehenden Farbtemperatur beeinflusst.

Unterschiedliche Licht- und Beleuchtungssituationen erzeugen verschiedene Farbtemperaturen. Dabei ist ausschlaggebend, mit welcher Wellenlänge das Licht auf das zu fotografierende Motiv trifft. So sorgen beispielsweise Wellenlängen unter ca. 350 Nanometern für eine hohe Farbtemperatur und wirken blau. Niedrige Farbtemperaturen erscheinen rot und werden von Wellenlängen über ca. 750 Nanometern erzeugt. Die Farbtemperatur wird in Kelvin angegeben und wurde von glühendem Eisen abgeleitet. Als Standartwert gelten ungefähr 5500 Kelvin. Dies entspricht hellem Tageslicht. Künstliche Lichtquellen haben kürzere Wellenlängen, erscheinen daher rot und haben weniger Kelvin. Je trüber das Tageslicht erscheint, beispielsweise bei Wolken oder Nebel, umso kürzer werden die Wellenlängen und umso höher der Kelvin-Wert. Bilder bei trübem Tageslicht haben daher häufig einen Blaustich.

Um einem unerwünschten Farbstich durch die Farbtemperatur entgegen zu wirken, kann man mit einem Weissabgleich arbeiten. Dieser sorgt dafür, dass vorherrschende Lichtverhältnisse ausbalanciert werden und ein harmonisches und farblich ausgewogenes Bild entsteht. In der Regel sollte das Weiss im Motiv auch auf dem späteren Foto weiss dargestellt werden. Bei der analogen Fotografie wird die Farbtemperatur durch spezielle Filmtypen für Tages- oder Kunstlicht kompensiert. Bei der digitalen Fotografie gibt es diverse Einstellungen, die einen Weissabgleich vereinfachen. Es gibt automatisch arbeitende Voreinstellungen, die sich der gegebenen Lichtsituation anpassen. Hochwertige Kameras verfügen zusätzlich noch über einen manuellen Weissabgleich. Hierbei kann man die gewünschte Kelvinzahl angeben, eine Graukarte zur Hilfe nehmen oder ein Weissabgleich-Bracketing durchführen. Beim Bracketing mach die Kamera automatisch eine Reihe von Bildern mit verschiedenen Weissabgleichsoptionen. In der kreativen Bildgestaltung wird der Weissabgleich auch gezielt genutzt, um einen bestimmten Farbstich im Bild zu erzeugen.

Mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen kann der Weissabgleich auch nachträglich vorgenommen und die Farbtemperatur bearbeitet werden. Dazu empfiehlt es sich, das Foto in einem RAW-Format zu speichern. Bei der Verwendung von JPG-Formaten kann durch die Bearbeitung ein Qualitätsverlust entstehen.