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Alt: Nachtaufnahme Prag Brücke an der Donau

Nachtfotografie – Städte im Dunkeln fotografieren

Auf einer Städtereise ist es oft das Ziel die bekanntesten historischen Gebäude, Denkmäler und Plätze als Andenken an die Reise fotografisch festzuhalten. Hierfür pilgert man am Tag von der einen Sehenswürdigkeit zur nächsten, um anschliessend die Kamera zu zücken und einen Schnappschuss zu machen. Noch eindrucksvoller als am Tag wirken viele Sehenswürdigkeiten einer Stadt aufgrund ihrer festlichen Beleuchtung in der Nacht.

Bei Nachtaufnahmen beleuchteter historischer Gebäude wird im Bild ein einzigartiges Zusammenspiel aus Licht und Schatten sichtbar. Zudem kann man in der Nacht den grossen Touristenströmen entfliegen und bekommt die Möglichkeit, sich in Ruhe dem Fotografieren zu widmen und die Schönheit der Sehenswürdigkeiten zu geniessen. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen wichtige Tipps rund um Equipment und Kameraeinstellungen, mit denen Ihnen beeindruckende Nachtaufnahmen gelingen.

Notwendiges Equipment und Voreinstellungen

Vorab sollte nicht verschwiegen werden, dass die Qualität der Ausrüstung und die Wahl der Kamera bei Nachtaufnahmen eine wichtige Rolle spielen. So ist es mit einer Vollformat-Kamera leichter, gut belichtete Nachtaufnahmen zu machen, als mit einer Kamera mit einem APSC-Sensor. Zudem kann ein lichtstarkes Objektiv eine grössere Lichtmenge einfangen, die auf den Sensor fällt.

Wie bereits erwähnt, werden für eine Nachtaufnahme lange Belichtungszeiten benötigt. Wird aus der Hand heraus fotografiert, kann nur eine Belichtungszeit von circa 1/15 Sekunde ohne Verwacklungen gehalten werden. Um Verwacklungen trotz langer Belichtungszeiten zu vermeiden, wird unbedingt ein Stativ benötigt. Dieses sollte auf einem festen und stabilen Untergrund aufgestellt und ausgerichtet werden.

Selbst beim Betätigen des Auslösers kann es durch die Erschütterung der Kamera zu Verwacklungen kommen. Diese können durch einen Fernauslöser umgangen werden. Sollten Sie keinen Fernauslöser besitzen, kann der 2 Sekunden Selbstauslöser Abhilfe schaffen.

Sowohl der Bildstabilisator am Objektiv als auch der Autofokus sollten deaktiviert werden, um weitere Verwacklungsgefahren zu umgehen. Die Sensoren des Bildstabilisators können auf dem Stativ nicht ordnungsgemäss arbeiten und der Autofokus könnte während der langen Belichtungszeit seinen Fokuspunkt ändern, wodurch die Aufnahme unscharf werden kann.

Da der Autofokus bei Nachtaufnahmen nicht verwendet werden sollte, kann es hilfreich sein den Live-View-Modus zu aktivieren. Ohne das Objektiv zu verwenden, kann hier näher ans Motiv herangezoomt werden, um manuell einen Fokuspunkt auszuwählen. Findet sich kein geeigneter Fokuspunkt, sollte manuell auf unendlich fokussiert werden.

Neben dem Stativ und dem Fernauslöser empfiehlt sich ebenso die Verwendung eines ND-Filters. Dieser dunkelt die Linse des Objektives ab, wodurch nicht nur einige Blendenstufen gewonnen werden, sondern auch eine längere Belichtungszeit möglich ist.

Alt: Nachaufnahme Donau und Prager Burg

Welche Einstellungen werden benötigt?

Viel Licht ist oft ein Garant für gelungene Aufnahmen. In der Nacht besteht allerdings das Problem, dass die Umgebung kaum Licht abgibt. Folglich muss versucht werden, mit den verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten der Kamera, das vorhandene Licht bestmöglich zu nutzen. Um alle Einstellungen selbst bestimmen zu können, sollte der manuelle Modus verwendet werden.

Bei einer Nachtaufnahme ist es üblich, dass das Foto viele dunkle oder sogar schwarze Flächen zeigt. Um eine körnige Darstellung der dunklen Flächen, das sogenannte Bildrauschen, zu vermeiden, sollte der ISO-Wert nicht höher als 200 sein.

Da der ISO-Wert ausscheidet, bleiben noch die Einstellungen der Blende und der Belichtungszeit. Die Kombination aus einer weit geöffneten Blende und einer längeren Belichtungszeit ist hier die Lösung.

Mit einer sehr weit geöffneten Blende f/5 und einer Belichtungszeit von 4 Sekunden wird die nächtliche Stimmung eingefangen, in der bereits die Beleuchtungen der Gebäude gut zur Geltung kommen. Erscheint Ihnen die Schärfentiefe in der Aufnahme zu gering, können Sie mit einem kleineren Blendenwert, wie f/13, und einer noch längeren Belichtungszeit entgegenwirken. Bei einer längeren Belichtung zwischen 30 Sekunden bis hin zu zwei Minuten kann bereits eine Dämmerungsstimmung im Bild entstehen.

Fazit

Letztendlich ist die gelungene Kombination aus Blendeneinstellung und Belichtungszeit das Geheimnis für beeindruckende Nachtaufnahmen. Welche Kombination die exakt richtige ist, hängt jedoch immer von der individuellen Situation und dem eigenen Geschmack bezüglich des Motives ab.

Das Generieren einer Nachtaufnahme ist ohne Hilfsmittel nicht möglich. So ist die Verwendung eines Statives ein absolutes Muss. Ein Fernauslöser und ein ND Filter wiederrum machen das Fotografieren in Nacht zwar angenehmen, sind aber nicht zwingend notwendig.

Optimierung von Lichter und Schatten einer Fotografie im Vorher-Nachher-Vergleich

Photoshop: Architekturretusche

Sowohl auf Städtetrips als auch auf dem Land lassen sich sehenswerte Gebäude finden, die einen Schnappschuss wert sind. Mit ein wenig Abstand zum auserwählten Objekt und einem Weitwinkelobjektiv ist es meist keine grosse Herausforderung diese im Ganzen einzufangen. Allerdings kommt es bei Architekturaufnahmen oft zu Verzerrungen, verschobenen Horizonten oder gebogenen Linien. In der Nachbearbeitung lassen sich solche Schönheitsfehler leicht korrigieren. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Gebäude mit Photoshop ins richtige Licht rücken.

Die Objektivkorrektur

Bei der frontalen Aufnahme von Gebäuden kann es vorkommen, dass diese auf der Aufnahme nach unten breiter wirken und die Form eines gleichschenkligen Trapezes annehmen. Da der mögliche Abstand zum Gebäude meist begrenzt ist, muss der Fotograf zum Ablichten des gesamten Objekts die Kamera leicht nach oben neigen. In der Folge ist die Kamera nicht mehr parallel zur Objektebene und es entsteht eine Verzerrung im Bild. Mit der Objektivkorrektur ist es jedoch möglich, dem Gebäude in nur wenigen Schritten seine ursprüngliche Form zurückzugeben.

Haben Sie das Foto im Photoshop geöffnet, gelangen Sie über den Reiter «Filter» zur Objektivkorrektur.

Sowohl auf Städtetrips als auch auf dem Land lassen sich sehenswerte Gebäude finden, die einen Schnappschuss wert sind. Mit ein wenig Abstand zum auserwählten Objekt und einem Weitwinkelobjektiv ist es meist keine grosse Herausforderung diese im Ganzen einzufangen. Allerdings kommt es bei Architekturaufnahmen oft zu Verzerrungen, verschobenen Horizonten oder gebogenen Linien. In der Nachbearbeitung lassen sich solche Schönheitsfehler leicht korrigieren. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Gebäude mit Photoshop ins richtige Licht rücken. Die Objektivkorrektur Bei der frontalen Aufnahme von Gebäuden kann es vorkommen, dass diese auf der Aufnahme nach unten breiter wirken und die Form eines gleichschenkligen Trapezes annehmen. Da der mögliche Abstand zum Gebäude meist begrenzt ist, muss der Fotograf zum Ablichten des gesamten Objekts die Kamera leicht nach oben neigen. In der Folge ist die Kamera nicht mehr parallel zur Objektebene und es entsteht eine Verzerrung im Bild. Mit der Objektivkorrektur ist es jedoch möglich, dem Gebäude in nur wenigen Schritten seine ursprüngliche Form zurückzugeben. Haben Sie das Foto im Photoshop geöffnet, gelangen Sie über den Reiter «Filter» zur Objektivkorrektur.

Wurde die Objektivkorrektur gewählt, öffnet sich ein neues Fenster. Wählen Sie in diesem den Reiter «Benutzerdefiniert». Dort befindet sich der Bereich «Transformieren». Hier können Sie sowohl die vertikale als auch die horizontale Perspektive anpassen. Bei der Architekturfotografie wird meist nur die vertikale Perspektive benötigt. Schieben Sie den Regler der vertikalen Perspektive solange, bis sich das Gebäude in seiner ursprünglichen Form befindet. Als Hilfestellung kann ein Raster eingeblendet werden, indem Sie unten links bei «Raster einblenden» einen Haken setzen.

Screenshot – Benutzerdefinierte Objektivkorrektur in Photoshop

Durch die Veränderung der vertikalen Perspektive wird die Form der Aufnahme verändert. Anschliessend müssen Sie diese neu beschneiden. Im Reiter «Auto-Korrektur» der Objektivkorrektur kann ein Haken bei «Bild automatisch skalieren» gesetzt werden. Dadurch wird das Bild automatisch beschnitten.

Hinweis: Um eine solche Objektivkorrektur vornehmen zu können, ist es wichtig, bereits beim Fotografieren des Objektes einen gewissen Abstand zum Bildrand zu haben. Durch die Veränderungen der Perspektive kann es sonst passieren, dass Teile des Gebäudes der Beschneidung zum Opfer fallen.

Das Bild nach dem Horizont ausrichten

Ist der Horizont auf einem Bild deutlich zu sehen, sollte dieser gerade durch das Bild verlaufen. Dies ist überwiegend bei Aufnahmen der Fall auf denen sich grössere Gewässser im Hintergrund befinden. Beim freihändigen Fotografieren passiert es schnell, dass der Horizont schief im Bild ist und somit die gesamte Aufnahme schief wirken lässt. Aber auch hierfür bietet Photoshop eine schnelle und einfache Lösung.

Screenshot – Der Weg zum Linealwerkzeug in Photoshop

Öffnen Sie auch hier zuerst das zu bearbeitende Bild in Photoshop. In der linken Seitenleiste befindet sich die Pipette, in deren Auswahlmenü sich das Linealwerkzeug befindet. Durch einen rechten Mausklick auf die Pipette erscheint dieses Menü.

Screenshot – begradigen des Horizonts mit dem Linealwerkzeug in Photoshop

Wurde das Linealwerkzeug ausgewählt, setzen Sie die Maus auf der linken Seite des Horizonts an. Halten Sie nun die Maustaste gedrückt und ziehen Sie eine Linie entlang des Horizonts. Unter der oberen Menüleiste finden Sie den Befehl «Ebene gerade ausrichten». Die markierte Horizontallinie wird nun mit der gesamten Aufnahme geradegerichtet.

Vorher – Nachher Begradigung des Horizonts

Die Schatten und Lichter der Aufnahme optimieren

Bei der Retusche von Architekturaufnahmen spielt nicht nur die Perspektive und die Lage des Horizonts eine Rolle. Ebenso bedeutend ist die Wirkung der Schatten und Lichter sowie der Farbe. Wirkt eine Aufnahme noch etwas fad, hilft der Camera RAW-Filter, um dem Bild die richtige Wirkung zu verleihen.

Screenshot – Weg zum Camera RAW-Filter in Photoshop

Wie bereits die Objektivkorrektur befindet sich Camera RAW-Filter in der oberen Menüleiste unter dem Reiter «Filter». Hier öffnet sich ebenfalls ein neues Fenster. In diesem finden Sie unterschiedliche Regler, die Sie beliebig verschieben können. Wie die Veränderungen der verschiedenen Kriterien miteinander wirken, lässt sich durch Ausprobieren am besten herausfinden. Spielen Sie also mit den Reglern Farbtemperatur, Belichtung, Tiefen, Lichter, Weiss und Schwarz. So können sich selbst unter- oder überbelichtete Fotos in kontrastreiche Aufnahmen verwandeln.

Mit der Erhöhung des Reglers «Klarheit» werden noch stärkere Konturen und Kontraste geschaffen.

Screenshot – zwei unterschiedliche Reiter im Camera RAW-Filter in Photoshop

Links zeigt den Camera RAW-Filter mit den Grundeinstellungen – Rechts zeigt den selben Filter mit dem geöffneten Reiter HSL/ Graustufen

Dominiert eine bestimmte Farbe die Aufnahme oder eine Farbe soll besonders hervorgehoben werden, hilft ebenfalls der Camera RAW-Filter. Nutzen Sie den Reiter HSL/Grautöne. Dort können Sie sowohl den Farbton als auch die Sättigung und die Luminanz der verschiedenen Farben einzeln regulieren. Ist das Ergebnis zufriedenstellend, kann der Camera RAW-Filter mit einem Klick auf «OK» geschlossen werden. Anschliessend kann das Bild gespeichert oder weitere Nachbearbeitungsmassnahmen vorgenommen werden.

Optimierung von Lichter und Schatten einer Fotografie im Vorher-Nachher-Vergleich

Fazit

Nicht nur Portraits sondern auch Gebäude können durch die Retusche ins richtige Licht gerückt werden. Das Bildbearbeitungsprogramm Photoshop bietet dabei schnelle und einfache Möglichkeiten, um die wichtigsten Schönheitskorrekturen bei Ihren Architekturaufnahmen vorzunehmen. Die Korrektur von Objektivverzerrungen, dem Ausrichten des Horizonts und dem Optimieren der Lichter und Schatten verhelfen dabei zu einer gelungenen Bildwirkung.

Neben diesen drei Methoden gehört auch das Entfernen von störenden Elementen zur Fotoretusche. Wie Sie Objektivverschmutzungen oder unschöne Elemente aus einem Foto entfernen erfahren Sie detailliert im Artikel «Retuschieren von Fotos in Photoshop – so gelingt’s».

Reisfelder auf Bali – durch die Person im Vordergrund wirkt das Bild interessanter

Menschen und Sehenswürdigkeiten fotografieren

Zu jeder Reise gehört auch der ein oder andere Besuch von imposanten Sehenswürdigkeiten, die eine Stadt oder eine bestimmte Region ausmachen. Historische Bauwerke, skurrile Architektur und religiöse Stätten locken allerorts zahlreiche Besucher, die ihren Besuch auf einem Foto von sich und der Attraktion festhalten möchten. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Sehenswürdigkeiten auf dem Foto eindrucksvoll festhalten und tolle Fotos mit Erinnerungswert schiessen.

Bildausschnitt und Komposition

Um ein harmonisches Motiv oder eine bestimmte Bildwirkung zu erhalten, empfiehlt sich grundsätzlich die Anwendung der «Drittel-Regel». Diese vereinfachte Form des goldenen Schnitts sorgt für ein stimmiges Motiv, in welchem das fotografierte Objekt ideal zur Geltung kommt. Zur Orientierung wird der Bildausschnitt in neun gleichgrosse Teile gegliedert. Bei vielen Kameras oder auch Smartphones können Sie sich diese Hilfslinien auf dem Display bzw. im Sucher anzeigen lassen. Für ein gelungenes Erinnerungsfoto einer Person vor einer Sehenswürdigkeit sollten Sie nun einen Bildausschnitt wählen, in dem die Person entlang der Hilfslinien oder direkt an einem Schnittpunkt positioniert ist. Bei Aufnahmen aus der Ferne gehen Sie genauso vor und richten sowohl das Objekt als auch die Person auf die Hilfslinien oder die Schnittpunkte aus. Die Drittel-Regel können Sie auch auf Selfies anwenden, um im Bild ein harmonisches Verhältnis von Ihnen im Vordergrund und der Sehenswürdigkeit im Hintergrund zu erhalten.

«Drittel-Regel»: Person und Sehenswürdigkeit orientieren sich an der linken senkrechten Hilfslinie für eine harmonische Bildkomposition

«Drittel-Regel»: Person und Sehenswürdigkeit orientieren sich an der linken senkrechten Hilfslinie für eine harmonische Bildkomposition

Achten Sie auch auf symmetrische Linien und Formen in Ihrem Motiv. Diese können Sie zur Bildgestaltung nutzen und eine interessante Bildwirkung entstehen lassen. Historische Bauwerke und Kirchen weisen oft symmetrische Gestaltungselemente wie Säulen oder Ornamente auf. Richten Sie diese und gegebenenfalls die Person, die mit auf das Bild soll, mittig aus. Stellen Sie sich dafür die horizontale oder vertikale Spiegelachse in Ihrem Motiv vor, die das Bild genau mittig teilt.

Durch die symmetrische Ausrichtung von Sehenswürdigkeit und Person wirkt das Motiv harmonisch und interessant

Durch die symmetrische Ausrichtung von Sehenswürdigkeit und Person wirkt das Motiv harmonisch und interessant

Perspektive wechseln

Die Position der Kamera spielt ebenfalls eine wichtige Rolle beim Fotografieren von Sehenswürdigkeiten. Experimentieren Sie mit verschiedenen Perspektiven, um eine Touristenattraktion aussergewöhnlich in Szene zu setzen. So wirken Motive aus der Froschperspektive oder von einer erhöhten Position aus, interessanter. Um die enorme Grösse eines Bauwerks auf dem Foto wirken zu lassen, wählen Sie den nötigen Abstand, um das gesamte Objekt auf das Bild zu bekommen. Steht nun Ihre Reisebegleitung nah an der Sehenswürdigkeit, wirkt das Objekt durch den direkten Grössenvergleich noch imposanter. Dies eignet sich am besten bei möglichst freistehenden Sehenswürdigkeiten und zu einer Tageszeit, zu der noch kein allzu grosser Andrang an Besuchern herrscht. Meist eignen sich die Morgenstunden am besten, um Sehenswürdigkeiten entspannt und ohne zahlreiche andere Touristen im Bild zu fotografieren.

Optische Täuschungen sind bei vielen Reisenden besonders beliebt, um eine Attraktion oder ein typisches Wahrzeichen verspielt in Szene zu setzen. Dabei befindet sich das Objekt meist im Hintergrund, während eine Person im Vordergrund den Eindruck vermittelt, dieses etwa mit aller Kraft wegzuschieben oder sich daran anzulehnen. Richten Sie dafür den Bildausschnitt so aus, dass es tatsächlich aussieht, als würde die Person das Objekt berühren. Somit verschmilzt der Hintergrund mit dem Vordergrund und es entsteht ein witziges Foto als Erinnerung an Ihren Besuch.

 

Fokus variieren

Eine weitere kreative Möglichkeit für tolle Erinnerungsfotos ist das Bild im Bild. Hierbei wird statt dem Original ein Abbild der Sehenswürdigkeit fokussiert, während das echte Objekt leicht verschwommen im Hintergrund zu sehen ist. Das Abbild kann etwa ein altes Foto oder auch das Display der Kamera oder des Smartphones im Aufnahmemodus sein. Halten Sie das Abbild vor Ihre Kamera in den Bildausschnitt oder lassen Sie sich mit dem Abbild in der Hand vor dem Original fotografieren.

Polaroid-Aufnahme von Notre Dame in Paris im Fokus vor der «echten» Sehenswürdigkeit

Polaroid-Aufnahme von Notre Dame in Paris im Fokus vor der «echten» Sehenswürdigkeit

Auch über Spiegelungen lassen sich spannende indirekte Fotos von bekannten Wahrzeichen und Bauwerken machen. Fokussieren Sie zum Beispiel die Spiegelung der Sehenswürdigkeit in der Sonnenbrille oder dem Seitenspiegel eines Autos, um ein interessantes Motiv zu gestalten. So können Sie auch schlechtes Wetter kreativ nutzen, indem Sie Spiegelungen aus Pfützen oder nassen Pflasterstrassen verwenden, um eine Sehenswürdigkeit stimmungsvoll einzufangen.

 

Ihrer Fantasie sind beim Fotografieren von Sehenswürdigkeiten keine Grenzen gesetzt. Seien Sie kreativ und halten Sie die Touristenattraktion aus einer aussergewöhnlichen Perspektive fest oder spielen Sie mit dem Fokus und verschiedenen Bildausschnitten, um tolle Erinnerungsfotos von Ihrer Sightseeingtour zu erhalten.

Fotocollage aus drei Bildern der Reisefotografen Dominik Orth, Andy Gawlowsky und Anita Brechbühl

Die besten Schweizer Reisefotografen

Die Reisefotografie ist vielfältig wie kaum ein anderer Bereich in der Fotografie. In fremden Ländern treffen wir auf andere Vegetationen, exotische Tiere, aussergewöhnliche Landschaften, beeindruckende Architektur und Menschen aus fremden Kulturen. Dadurch vereint die Reisefotografie viele verschiedene Facetten der Fotografie.

Wir haben uns auf die Suche gemacht und mit drei Schweizer Fotografen gesprochen, die eine besondere Leidenschaft für die Reisefotografie hegen und diese erfolgreich ausleben.

Dominik Orth

Der 1978 geborene Schweizer Fotograf Dominik Orth arbeitet international in den Bereichen Reportage, Landschaft und Portrait. Diese drei Bereiche vereint er unter anderem auch in der Reisefotografie.

Während seiner Reisen hält er das Leben von Menschen fremder Kulturen, die Seelen der Länder und die Geheimnisse der Natur mit seiner Kamera fest. Der ästhetische und künstlerische Anspruch steht dabei stets im Vordergrund. Folglich soll jede einzelne seiner Fotografien stark und aussagekräftig genug sein, um unabhängig von seinen Serien stehen zu können.

Studiert hat Dominik Orth allerdings Psychologie und Betriebswirtschaft in Zürich. Zur Reisefotografie jedoch kam er im Jahre 1999: «Ich bin durch meine Grosseltern auf den Reisegeschmack gekommen, die mich 1999 zum ersten Mal nach Laos mitgenommen haben. Danach habe ich mir eine Digitalkamera gekauft und seither über 60 Länder bereist.»

 

gestreifte Berge – Zhangye im Nordwesten Chinas

Zhangye im Nordwesten Chinas © by Dominik Orth – www.orth.ch

Welches Ihrer Reiseziele hat Sie am meisten fasziniert?

«Am meisten fasziniert hat mich meine expeditionsartige Reise in den Ost-Tibet. Dort habe ich mehrere zum Teil sehr abgelegene Klöster besucht. Das buddhistische Lehrinstitut Larung Gar, welches auf über 4000 m über dem Meeresspiegel liegt, war einer der eindrücklichsten Orte, die ich je bereist habe.»

 

viele kleine Gebäude in den Bergen Osttibets

Buddhistisches Lehrinstitut Larung Gar in Osttibet © by Dominik Orth – www.orth.ch

World Wide Wax

Hinter dem Namen World Wide Wax steht der seit 2009 in der Schweiz wahlbeheimate Reisefotograf Andy Gawlowski. Geboren wurde er 1980 in Polen und lebte seit seinem siebten Lebensjahr mit seiner Familie in Deutschland.

Im Laufe der Jahre eignete sich Andy Gawlowski alle notwendigen Techniken und Fähigkeiten an, um seiner Kreativität im Rahmen der Fotografie Ausdruck zu verleihen.

Wie und wann sind Sie zur Reisefotografie gekommen?

«Zur Reisefotografie bin ich während meiner ersten grossen Reise nach Thailand gekommen. Das war im Jahr 2011. Ich habe zwar davor schon viele Jahre fotografiert, jedoch ohne inhaltliches Konzept. Erst mit der Reise hatte ich eine erste vollständige und abgeschlossene Fotoserie. Ab dem Zeitpunkt wusste ich, dass Reisefotografie, in Verbindung mit Street Photography, das Genre ist, in dem ich mich spezialisieren möchte. Seitdem bereise ich so oft es geht die Welt, die Kamera immer im Anschlag.»

voll besetztes Auto in der kubanischen Hauptstadt Havanna

Havanna in Kuba © by Andy Gawlowski – www.worldwidewax.ch

 

Welches Reiseziel hat Sie am meisten fasziniert?

«Diese Frage kann ich nicht eindeutig beantworten. Jedes der Länder, das ich bisher gesehen habe, war auf seine Weise faszinierend, speziell und bereichernd. Am Ende hängt vieles von jedem persönlich ab, ob eine Reise positiv, oder negativ im Gedächtnis bleibt. Ich versuche immer möglichst viel aus meinen Reisen herauszuholen, viel zu sehen, mit den Einheimischen zu sprechen, ihre Küche und Traditionen kennenzulernen. Müsste ich mich aber für ein Land entscheiden, dann wäre das wahrscheinlich Mexiko – Yucatan. Die Mischung aus geschichtsträchtiger Kultur, unbeschreiblichen Landschaften sowie den Traditionen der Mexikaner hat den bisher mit grössten Eindruck hinterlassen. Aber dann wären ja auch noch Marokko, Kuba, China, Vietnam … schwierig zu beantworten.»

 

enge Gasse mit blauen Häusern in Chefchaouen in Marokko

Chefchaouen in Marokko © by Andy Gawlowski – www.worldwidewax.ch

Travelita

Anders als bei den Bereits vorgestellten Reisefotografen handelt es sich bei Travelita um einen Reiseblog.

Diesen Reiseblog rief die gebürtige Schweizerin Anita Brechbühl in Zusammenarbeit mit Ihrem Freund und Blogpartner Nicolas Glauser im März 2012 ins Leben. In ihren Beiträgen bringen sie uns nicht nur durch ihre atemberaubenden Aufnahmen zum Stauen, sondern lassen uns zudem in Wort und Schrift voll und ganz an ihren Erlebnissen teilhaben.

steinige schneebedeckte Küste in Lappland

Roadtripp Lappland © by Anita Brechbühl – www.travelita.ch

«Meine Begeisterung für Fotografie startete, als ich in der 5. Klasse zu Weihnachten eine analoge Kamera als Geschenk erhielt. Die begleitete mich ab diesem Zeitpunkt auf allen Ausflügen, Ferien und Reisen. Mit den entwickelten Fotos gestaltete ich jeweils nach den Ferien umfangreiche Reisetagebücher. Insofern ist die «Reisefotografie» ein Thema, das mich schon sehr lange begleitet. Als ich vor fünf Jahren zusammen mit meinem Freund Nicolas Glauser den Blog startete, nutzten wir dies als Ansporn, uns fotografisch weiterzuentwickeln. Es ist natürlich schon ein Unterschied, ob ich meine Schnappschussreisebilder im privaten Album sammle oder einen Reisebericht für alle einsehbar öffentlich publiziere.»

natürliches Wasserloch in einer Wüste in Oman

Roadtrip Oman © by Anita Brechbühl – www.travelita.ch

Auch von Anita wollten wir gerne wissen, welches Ihrer Reiseziele sie am meisten fasziniert hat:

«Schwierige Frage – eigentlich ist es immer das, welches ich gerade bereise. Ich mag bei der Reisefotografie die Vielseitigkeit und fotografiere genauso gerne Architektur wie Landschaftsbilder. In bleibender Erinnerung ist mir aber der Oman geblieben, den wir im Frühling 2016 bereisten. Ein Land, in dem es so viele landschaftliche und kulturelle Schätze zu entdecken gibt und dessen Wadis und versteckten Oasen uns zum Staunen brachten. Eine Faszination übt auch Nordeuropa aus. Wir waren schon mehrmals in Norwegen und Finnland, wo uns die langen Dämmerungszeiten mit den traumhaften Lichtstimmungen jedes Mal zum Schwärmen bringen.»

Die Geschichten zu den Bildern von Anita Brechbühl finden Sie hier:

 

 

Lost Places: ein Ausblick aus den Gemäuern von Craco

Die fünf tollsten Lost Places in Europa für Hobbyfotografen

Vergessene und von Verfall geprägte Orte – sogenannte Lost Places – sind eine hervorragende Kulisse für abwechslungsreiche und atemberaubende Fotos. Ob leerstehende Hotels oder alte Industrie-Gebäude, die einzigartigen Motive und das interessante Licht- und Schattenspiel erwecken die Vergangenheit wieder zum Leben. Jedoch sind solche Locations nicht einfach zu finden, denn die interessantesten davon sind gut gehütete Geheimnisse.

Was Sie beim Betreten von Lost Places beachten sollten, lesen Sie in diesem Artikel. Denken Sie ausserdem immer daran: „take nothing but pictures, leave nothing but footprints“.

Auf Entdeckungstour quer durch ganz Europa finden sich alte verlassene Gebäude, Denkmäler, Bahnhöfe, Ruinen und vieles mehr. Wunderschöne Objekte, die an eine längst vergangene Zeit erinnern – lassen Sie sich inspirieren.

5 aussergewöhnliche Lost Places

Der Harzburger Hof, Deutschland – der Verfall eins Prunkhotels

Aussenansicht vom Harzburger Hof – Lost Place in Niedersachsen

Nach seiner Eröffnung im Jahre 1874 in Bad Harzburg, einer Stadt in Niedersachsen, galt dieses Hotel als eines der prächtigsten in Deutschland. Auf rund 18.000 Quadratmetern genoss die adlige Gesellschaft ihre Ruhe vor dem Alltag. Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurde es von Soldaten als Erholungszentrum genutzt. Trotz reichlicher Sanierungsmassnahmen erreichte es aber nie wieder den Glanz alter Tage. Eine sehenswerte Ruine, die durch einen Brand zerstört wurde, prägt nun die Kulisse von Bad Harzburg.

Die Räume sind noch teilweise möbliert, was einen besonderen Rahmen für aufregende Fotos bietet. Highlight ist sicherlich der alte Speisesaal des Hotels. Monumentale Säulen, pompöser Stuck und eine detailverliebte Einrichtung verschaffen dem verfallenen Raum besonderen Charme.

Reich verzierte Treppe im Harzburger Hof

Lungenheilanstalt am Grabowsee nahe Berlin, Deutschland

Nur 20 Minuten vom belebten Berlin entfernt befindet sich diese weitläufige Anlage, die aus mehreren sehr unterschiedlichen Gebäuden besteht. Erbaut wurde sie im Jahre 1896 als Lungenheilanstalt. Hauptsächlich wurden hier Tuberkulosepatienten behandelt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude zu einem sowjetischen Militärkrankenhaus umfunktioniert. Heute sind die meisten Räume leer, doch die verfallenen Räumlichkeiten bieten trotzdem eine Vielfalt an faszinierenden Fotomotiven. Besonders eindrucksvoll ist der Pianosaal der ehemaligen Heilanstalt – bodentiefe Fenster umrahmen einen imposanten Saal, in dessen Mitte ein altes Piano auf einer Bühne steht. Dieser Saal inspirierte auch Hollywood-Star George Clooney, der ihn als Kulisse für den Film „The Monuments Men“ nutzte.

Lungenheilanstalt am Grabowsee Grabowsee - altes Piano 

Oradour-sur-Glane, Frankreich – die geheimnisvolle Gedenkstätte

Dieser Lost Place befindet sich in der Region Nouvelle-Aquitaine im Südwesten Frankreichs. Der Ort erlangte durch ein verübtes Kriegsverbrechen der SS im Jahre 1944, auch „das Massaker von Oradour“genannt, traurige Berühmtheit. Fast alle Dorfbewohner verloren bei diesem Massaker ihr Leben und die Stadt wurde durch die anschliessende Brandstiftung beinahe vollständig zerstört. In den Überresten der Kirche wurde eine sehenswerte Mahn- und Gedenkstätte errichtet. Wenn das Sonnenlicht durch die verfallenen Ruinen strahlt, entstehen interessante Licht und Schatten-Spiele, die aufregende Bildkompositionen zulassen. Aber auch Dämmerung oder Nebel machen diesen Lost Place zu einer tollen Location für Fotografie-Begeisterte.

Kulisse von Oradour-sur-Glane

der zerstörte Dorfplatz von Oradour-sur-Glane

Psychiatrische Anstalt in Volterra, Italien – ein Ort des Grauens

Am Rande von Volterra erstreckt sich das düstere Gebäude der ehemaligen Psychiatrie. Dieser Ort muss zu seiner Zeit die Hölle auf Erden gewesen sein: Berichten zufolge starben 10 Prozent der Insassen infolge schlechter Behandlung, 40 Prozent aufgrund der katastrophalen hygienischen Umstände und der Rest einfach aus Kummer. Infolge der Reformen von Basaglia wurde die Psychiatrie 1978 geschlossen.

Die verfallenen Korridore der Psychiatrie bieten zahllose Motiv-Möglichkeiten

Schauriges Highlight dieses Lost Places ist die Geschichte des Insassen Oreste Nannetti, der das Erlebte mithilfe seiner Gürtelschnalle auf 180 Metern Mauerwerk einritzte. Dieses Tagebuch, das mit Schrift und Zeichen seine Wahrnehmungen wiederspiegelt, ist auch heute noch erhalten.

Ansonsten sind die Gebäude mittlerweile leergeräumt. Trotzdem erwecken Sie den dunklen Geist der Geschichte und bieten eine schaurige Foto-Kulisse.

Gemeinde Craco, Italien – eine durch Erdrutsche zerstörte Geisterstadt

Die Ortschaft Craco in der Provinz Matera wurde bei einem Erdrutsch in den 60er Jahren stark beschädigt. Nachdem die letzten verbleibenden Einwohner die Stadt infolge eines weiteren Erdbebens 1980 verlassen hatten, ist der Ort allgemeinhin als „Città fantasma“– die Geisterstadt – bekannt. Die verlassene Ruinenstadt, die in einen Felsen geschlagen wurde, bietet noch heute eine altertümliche Kulisse mit eindrucksvollem Charisma. Im Jahre 2010 wurde sie sogar in die Liste gefährdeter Kulturdenkmäler aufgenommen. Die ganze Geisterstatt ist ein Mekka für Lost-Place-Fotografen: die Motive sind zahllos und so gelingen sowohl Innen- als auch Aussenaufnahmen der Ruinen.

Craco die Geisterstadt

 

Detailreiche Aufnahme einer Architekturfotografie Münchner Residenz

Architekturfotografie – Tipps zu gelungenen Architekturfotos

Zusammen mit der Objektfotografie gehört die Architekturfotografie zu einem der schwierigsten Gebieten der Fotografie. Dem Fotografen wird ein hohes technisches Verständnis abverlangt. Ausserdem müssen die Einstellungen der Kamera gekannt und beherrscht werden.

Architektur kann sowohl im Aussenbereich als auch im Inneren von Gebäuden festgehalten werden. Dabei spielen zwei wesentliche Strömungen eine grosse Rolle. Da wäre zum einen die dokumentarische Architekturfotografie. Sie kommt immer dann zum Einsatz, wenn Gebäude näher beschrieben werden sollen. Oft werden dabei gebäudespezifische Merkmale exakt wiedergegeben. Dokumentarische Architekturfotos finden sich in Bildbänden, Fachmagazinen, Broschüren und Baudokumentationen wieder. Die andere Strömung der Architekturfotografie beschäftigt sich mehr mit der Interpretation von Gebäuden und hält derweilen einen künstlerischen Aspekt inne. Nicht selten wirken die Fotografien so, als ob die Bildaussage von der Gebäudeaussage entkoppelt ist. Während die dokumentarische Fotografie eher den Architekten hervorhebt, stellt die künstlerische Architekturfotografie ganz den Fotografen in den Mittelpunkt. Ihre Fotos sind in Galerien und Ausstellungen wiederzufinden.

Wie gelingen gute Architekturfotos?

Wir möchten Ihnen zeigen, worauf sie beim Fotografieren von Gebäuden und Räumen achten müssen. Dafür haben wir die wichtigsten Faktoren zusammengetragen und im Folgenden kurz erläutert. Das Fotografieren mit Stativ sei hier vorausgesetzt.

Der Standort und die Perspektive

Das Natural History Museums von innen

Für die Architekturfotografie werden vor allem Zeit und eine angemessene Fotoausrüstung benötigt. Es dauert schon eine Weile, bis eine tolle Perspektive gefunden wird, aus der ein Bauwerk fotografiert werden kann. Der Standpunkt spielt also eine überaus wichtige Rolle. Trotz gleichbleibender Architektur kann die Standortänderung des Fotografen ein grosse Wirkungen auf das Motiv haben. Bei einer Änderung sollte auch immer die Brennweite zum Objekt angepasst werden. Es lassen sich zwei Wirkungen erzielen. Der Fotograf kann zum einen den aussergewöhnlichen Entwurf des Architekten hervorheben oder auf der anderen Seite negative Eigenschaften des Bauwerks kaschieren. Problematisch sind extreme Standorte. Befindet sich der Fotograf zu nah am oder zu weit entfernt vom Objekt, entstehen surreale, befremdliche und unschöne Fotos.

  • Ein geringerer Abstand zum Gebäude lässt es schlanker und Spitzer erschienen.

Motivwahl

Verfallene oder tendenziell unattraktive Bauten können durchaus auch ein potenzielles Motiv darstellen. Ein gutes Motiv hängt von der Beschaffenheit der Abbildungsqualität ab. Für das richtige Motiv wird viel Zeit benötigt, da wie bereits erwähnt, der Standpunkt eine wichtige Rolle spielt. Bei der Suche nach dem richtigen Motivblick hilft es, das Gelände vorher ausreichend zu erkunden. Dazu können mehrere Bilder von der Umgebung aufgenommen und zu Hause analysiert werden. Mit der Zeit kristallisiert sich ein interessantes Motiv heraus.

  • Das richtige Motiv muss erst erkundet werden, aber ohne sich dabei in Gefahr zu begeben.

Stürzende Linien

Straße in Toronto mit Wolkenkratzern

Die dokumentarische Architekturfotografie versucht stürzende Linien unbedingt zu vermeiden. Dieses Phänomen tritt immer dann auf, wenn die Fotokamera nicht parallel zur Objektebene ausgerichtet ist. Viele versuchen die Spitze des Gebäudes noch mit auf das Bild zu bekommen und neigen die Kamera mit dem Objektiv nach oben. Das Problem ist die zunehmende Entfernung des Gebäudes von unten nach oben. Bei einem Weitwinkel wandern senkrechte Kanten umso mehr zur Motivmitte, je weiter weg sie von der Kamera sind.

Illustration erklärt stürzende Linien

Mit digitalen Kameras lassen sich stürzende Linien nur dann vermeiden, wenn sich der Aufnahmestandort genau in der Hälfte der gesamten Gebäudehöhe befindet.

In der künstlerischen Architekturfotografie sind stürzende Linien aber durchaus gewollt. Besonders ausgeprägt sind die Linien in der Froschperspektive, wenn der Fotograf beispielsweise in einer Strasse mit Wolkenkratzern steht. Die steilen Fassaden der Hochhäuser entfalten eine gewisse Dramatik und das ganze Bild gewinnt insgesamt an Dynamik.

  • Je kürzer die Brennweite, desto stärker bilden sich stürzende Linien.
  • Die Froschperspektive lässt Gebäude deutlich grösser erscheinen.

Aufnahmeparameter

Ist die Fotokamera auf einem stabilen Stativ befestigt, können die Aufnahmeparameter eingestellt werden. Wer im Besitz einer DSLR ist, kann nun den Blendenvorwahl-Modus (A / Av) anwählen. Das zu fotografierende Objekt sollte nämlich vor allem eine grosse Tiefenschärfe abbilden können (insofern man sich nahe genug an der Architektur befindet). Damit auch kleine Details im Bild erhalten bleiben, ist ein möglichst niedriger ISO-Wert auszuwählen. In Verbindung mit einer kleinen Blendenöffnung wird eine dementsprechend lange Belichtungszeit ermöglicht. Alleine schon aus diesem Grund rechnet sich ein vernünftiges Stativ. Damit dem Verwackeln kein Spielraum gelassen wird, sollte beim Fotografieren ein Fernauslöser, sowie die Spiegelvorauslösung zum Einsatz kommen. Jede Berührung der Kamera während der Aufnahme würde sich im Bild später bemerkbar machen.

  • Detailreiche Bilder werden mit kleiner Blendenöffnung und langer Belichtungszeit erzeugt.

Das Licht

Jenaer Stadtmauer bei Nacht

Das Licht spielt natürlich nicht nur in der Fotografie, sondern auch in der Architektur eine besondere Rolle. Jedes Gebäude verhält sich bei unterschiedlich starker Beleuchtung anders. Wer die Möglichkeit hat, dass zu fotografierende Objekt eine Zeit lang zu beobachten, sollte herausfinden, zu welcher Tageszeit das Gebäude am schönsten erscheint. Einige entfalten ihre Wirkung in der Mittagssonne, andere erst in der Dämmerung oder in der Nacht, wenn sie angestrahlt werden. Das gilt auch für Innenarchitektur. Bei besonders dunklen Räumen wird eine solide Blitzanlage benötigt.

  • Verschiedene Tageszeiten ergeben unterschiedliches warmes Licht
Ein steinerner Treppenaufgang - Wendeltreppe

Einen geschlossenen Raum fotografisch festhalten

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum das Hotelzimmer in der Realität so viel kleiner wirkt als das tolle Foto, das auf der Website zu sehen war? Oder wie schaffen Sie es, Ihrer Familie, die am anderen Ende der Schweiz wohnt, die neue Wohnzimmereinrichtung abzulichten? Durch den begrenzten Platz und teilweise schwierige Lichtverhältnisse stellt das Fotografieren in Innenräumen eine echte Herausforderung dar. Mit der richtigen Ausrüstung und ein paar Tricks lassen sich jedoch auch geschlossenen Räume professionell festhalten.

Es gibt nicht nur Nachteile bei der Fotografie von Innenräumen. Der grosse Vorteil besteht darin, dass man wetterunabhängig ist und durch entsprechendes Equipment die Gegebenheiten der zu fotografierenden Situation gut anpassen kann.

Lichtstimmung wiedergeben

Aufnahmen, die mit Blitz geschossen werden, wirken oft klinisch und wenig einladend. Das Ziel ist, die im Raum vorherrschende Lichtstimmung auch auf dem Foto wiederzugeben. Dafür benötigen Sie längere Belichtungszeiten und ein Stativ oder eine andere stabile Auflagefläche für die Kamera. Den Blitz sollten Sie ausschalten, da er die Lichtstimmung zerstören würde und harte Schatten erzeugt. Eventuell kann ein indirekter Blitz (gegen Decke oder Wand gerichtet) zum Aufhellen des Raumes genutzt werden.

Viele Digitalkameras haben auch ein Motivprogramm speziell für Innenräume, das Sie über das Menü einstellen können.

Sofern Sie mit einem Stativ oder ähnlichem arbeiten, brauchen Sie keinen Bildstabilisator. Es empfiehlt sich jedoch, einen Fernauslöser zu nutzen oder den Selbstauslöser auf 2 Sekunden einzustellen, um nicht versehentlich beim Auslösen zu verwackeln. Eine lange Belichtungszeit ist beim Fotografieren von Räumen ideal, wenn der Raum nicht taghell erleuchtet ist.

Die Wartehalle eines alten Bahnhofs mit Holzdecken und Holzbänken

Die Wartehalle eines alten Bahnhofs im schummrigen Licht ©Rene Gropp

Wenn Sie aus der Hand fotografieren möchten, nutzen Sie den Bildstabilisator, der in fast jeder neueren Digitalkamera eingebaut ist. Nach Möglichkeit sollten Sie auch den ISO-Wert leicht erhöhen, um die Verschlusszeit zu verkürzen.

Belichtungsprobleme in Innenräumen können dadurch entstehen, dass einige Bereiche sehr dunkel und andere (z.B. Fenster) sehr hell sind. Die grossen Kontraste mit einem hohen Dynamikumfang können als stilistisches Mittel genutzt werden oder über Belichtungsreihen und das übereinanderlegen mehrerer Aufnahmen nachträglich erzeugt werden (HDR-Aufnahme).

Innenräume mit dem richtigen Objektiv fotografieren

Besonders in relativ kleinen Innenräumen eignen sich Weitwinkelobjektive sehr gut, da durch die engen Räume ein ausreichender Abstand zum Motiv oft nicht möglich ist. Die geringeren Brennweiten im Vergleich zu Standardobjektiven ermöglichen die Aufnahme grösserer Bildausschnitte. Dadurch wirken die Aufnahmen weiträumiger. Um eine Verzerrung zu vermeiden, die den Anschein erweckt, das Zimmer hätte schiefe Wände, sollte die Kamera gerade und senkrecht zum Mittelpunkt der gegenüberliegenden Wand ausgerichtet werden.

Für DSLR sind Weitwinkelobjektive ein bekanntes Equipment, es gibt jedoch auch für Smartphones Weitwinkel- sowie Fisheye-Objektive zum Aufsetzen. Dabei sollte man auf die Qualität der Linse und die Kompatibilität zum eigenen Smartphone achten, besonders niedrigpreisige Produkte schneiden in den Kundenbewertungen regelmässig schlecht ab.

Perspektive in Innenräumen

Der Standort, den man als Fotograf einnehmen kann, ist in einem Raum stark eingeschränkt. Für interessante Perspektiven und eine möglichst realistische Raumwiedergabe wird man oft direkt an einer Wand oder in einem Gang stehen müssen. Entfernen Sie störende Objekte aus Ihrem Motiv, indem Sie etwas umräumen oder einen veränderten Aufnahmestandpunkt einnehmen.

Bei rechteckigen Räumen bieten sich zwei Perspektiven an: Sie können sich mittig auf die Raumachse stellen und gen der gegenüberliegenden Wand fotografieren (Zentralperspektive). Besonders kleine Räume wirken dadurch aufgeräumt, ruhig und etwas dynamisch.

Aus Zentralperspektive fotografierte Stube mit Kommode und frontalen Fenstern

Aus Zentralperspektive fotografierte Stube

Alternativ können Sie diagonal oder in einem schrägen Winkel in den Raum fotografieren und sich dafür in eine Ecke stellen. Die Dynamik des Bildes erhöht sich dadurch, es entsteht eine grössere räumliche Tiefe. Andererseits kann diese Zweipunktperspektive – je nach Raum – zu einem unausgewogenen Bildaufbau führen.

In einem Innenraum aus der Ecke diagonal in Richtung Fensterfront fotografierter Speiseraum

In einem Innenraum aus der Ecke diagonal in Richtung Fensterfront fotografiert – dunklere und hellere Bildbereiche sind deutlich sichtbar ©Gundel Woite

Bei grossen Räumen oder gar Räumen, die sich über mehrere Etagen öffnen, haben Sie andere Möglichkeiten, kreative Perspektiven einzunehmen. So können Sie beispielsweise Büros, die über eine Galerie verfügen, von oben aufnehmen. Kirchen und grosse Hallen lassen sich meist nicht in einem Bild abbilden, sondern nur als Teilaufnahmen. Es bietet sich dabei an, mit der Richtung des Lichtes zu fotografieren, beispielsweise mit einem Fenster im Rücken, oder einfallendes Licht aus seitlichen Fenstern als Stilelement zu nutzen.

Aus Zentralperspektive fotografierte verlassene Werkhalle mit Graffiti und schrägem Lichteinfall

Aus Zentralperspektive fotografierte verlassene Werkhalle ©Lydia Hülle

Details in Innenräumen festhalten

Die Details eines Raumes können interessante Akzente setzen. Achten Sie auf die Besonderheiten des Raumes – Dekoration, Möbel, Textilien, aber auch Fenster, Türrahmen, Treppen und ähnliche Raumelemente können interessante Detailaufnahmen liefern. Spielen Sie vielleicht auch ein wenig mit der Anordnung der beweglichen Details, um ein insgesamt harmonischeres Bild des Raumes zu erzeugen.Variieren Sie Ihren Blickwinkel und testen Sie, welche Perspektive die beste ist. Je nach Lichtverhältnissen sollten Sie auch hier ein Stativ nutzen.

Detailaufnahme der Technik einer alten Windmühle – Holzräder und -balken

Detailaufnahme der Technik einer alten Windmühle. ©Gerd Gropp

 

 

 

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Skyline Manhattan

Unterwegs im Grossstadtleben

Die facettenreiche Gestalt und das bunte Treiben einer Grossstadt bieten vielfältige Möglichkeiten für tolle Fotomotive. Um den Charme verträumter Altstadtgassen, moderner Architektur und imposanter Sehenswürdigkeiten auf Fotos möglichst lebendig wirken zu lassen, sind ein paar Tricks und die richtige Vorbereitung das A und O. Ungewöhnliche Motive und Perspektiven sowie die Nutzung von Lichteffekten, symmetrischen Formen und Linien fangen das Flair einer Stadt besonders lebendig ein.

Die folgenden Tipps sorgen für gelungene Fotos aus dem Grossstadtleben mit besonderer Wirkung.

Sehenswürdigkeiten und Architektur

Detailausschnitt vom Pariser Eifelturm

Die vielgestaltige Architektur, der man auf der Entdeckungstour durch eine Grossstadt begegnet, lässt sich auf Fotos toll in Szene setzen. Sehenswürdigkeiten wie historische Gebäude, prunkvolle Schlösser und imposante Brücken sind als Wahrzeichen beliebte Motive für das Fotografieren von Städten. Um diese mal etwas anders einzufangen, macht eine ungewöhnliche Perspektive oder etwa das Hervorheben eines charakteristischen Details des Hauptmotives das Foto interessanter. Auch das Bild im Bild ist eine geschickte Variante, um eine Sehenswürdigkeit einmal anders abzulichten. So kann ein anderes Foto in den Bildausschnitt der Kamera gehalten und somit in das Fotomotiv integriert werden. Ein weiteres kreatives Bild-im-Bild-Motiv (ohne viel Vorbereitung) ist das Fokussieren eines anderen Kamera- oder Smartphonedisplays im Aufnahmemodus mit der verschwommenen Sehenswürdigkeit im Hintergrund.

Paris Notre-Dame

Vor allem beim Fotografieren von Gebäuden besteht die Gefahr von stürzenden Linien, welche im Bild später störend wirken. Diese lassen sich vermeiden, indem die Kamera im nötigen Abstand zum Objekt parallel zum Boden gehalten wird. Da man in engen Strassen jedoch nicht immer ausreichend Abstand zum gewünschten Bauwerk gewinnen kann, können Tilt-Shift-Objektive stürzende Linien beim Fotografieren bereits korrigieren. Andernfalls kann der störende Effekt durch spezielle Bearbeitungssoftware wie Adobe Photoshop im Nachgang angepasst werden.

Symmetrie

Alt-Text: Symmetrisches Motiv des Arc de Triomph Paris

Im Stadtbild sind zahlreiche Formen und Linien gegenwärtig und eignen sich hervorragend zur kreativen Bildgestaltung. Bei genauerem Hinsehen verbergen sich nahezu überall symmetrische Muster und Spiegelungen. So kann eine völlig neue Sichtweise auf akkurat angelegte Schlossparks, modern verglaste Häuserfassaden oder prunkvoll verzierte, historische Bauwerke geschaffen werden. In vielen Städten finden sich Wasserflächen wie Flüsse, Seen und Brunnen, welche faszinierende Spiegelungen der Umgebung zeigen. Je nachdem, wie die Spiegelungsachse im Bild positioniert wird, lassen sich somit effektvolle Fotos kreieren. Allerdings sollte die Wasseroberfläche möglichst glatt und unbewegt sein, da die Spiegelung sonst verzerrt und nicht deutlich erkennbar ist. Die symmetrische Anordnung auf Fotos lässt diese besonders modern wirken und sorgt für eine spannende Abwechslung bei der Motivwahl.

Auge fürs Detail

Neben beeindruckenden Sehenswürdigkeiten und weiten Stadtpanoramas sind es vor allem kleine Details und Momentaufnahmen aus dem Stadtleben, die das Flair einer Stadt im Bild einfangen. So kann ein abgestelltes Fahrrad, ein witziger Strassenname oder ein alter Stadtbus ein tolles Motiv darstellen, welches das Interesse des Betrachters weckt. Bei der Bildgestaltung bietet es sich an, ähnlich wie bei der Landschaftsfotografie, die Drittel-Regel anzuwenden, um ein harmonisch wirkendes Fotos zu erhalten.

Besondere Vorsicht auf der Suche nach Details, die im Fokus des Motivs stehen sollen, ist beim Fotografieren von Menschen im Stadtbild geboten. Sind diese nur ausversehen im Bild gelandet oder nicht zu erkennen, besteht meist kein Problem. Stellen diese aber das Hauptmotiv des Fotos dar, sollte vor der Aufnahme unbedingt die Erlaubnis aller betreffenden Personen eingeholt werden. In der Schweiz wird das Recht des eigenen Bildes als Konkretisierung des Artikel 28 im Zivilgesetzbuch verstanden. Demnach muss die Person, welche auf einem Foto deutlich zu erkennen ist, zunächst einwilligen, bevor dieses verbreitet werden darf.

Verschwommene Menschen im Theater District in Manhattan

Fotografiert man eine belebte Strasse oder eine gut besuchte Sehenswürdigkeit, kann man die sich bewegenden Menschen durch eine lange Verschlusszeit verschwimmen lassen, um ein kreatives Motiv zu erhalten. Um während der längeren Verschlusszeit Verwacklungen zu vermeiden, bietet sich ein Stativ oder eine stabile Abstellfläche wie eine Mauer oder ein Tisch an.

Möchte man dagegen etwa das bunte Treiben auf dem Markt festhalten, empfiehlt sich die Nutzung des Serienmodus, um die bewegten Menschen genau im richtigen Moment zu erwischen.

Um ein Objekt oder eine Person im Vordergrund des Fotos zu betonen, sollte die Aufnahme mit einer langen Brennweite, also im Telebereich des Zooms, gemacht werden. In Kombination mit einer möglichst kleinen Blendenzahl verschwimmt der Hintergrund, während sich der Vordergrund scharf abzeichnet.

Licht

Durch hohe, schattenwerfende Gebäude und spiegelnde Flächen herrschen in Städten oft schwierige Lichtverhältnisse zum Fotografieren. Grundsätzlich sollte daher der ISO-Wert manuell angepasst und auf die ISO-Automatik verzichtet werden, wenn das die Kamera ermöglicht. Um Bildrauschen zu vermeiden oder möglichst gering zu halten, sollte ein geringer ISO-Wert gewählt werden. Der ideale Wert liegt je nach Kamera bei etwa 100.

Für optimale Ergebnisse gilt es, bestimmte Tageszeiten zu beachten. Die schönsten Fotos entstehen natürlich bei Sonnenschein. Die pralle Mittagssonne sorgt jedoch für harte Schatten und eine teilweise Überbeleuchtung in den Aufnahmen.  Die sogenannte „goldene Stunde“ vor dem Sonnenuntergang schafft hingegen mit ihrem warmen Licht besonders intensive Farben. Kurz vor Sonnenuntergang oder etwa eine Stunde vor dem Sonnenaufgang können beleuchtete Bauwerke oder Strassen besonders wirkungsvoll festgehalten werden.

Um belebende Kontraste in das Bild zu bringen, kann die Lichtquelle zu jeder Tageszeit als Gegenlicht oder in Form von Streiflichtern in das Motiv einbezogen werden. Wenn notwendig kann mit Hilfe des Blitzes der Vordergrund aufgehellt werden.

Bei schlechtem Wetter und wenig Sonnenschein eignen sich vor allem Detailaufnahmen, da weitläufige Panoramabilder ihre Wirkung nicht optimal entfalten.

Eine weitere Möglichkeit, mit Licht ein kreatives Motiv zu gestalten, sind sogenannte Light Trails. Diese Lichtspuren hinterlassen vorbeifahrende Autos, wenn mit einer langen Belichtungszeit fotografiert wird. Auch hier gilt es, der Kamera einen festen Standort zu geben, um wackelfreie Ergebnisse zu erhalten.

New Yorker Brooklyn Bridge mit Light Trails

Perspektive

Um den Fotos beim Erkunden einer Grossstadt eine besondere Wirkung zu verleihen, ist die Perspektive entscheidend. So liefert ein erhöhter Standpunkt, wie von einem Aussichtspunkt oder dem nahegelegenen Stadtberg, eine aussergewöhnliche Sicht auf das muntere Treiben der Innenstadt oder die eindrucksvolle Skyline. Für eine gute Schärfentiefe sollte eine recht kleine Blendeneinstellung, etwa zwischen 8 und 11, gewählt werden.

Nicht nur die Vogelperspektive sorgt für tolle Stadtaufnahmen. Moderne Wolkenkratzer lassen sich mit zum Himmel gerichteter Kamera aufregend anders darstellen. Um blendendes Gegenlicht zu vermeiden, wählt man am besten ein Gebäude, welches die Sonne verdeckt oder nutzt die Lichtflecken im Bild gezielt zur Bildgestaltung. Der Kreativität bei der Wahl der Perspektive sind keine Grenzen gesetzt. Eine ungewöhnliche Perspektive kann ein bestimmtes Objekt oder Gebäude eindrucksvoll in Szene setzen und macht ein Foto besonders spannend.

Hochhäuser aus der Froschperspektive

Ausrüstung

Da man auf der fotografischen Erkundungstour durch das Grossstadtleben möglichst flexibel und spontan sein möchte, sollte die passende Ausrüstung zuvor sorgfältig ausgewählt sein. Grundsätzlich lassen sich mit jeder Kamera tolle Fotos schießen. Kameras mit wechselbarem Objektiv und manuellem Modus bieten jedoch stets mehr Spielraum für kreative Bildgestaltung und Anpassung an die herrschenden Lichtverhältnisse.

Statt jedoch für jede denkbare Situation das passende Objektiv einzupacken, bietet es sich an, ein vielseitig einsetzbares zu wählen. Ein Standard-Zoomobjektiv für Kameras mit APS-C-Sensor mit einem Brennweitenbereich von 16 bis 80 Millimeter oder für Vollformat-Sensoren 24 bis 120 Millimeter ist für das Grossstadtleben ideal. Es ermöglicht tolle Detailaufnahmen sowie Aufnahmen, bei welchen ein ausreichend grosser Abstand zum Hauptmotiv besteht.

Für ambitionierte Städtefotografen gehört neben einem zoomfähigen Objektiv auch ein Weitwinkelobjektiv zur Grundausstattung. Dieses ermöglicht durch den grösseren Bildwinkel auch in den oft engen Gassen das weite Erfassen eines Motives, während das Standard-Objektiv bei zu geringem Abstand meist nur einen kleinen Ausschnitt des eigentlichen Motivs abbilden kann.

Hierbei liegt der ideale Brennweitenbereich zwischen 10 und 12 Millimetern für APS-C-Sensoren oder 14 und 16 Millimetern bei Vollformatsensoren.

Für wackelfreie Fotos empfiehlt es sich ein handliches Stativ mitzunehmen, doch in der Grossstadt finden sich meist auch andere Möglichkeiten wie Mauern, Tische im Strassencafé und Ähnliches, um die Kamera wackelsicher aufzustellen.

Brücke scheint ins unendliche zu verlaufen und vermittelt den Eindruck von Dynamik.

Optische Täuschungen als Mittel der Fotografie

Optische Täuschungen interessieren Menschen seit jeher. Mit der Erfindung der Fotografie erlebten Illusionen eine Renaissance. Schon in der Bildhauerei und Malerei waren Ansätze von dreidimensionalen Räumen zu erkennen. Im letzten Jahrhundert ging man dazu über, diese Illusionen zu verstehen. Gerade optische Täuschungen, die den Sehsinn betreffen, spielen in der Wahrnehmungstäuschung eine besondere Rolle. Die menschlichen Augen nehmen zweidimensionale Bilder der Umwelt wahr. Trotzdem hat man das Gefühl, dreidimensional sehen zu können. Vor allem für die Fotografie ist die Relativität des Blickwinkels von Bedeutung.

Wie entstehen optische Täuschungen?

„Illusionen entstehen, wenn unser Gehirn versucht, die Zukunft zu erkennen, das Ergebnis aber nicht mit der Realität übereinstimmt“, erklärte Mark Changizi einst. Er ist Forscher auf dem Gebiet der Computational Neuroscience (computergestützte Hirnforschung). Es klingt ein bisschen verrückt, aber Wissenschaftler wie Changizi haben herausgefunden, dass Menschen in die Zukunft sehen können – zumindest für den Bruchteil einer Sekunde. Dieser Effekt ist auch unter neuronaler Verzögerung bekannt. Wenn Licht auf die Netzhaut unseres Auges trifft, dauert es etwa eine zehntel Sekunde, bevor unser Gehirn das Signal in eine dreidimensionale Umgebung übersetzt. Changizi hat darauf aufbauend herausgefunden, dass unser Gehirn versucht, diese neuronale Verzögerung zu kompensieren. Dabei produziert es Bilder von dem, was in einer zehntel Sekunde in der Zukunft passieren könnte. Konvergierende Linien lassen unser Gehirn zum Beispiel denken, dass wir uns vorwärtsbewegen. Dieser Mechanismus erklärt auch, warum wir von optischen Illusionen getäuscht werden.

Die erzwungene Perspektive

Viele dreidimensionale geometrische Objektive werden bei einer Fotografie auf eine zweidimensionale Ebene gebannt. Dabei entstehen Verzerrungen, die zu einer illusionistischen Raumorganisation führen. In der Architekturfotografie werden optische Täuschungen als Stilmittel verwendet, um z.B. optische Vergrösserungen zu erreichen und ein Bauwerk monumentaler wirken zu lassen.

Erzwungene Perspektive am Beispiel der Potemkinschen Treppe in Odessa

Die erzwungene Perspektive ist demnach eine optische Täuschung. Dimensionen scheinen verkürzt und führen Betrachter in die Irre. Wichtige Gegenstände für eine gelungene Illusion sind das Objekt, die Kameraposition und der Standpunkt des Betrachters. Für eine plausible Täuschung, die nicht leicht zu durchschauen ist, sollten vorher ein paar Überlegungen angestellt werden. Am wichtigsten ist die Frage nach dem darzustellenden Objekt bzw. den Objekten.

Zum besseren Verständnis soll das am Beispiel des schiefen Turms in Pisa erklärt werden. Beliebte Motive zeigen, wie sich Menschen mit einer Hand an dem Turm abstützen oder ihn sinnbildlich vorm Umfallen retten. In unserem Beispiel wirkt es so, als ob der Turm in beiden Händen gehalten werden könnte. Hierbei wird sich der Effekt zunutze gemacht, dass der Turm auf dem Foto wesentlich kleiner erscheint, als er in Wirklichkeit ist. Das funktioniert solange, wie die Kamera nicht nach unten geneigt wird. Denn dadurch würde sich der räumliche Abstand der beiden Objekte zueinander offenbaren und der Betrachter würde erkennen, dass die beiden Objekte nicht nebeneinanderstehen. In Anbetracht der Grösse des Turms ist das aber eher nebensächlich. Generell gilt für erzwungene Perspektiven aber: Eine neutrale oder positive Kameraausrichtung ist besser. Mit diesen Ausrichtungen ist es auf Fotografien schwerer, räumliche Tiefen zu erkennen, da die Objekte ihre dritte Dimension (Tiefe) nicht „verraten“.

Der schiefe Turm von Pisa scheinbar in den Händen einer Frau

Im Alltag begegnen uns aber noch mehr optische Illusionen. In der Architekturfotografie sind beispielsweise stürzende Linien von Bedeutung. Jedem, der schon einmal nahe vor einem Hochhaus stand, dürfte es aufgefallen sein. Auf einem Foto verjüngen sich die Kanten des Hauses nach oben hin oder es scheint nach hinten zu kippen. Das liegt an dem quadratischen Fotosensor. Diese Verzerrung kann mit Tilt-Shift-Objektiven vermieden werden.

Optische Täuschungen mit der Brennweite

Auch mit unterschiedlichen Brennweiten lässt sich tricksen. Dabei kann das relative Verhältnis von Vordergrund zu Hintergrund variiert werden. Ein kleines Beispiel: Ausgangspunkt stellt ein mit 18 mm Brennweite festgehaltenes Motiv dar. Nun entfernt man sich vom Vordergrund, denn man möchte das dortige Objekt gleich gross beibehalten. Mit zunehmender Brennweite bemerkt man, dass bei gleicher Grösse des Vordergrundobjekts das Hintergrundobjekt immer weiter nach vorne zu rücken scheint – der Abstand zwischen beiden Objekten also optisch kleiner wird. Dieser Effekt wird auch als Vertigo-Effekt beschrieben.

Optische Täuschungen können in der Fotografie vielseitig eingesetzt werden – Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Egal, ob Sie die Sonne in den Händen halten oder den schiefen Turm von Pisa stützen.