Silhouette einer Frau vor dem Sonnenuntergang am Meer.

Portraitfotografie – drei Ideen für das etwas andere Portraitfoto

Bei der Portraitfotografie geht es darum, eine (oder mehrere) Person(en) in das rechte Licht zu rücken. Während in anderen Foto-Disziplinen häufig mehrere Bildelemente ineinandergreifen, soll bei der Portraitfotografie vorwiegend der einzelne Mensch abgebildet werden.

Die Möglichkeiten, den zu portraitierenden Mensch darzustellen, erweitern sich und entfernen sich von der klassischen Darstellung, wie man sie etwa von Bewerbungsfotos kennt.

Erfahren Sie in diesem Artikel wie es gelingt, Personen in unschuldig oder mystisch anmutender Weise darzustellen, ihre Grösse nach Belieben zu verändern und ihre Form gekonnt zum Ausdruck kommen zu lassen.

Die richtige Vorbereitung erspart Enttäuschungen

Eine gute Vorbereitung spielt, wie so häufig, auch in der Portraitfotografie eine grosse Rolle. Darunter fällt beispielsweise die Wahl einer geeigneten Ausrüstung, aber auch die Kommunikation mit dem Model.

Für Portraitaufnahmen werden oftmals Objektive mit mittlerer bis grosser Brennweite eingesetzt, da diese einerseits über eine gute Freistellungseigenschaft verfügen und andererseits eine gewisse Wohlfühldistanz zu dem Model gewähren. Das von Ihnen eingesetzte Objektiv sollte im besten Fall lichtstark sein, also auch niedrigere Blendenzahlen zulassen. Mit Hilfe einer Offenblende gelingt es Ihnen so, das Model sichtbar vom Hintergrund freizustellen. Ausserdem erhalten Sie durch ein lichtstarkes Objektiv die Möglichkeit, auch in schlecht ausgeleuchteten Umgebungen Fotos mit niedrigem ISO Wert zu schiessen.

Eine weitere wichtige Voraussetzung für gute Portraitfotos bildet die Kommunikation mit dem Model. Um Enttäuschungen zu vermeiden, sollten Sie und Ihr Model sich bereits im Vorfeld einig darüber sein, welche Art von Bildern geschossen werden. Teilen Sie dem Model ausserdem rechtzeitig mit, welche Kleidung und welche sonstigen Hilfsmittel für das Shooting benötigt werden.

Entgegen aller üblichen Konventionen – über- und unterbelichten

Für besondere Portraitaufnahmen ist es manchmal empfehlenswert, von der ausgewogenen Belichtungsskala abzuweichen. Verschiebt man den Regler der Skala nämlich in den positiven oder negativen Bereich, entstehen oftmals reizvolle Aufnahmen.

Bei High-Key-Aufnahmen wird gezielt überbelichtet, während bei Low-Key-Aufnahmen gezielt unterbelichtet wird.

Gegenüberstellung einer High-Key-Aufnahme mit einer Low-Key-Aufnahme.

Wählt man einen positiven Wert auf der Skala, so wird das Bild überbelichtet. Die Anwendung der beabsichtigten Überbelichtung findet sich häufig in der Portraitfotografie wieder und wird mit dem Begriff High-Key Fotografie umschrieben. Die grellen Aufnahmen versprühen durch ihren hohen Weissanteil und den verhältnismässig geringen Schwarzanteil ein Gefühl der Unbeschwertheit und Reinheit.

Wird ein negativer Wert auf der Belichtungsskala gewählt, so wird das Bild unterbelichtet. Auch diese Art der Fotografie erfreut sich besonderer Beliebtheit im Bereich der Portraitfotografie. Die sogenannte Low-Key Fotografie erzeugt aufgrund ihrer vorwiegend dunkel gehaltenen Aufnahmen eine mystische und düstere Atmosphäre.

Für ein noch eindrucksvolleres Erscheinungsbild wird sowohl in der High-Key als auch in der Low-Key-Fotografie häufig nur mit dem Schwarz-Weiss-Farbspektrum gearbeitet.

Spiel der Perspektiven – Was schon bei Herr der Ringe geklappt hat …

Eine weitere Möglichkeit für besondere Portraitaufnahmen ergibt sich aus der Perspektive, welche die Kamera im Verhältnis zum Model einnimmt. Die erzwungene Perspektive (engl. forced perspective) umschreibt eine sehr beliebte Technik, die häufig in den Bereichen Film, Kunst und Architektur eingesetzt wird.

Hierbei werden Objekte grösser oder kleiner dargestellt, als sie in Wahrheit sind. Dies wird dadurch erreicht, dass einzelne Objekte näher bzw. weiter von der Kamera entfernt platziert werden. Die Illusion entsteht letztlich durch den Vergleich zu einem anderen Motiv, was entsprechend gegensätzlich platziert ist. Ein sehr prominentes Beispiel aus dem Bereich des Films stellt die Filmreihe Herr der Ringe dar, bei der die zierlichen Hobbits und Zwerge in weiterer Entfernung von der Kamera positioniert wurden, als etwa die grossen Menschen und Elben.

Die im Vordergrund stehende Person erscheint aufgrund ihrer Nähe zur Kamera grösser, als die im Hintergrund abgebildete Person

Die im Vordergrund stehende Person erscheint aufgrund ihrer Nähe zur Kamera grösser, als die im Hintergrund abgebildete Person.

Hierbei sollten Sie grundsätzlich darauf achten, eine ausreichend grosse Tiefenschärfe (kleine Blende) zu verwenden, damit sowohl das Model als auch das in Relation gesetzte Bildmotiv scharf erscheinen. Oftmals bietet sich ausserdem der Einsatz eines Weitwinkelobjektivs an, mit dem Sie aus einem niedrigen Winkel heraus Ihr Model noch grösser erscheinen lassen können. Vermeiden Sie es jedoch, sehr geringe Brennweitenbereiche zu benutzen, damit Ihr Model nicht verzerrt dargestellt wird.

Formen statt Details – Silhouetten

Obwohl Emotionen und Charaktereigenschaften häufig über die Gesichtszüge einer Person transportiert werden, so offenbaren auch die Form und Umrisse einer Person Einblicke in deren Persönlichkeit. Bei der Fotografie von Silhouetten beschränkt sich der Fotograf ganz bewusst auf das Portraitieren der äusseren Erscheinungsform des Models.

Silhouette einer Frau vor dem Sonnenuntergang am Meer.

Bei der Fotografie von Silhouetten treten die Formen des Fotografierten in den Vordergrund.

Silhouetten-Bilder lassen sich auf natürlichem Wege am besten schiessen, wenn die Sonne tief steht, das heisst zum Zeitpunkt des Sonnenaufgangs oder des Sonnenuntergangs. Beim Bildaufbau sollten Sie beachten, dass Ihr Model auf horizontaler Linie vor der Sonne steht und diese verdeckt. Nehmen Sie deshalb einen niedrigen Kamerawinkel ein. So wird verhindert, dass Ihr Model in der Silhouette des restlichen Vordergrunds verloren geht.

Weiterhin ist es wichtig, einen passenden Hintergrund für das Silhouetten-Shooting zu wählen. Der Hintergrund (in den meisten Fällen der Horizont) sollte im Idealfall einheitlich beschaffen sein, keine Ablenkung darbieten und in etwa 2/3 des gesamten Bildes einnehmen. Für Aufnahmen in urbaner Umgebung lohnt es sich, Fussgängerunterführungen oder Tunnel aufzusuchen und den Ausgang als Gegenlichtquelle zu nutzen.

Wählen Sie für Ihre Silhouetten-Aufnahmen eine kleine Blende, um somit eine höhere Tiefenschärfe im Bild zu erzeugen. Mit Hilfe von kurzen Verschlusszeiten ist es Ihnen auch möglich, Ihr Model in bewegter Form in Szene zu setzen. Das Experimentieren mit unterschiedlichem Aufbau verschafft viel Freude und beschert überraschende Ergebnisse.

2 replies
  1. Andreas H.
    Andreas H. says:

    Meiner Meinung nach entstehen High-, und Low-Key-Aufnahmen nicht einfach durch Über- oder Unterbelichtung, sondern durch die Art der Lichtsetzung. Eine Über- bzw. Unterbelichtung kann bestenfalls die Wirkung eines High- oder Low-Key-Bildes unterstützen. Allerdings ist das Wesen dieser Aufnahmen hauptsächlich von der Lichtsetzung (Key!) geprägt. Meist ist auch die Wahl und die Ausstattung (z.B. Kleider) des Motivs mit entscheidend.
    Wäre das Low-Key-Bild oben überbelichtet worden, hätte das Gesicht keine Zeichnung mehr. Umgekehrt wäre das High-Key-Bild unterbelichtet worden, wäre das Gesicht wäre im Schatten verschwunden.

    Antworten
    • Leo Range
      Leo Range says:

      Vielen Dank für Ihren Kommentar und die anregenden Hinweise!
      Wir bemühen uns um eine zeitnahe Änderung.

      Viele Grüsse vom FFL-Team

      Antworten

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