Aufnahme mit Lensbaby Objektiv

Besondere Objektive

Für Profifotografen, vor allem aus dem künstlerischen Bereich, wird es zunehmend schwerer, ihre Aufnahmen ohne viel Manipulation durch Bearbeitungssoftware individuell zu gestalten. Wir stellen Ihnen 3 Objektive vor, die auch ohne grosse Nachbearbeitung tolle Effekte erzielen: Lensbaby, Petzval von Lomo und das Soft Fokus Objektiv von Canon.

Lensbaby – das Spiel mit dem Schärfebereich

Lensbaby wird sowohl mit der Firma Lensbaby Inc. als auch mit einer ganzen Art von Fotos assoziiert. Markant für diese Bilder ist der zentrale Schärfebereich – der sogenannte „Sweet Spot“ –  und die sich ringförmig darum ausbreitende Unschärfe. Die Fotos werden durch die entstehenden „Bildfehler“ in Vignettierung und Farbwiedergabe stark entstellt.

Die Lensbaby Objektive gibt es inzwischen in zahlreichen Ausführungen. Im Aufbau ist das Objektiv recht einfach gehalten. Wichtig ist eine Tilt- bzw. Verkippungsfunktion (meist ein Kugelgelenk) mit dem der Sweet Spot im Motiv verschoben werden kann. Die Grösse des Sweet Spots wird über mitgelieferte Kunststoffscheiben mit verschiedenen Öffnungsgrössen geregelt. Diese Blenden-Scheiben werden magnetisch vorn an das Objektiv gehaftet und sind mit verschiedenen Formen für den Bokeh-Effekt erhältlich. Die Brennweite variiert je nach Modell zwischen 50, 35 und 80 mm.

Auch wenn das Fotografieren mit dem Lensbaby Objektiv viel Spass bringt, für eilige Schnappschüsse ist es jedoch nicht geeignet. Nach jeder Einstellung des Objektivs muss neu manuell fokussiert werden, daher empfehlen wir für die ersten Versuche die Kamera auf einem Stativ anzubringen. So kann man mit kleinem Sucher und geringer Blendenöffnung eine genaue Fokussierung erreichen.  Für Portraitfotografie ist der Sweet Spot von besonderer Bedeutung, da er den fokussierten Bereich des Motivs, beispielsweise das Gesicht, hervorhebt. Die zum Teil starke Vignettierung wird gern in der Straßenfotografie eingesetzt, da sie dem Bild eine extreme Dynamik verleiht.

Petzval von Lomography – das Portraitobjektiv

Petzval von Lomography – das Portraitobjektiv

 

Josef Maximilian Petzval war ein slowakischer Mathematiker des 19. Jahrhunderts, der das erste Portraitobjektiv der Welt entwickelte. Es stellt das fokussierte Objekt scharf, während der Hintergrund durch verschiedene Bokeh-Blenden verschwimmt. Der Kontrast bringt den Portraitierten besonders zur Geltung. Dieses Objektiv prägte die Portraitfotografie des vorletzten Jahrhunderts massgeblich. Im Jahr 2014 baute es die Firma Lomography (Kamerahersteller im Bereich Lomografie) passend für moderne DSLR nach. Das Projekt kam durch die bisher drittgrösste Kickstarter Kampagne im Bereich Design zustande.

Das Petzval ist also ein Portraitobjektiv, welches –  ähnlich wie die Lensbaby – mit Schärfen, Fokus und vor allem dem Bokeh spielt. Das Objektiv in edlem Messing-Design wird mit den einschiebbaren Blenden-Elementen zusammen geliefert.

Für die richtige Einstellung des manuellen Fokus braucht es einige Ruhe und Fingerspitzengefühl. Auch die Wahl der richtigen Blenden-Scheibe ist wichtig, um die Lichtverhältnisse auszugleichen. Doch nach ein wenig Übung macht das Petzval viel Spass und bietet dem Laien sowie dem Profifotografen eine ganz neue Spielwiese.

Soft Fokus Objektiv – für zarte Aufnahmen

Im 20. Jahrhundert verbreiteten sich besonders unter den künstlerischen Fotografen die Weichzeichnerobjektive der Marken Minolta, Rodenstock (Imagon) und Dreamagon. Ähnlich dem heutigen Retro-Trend wollte man sich von den akribisch realistischen Abbildungen der Realität abheben. Aktuell ist das Canon EF 135mm 1:2.8 Softfocus das Einzige dieser Art.

Der Soft Fokus ist in zwei Stufen zuschaltbar und Canon empfiehlt ihn mit offener Blende zu nutzen. Wie der Name bereits sagt, ist es ein Weichzeichner. Der Effekt wird durch das Fehlen eines konkreten Fokuspunktes technisch umgesetzt. Über dieses Objektiv gibt es sehr verschiedene Meinungen von Fotografen. Schlussendlich ist es fast ausschliesslich für Portraitfotografie geeignet, da die Unschärfe bei anderen Motiven zu stark ist. Bei der Portraitfotografie sollten Sie dann darauf achten, dass sich die 135mm auf einem Teleobjektiv mit dem gegebenen Verlängerungsfaktor extrem ausweiten und so ausreichend Abstand zum Model gehalten werden muss.

Die Firma Yasuhara hat im Juni 2016 mit MOMO (japanisch für 100) eine Kickstarter Kampagne geschalten, um das 100 Jahre alte Objektiv der Kodak Vest Pocket-Kamera wieder zu beleben. Einige Testbilder und Informationen sowie einen Prototyp haben sie auf ihrer Seite veröffentlicht. Da die Kampagne jedoch als gescheitert bei Kickstarter vermerkt ist, scheint die Zukunft der Weichzeichnerobjektive unklar.

Soft-Fokus Aufnahme einer Rose mit Kamille

Fazit

Die drei Objektive bringen alten Charme in die moderne Fotografie. Vor der Anschaffung gilt zu Bedenken für welche Projekte sie einsetzbar wären, da sie im Vergleich zu Bearbeitungssoftware sehr kostenintensiv sind. Vignettierung, Bokeh und auch der Weichzeichner sind gängige Filter der meisten Fotosoftware. Die Objektive sind aber für Retro-Liebhaber und experimentelle Fotografen durchaus eine geeignete Investition.

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