Verschiedene Kameraarten

Das Spiel mit den Kontrasten – „Jet Airliner“ von Josef Hoflehner als künstlerische Auseinandersetzung mit Flugzeugen


Wenn im Zusammenhang mit Fotografie von Flugzeugen die Rede ist, denken viele zuerst an Planespotting. Ausgerüstet mit einer Kamera sind Planespotter stets auf der Jagd nach startenden oder landenden Flugzeugen und versuchen diese vor die Linse zu bekommen. Ähnlich wie Autos haben auch Flugzeuge eine Kennung – Planespotter verfolgen das Ziel, möglichst viele unterschiedliche Flugzeuge abzulichten und ihren „Fang“ dann auf Verzeichnislisten abzuhaken. Zwar haben die meisten Spotter den Anspruch, qualitativ gute Fotos zu schiessen und verfügen über ein umfangreiches Foto-Equipment, Antrieb ist jedoch vor allem die Sammelleidenschaft.  Eine ganz andere Seite der Flugzeugfotografie offenbart sich, wenn man die Bilder des österreichischen Fotografen Josef Hoflehner betrachtet.

 

Posted by Josef Hoflehner on Mittwoch, 20. April 2011

 

Ein nicht ganz typischer Urlaubsstrand, ein Fotograf und eine Vision

Gemeinsam mit seinem Sohn Jakob reiste Hoflehner zwischen 2009 und 2011 insgesamt viermal auf die Karibikinsel Sint Maarten. Auf der niederländischen Seite des Eilands liegt ein ganz besonderer Strand, der rein äusserlich zwar optimale Voraussetzungen für einen ausgedehnten Badetag voller Entspannung bietet, tatsächlich aber alles andere als eine Oase der Ruhe und Erholung ist. Der Strand befindet sich unmittelbar neben der Landebahn 10 des Princess Juliana International Airport, lediglich ein Maschendrahtzaun bildet eine Grenze zum Flughafentrubel. Die Landebahn selbst ist durch ihre geringe Länge immer wieder eine Herausforderung für Piloten, die das beliebte Ferienziel anfliegen. Gezwungenermassen fliegen die Flugzeuge fast unmittelbar über die Köpfe der Badegäste am Maho Beach hinweg, die Flughöhe beträgt nur etwa zehn bis 20 Meter.

 

Posted by Josef Hoflehner on Samstag, 31. März 2012

 

Faszinierende Momentaufnahmen eines bizarren Szenarios

Vielleicht deswegen fühlte sich Hoflehner weniger dazu berufen, gemütlich am Strand zu liegen, als die anfliegenden Flugzeuge mit einer Weitwinkelkamera fotografisch einzufangen.  Herausgekommen ist dabei seine hochkünstlerische und vielbeachtete Fotoreihe „Jet Airliner“, die auch als Bildband erschienen ist und insgesamt 86 Fotografien vereint. Wie die meisten Werke des Fotografen ist auch diese Serie in Schwarz-Weiss gehalten und zeigt auf faszinierende Weise das Geschehen am Maho Beach. Was dort auf eigentümliche Weise zum Alltag gehört, wirkt auf Hoflehners Fotos fast schon surreal. Grossraumflugzeuge wie die Boeing 747 oder der Airbus A340 scheinen direkt über den Köpfen der Strandbesucher zu schweben. Dass die Badegäste sich selbst einen Spass daraus machen, sich vor den landenden Flugzeugen in Position zu werfen, bei der Landung in Applaus und Jubel ausbrechen oder ihrerseits versuchen, mit der Digitalkamera oder dem Handy einen spontanen Schnappschuss als Urlaubserinnerung zu schiessen, macht Hoflehners Bilder einzigartig und besonders.

 

Posted by Josef Hoflehner on Mittwoch, 26. August 2009

 

Rasende Geschwindigkeit vor und hinter der Kamera

Hinter der Leichtigkeit, die in fast schon bizarrem Kontrast zu den schweren Maschinen steht, steckt aber mehr Arbeit, als sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Immerhin sind die Flugzeuge auch im Landeanflug noch ziemlich schnell und bringen es auf flotte 200 km/h – nicht viel Zeit für den Fotografen, den richtigen Moment für das perfekte Foto zu erwischen. Der Widerspruch zwischen dem zerbrechlichen Wesen Mensch und der kraftvollen Maschine ist typisch für Hoflehners Arbeiten, die sich minimalistisch und ohne viel Schnickschnack auf das Wesentliche konzentrieren und so eine ganz eigene Dramatik entwickeln. So fasziniert auch „Jet Airliner“ mit einer berückenden Ästhetik, die man so noch nirgendwo sonst gesehen hat.

 

Posted by Josef Hoflehner on Montag, 2. Mai 2016

 

Der Fotograf Josef Hoflehner

Josef Hoflehner entdeckte im Alter von zwanzig Jahren als Quereinsteiger die Fotografie für sich und entwickelte eine zunehmende Begeisterung für das Experimentieren mit der Kamera. Er schloss seine Ausbildung an einer Hotelfachschule zwar noch ab, widmete sich aber im Anschluss als selbstständiger Fotograf vollständig seiner Leidenschaft für das Leben hinter der Kamera. Mit durchschlagendem Erfolg: Hoflehner erhielt bereits zahlreiche Preise, unter anderem einen NIKON Award und die Auszeichnung zum „Nature Photographer of the year“ 2007. Seine stets quadratischen Fotos kommen bis auf wenige Ausnahmen ohne Farbe aus und sind heute Teil wichtiger privater und öffentlicher Sammlungen. Hoflehner selbst sagte in einem Interview, dass seine Fotografien für sich stehen und keine Botschaft haben. Die Reduktion auf das Wesentliche, der weitgehende Verzicht auf Farbe und der daraus entstehende Kontrast lässt dem Betrachter bewusst viel Raum zur Interpretation, ermöglicht eigene Perspektiven und Blickwinkel. Und so bilden seine Bilder selbst einen Kontrast – zu einer oft lauten, meist bunten und manchmal reizüberflutenden Welt.

Hier geht es zur Homepage von Josef Hoflehner

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