Foto-Retusche eines Pferderennens mit Vorher-Nachher-Vergleich

Retuschieren von Fotos in Photoshop – so gelingt’s

Oftmals trüben uns Dinge, wie störende Objekte, Baukräne oder Staub auf dem Objektiv, die Sicht auf das sonst schmeichelnde Motiv. Das ist vor allem dann sehr ärgerlich, wenn Ihnen die störenden Bildbestandteile erst im Nachhinein auffallen und Sie von weit her angereist sind, um das Motiv Ihrer eigenen Fotosammlung hinzuzufügen.

Egal ob es um Objekte, die Teile des Motivs verdecken, den Schmutz auf dem Objektiv oder die Hautunreinheiten des Models geht – sie alle lassen sich mit einigen Handgriffen in Photoshop aus dem Bild tilgen. Die Rede ist dann vom Retuschieren, also dem Nachbessern eines Fotos.

Erfahren Sie in diesem Artikel, welche unterschiedlichen Vorgehensweisen des Retuschierens existieren, worin sich diese unterscheiden und wie Sie diese anhand unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung selbst anwenden können.

Mithilfe dieser Werkzeuge gelingt die Retusche von Fotos

Adobe Photoshop ist bis zum Rand gefüllt mit Werkzeugen. Da fällt es gerade in neueren Versionen schwer, den Überblick zu behalten.

Bevor Sie Retusche-Eingriffe vornehmen, sollten Sie immer darauf achten, dass die originale Bilddatei dadurch nicht überschrieben wird. Hierfür legen Sie entweder eine Kopie der jeweiligen Bilddatei an, oder, was im Hinblick auf eine bessere Editierbarkeit generell empfehlenswert ist, Sie arbeiten mit speziell für die Retusche erstellten Ebenen und führen die Ebenen im Nachgang wieder zusammen.

Kopierstempel

Der Kopierstempel ist ein beliebtes Werkzeug bei der Retusche von Bildern. Zu Anfang wird dabei im Bild eine Kopierquelle festgelegt, welche dann über eine ausgewählte Stelle gelegt wird. Um eine Kopierquelle festzulegen, halten Sie ALT gedrückt und bestätigen Ihre Wahl mit der linken Maustaste. Bei Ihrer Auswahl sollten sie darauf achten, dass Kopierquelle und -ziel möglichst gut zueinander passen. Eine zu starke Abweichung bei der Helligkeit oder Struktur kann dazu führen, dass die Retusche unschön ins Auge fällt.

Die Orangerie in Kassel an einem Sommertag

In unserem Bildbeispiel fällt uns der vor dem Aufgang befindliche Blumenkübel störend ins Auge.

Für die Retusche des Blumenkübels mit Hilfe des Stempelwerkzeugs müssen wir uns zweierlei Kopierquellen bedienen. Einerseits wählen wir den Sand als Quelle, um damit später den weissen Blumentopf und den Stamm der Blume zu verdecken. Für die Blätter verwenden wir den steinigen Aufgang als Kopierquelle. Für ein möglichst glaubhaftes Ergebnis sollte die Retusche mit Sorgfalt vorgenommen werden. Variieren Sie die Kopierstempelgrösse je nach Einsatzszenario, wählen Sie jedoch keinen allzu grossen Radius für den Kopierstempel aus.

Besondere Vorsicht bei der Retusche ist häufig in Grenzbereichen gefragt. In unserem Beispielbild wird der Steinaufgang zu grossen Teilen unregelmässig durch Sand bedeckt.

Retusche eines Blumenkübels

Für die Retusche bedienen wir uns mit dem Kopierstempel über ALT + linke Maustaste immer wieder aus den umliegenden Bildbestandteilen und überdecken Schritt für Schritt die Blätter. Dem Übergang von Stein- und Sanduntergrund, und damit dem Problembereich, widmen wir uns zum Schluss.

Eine fehlende klare Linie verhindert es, die Retusche nach einer bestimmten Systematik vorzunehmen. Gleichzeitig verschafft sie uns jedoch auch etwas Spielraum, indem wir den Übergang selbst festlegen können. Geduld und gezieltes Vorgehen führen, wie so oft in der Bildbearbeitung, zum gewünschten Ergebnis.

Im Beispielbild wurde, im Sinne einer besseren Editierbarkeit, die Ausgangsebene dupliziert (STRG + J) und die Retusche anschliessend auf der neuen Ebene vorgenommen. Abschliessend müssen die beiden Ebenen dann markiert und auf eine Ebene reduziert werden.

Ein Bild der Orangerie in Kassel, bei dem ein Blumenkübel retuschiert wurde

Das Ergebnis der Retusche – der linke Blumenkübel ist aus dem Bild verschwunden.

Bereichsreparatur

Im Gegensatz zum Kopierstempel oder zum artverwandten Reparaturpinsel muss beim Bereichsreparaturwerkzeug keine manuelle Auswahl getroffen werden. Bei diesem Werkzeug werden die umliegenden Pixel mit der jeweiligen Stelle, auf der das Werkzeug angewandt wird, verrechnet und die Stelle entsprechend verändert. Somit lässt sich die Retusche noch einfacher und schneller vornehmen. Jedoch gelangt das Werkzeug der Bereichsreparatur bei anspruchsvollen und heterogenen Bildzusammensetzungen häufig an seine Grenzen, weshalb es den Einsatz des Kopierstempels oder des Reparaturpinsels nicht komplett überflüssig macht.

Bild von der San Michele Insel in Venedig mit einigen, im Himmel erkennbaren, Objektivflecken

Staub auf der Objektivlinse kann im Bild störende Punktierungen verursachen (einige in rot hervorgehoben).

Die Bereichsreparatur leistet hingegen schnelle Abhilfe bei der Beseitigung von kleineren Bildfehlern auf gleichbleibenden Hintergründen. Auf dem Beispielbild sind im Himmel mehrere kleine dunkle Punktierungen zu erkennen. Der Himmel ist hierbei in einem schönen einheitlichen blau gehalten und es sind keinerlei Wolken erkennbar. Für die Retusche muss daher lediglich mit dem Bereichsreparaturwerkzeug, bei gedrückter linker Maustaste, über die jeweiligen Stellen «herübergefahren» werden.

Ein nachbearbeitetes der Friedhofsinsel San Michele in Venedig

Das Ergebnis der Retusche – sämtliche störende Punktierungen sind aus dem Bild verschwunden.

Inhaltssensitives Füllen

Eine weitere interessante Möglichkeit, um unliebsame Bildbestandteile in Luft aufzulösen, bildet das inhaltsensitive Füllen, welches ab der Photoshop Version CS5 verfügbar ist. Für den weiteren Vorgang muss zunächst der zu füllende Bildbereich bestimmt werden. Wählen Sie dafür ein Auswahlwerkzeug Ihrer Wahl, etwa das Lasso-Werkzeug, und umkreisen Sie den zu retuschierenden Bildteil. Berücksichtigen Sie bei Ihrer Auswahl auch den Schattenwurf des jeweiligen Objekts, da die vorgenommene Retusche andernfalls schnell sichtbar wird.

Ein in Photoshop ausgewähltes Warnschild vor drei Garagen

Zunächst wird das Schild mit Hilfe des Lasso-Werkzeugs ausgewählt.

Im Beispielbild fällt die Wahl auf das im Vordergrund stehende Warnschild, welches vom restlichen Bildinhalt ablenkt. Die ausgewählte Fläche füllen Sie daraufhin über Bearbeiten – Fläche füllen.

Auswahl des Fläche-füllen-Werkzeugs in Photoshop

Bearbeiten – Fläche füllen

Daraufhin erscheint das Dialogfenster «Fläche füllen», wobei Sie den Eintrag «Inhaltsbasiert», den Modus «Normal» und eine Deckkraft von 100 Prozent einstellen. Bestätigen Sie Ihre Eingabe anschliessend mit «OK».

Dieser Prozess kann, je nachdem wie gross die zu füllende Fläche gewählt wurde und wie leistungsfähig Ihr Computer ist, einige Zeit in Anspruch nehmen. Falls Sie das Ergebnis nicht überzeugen sollte, so können Sie den Vorgang entweder einige Male mit einer wechselnden Auswahl wiederholen oder Sie bessern störende Bereiche mit Hilfe der vorher genannten Werkzeuge aus.

Bild von drei Garagen, bei dem ein Warnschild nachträglich aus dem Bild retuschiert wurde

Das Ergebnis der Retusche – das Schild ist komplett aus dem Bild verschwunden.

Inhaltsbasiertes Verschieben

Für den Fall, dass Sie sich an einem Bildbestandteil zwar stören, ihn jedoch nicht komplett aus dem Bild entfernen möchten, existiert seit Photoshop CS6 die Möglichkeit des inhaltsbasierten Verschiebens. Mit diesem Werkzeug rücken Sie die Bildzusammensetzung ganz nach Ihren eigenen Vorstellungen ins rechte Licht. Wählen Sie auch hier zunächst einen bestimmten Ausschnitt des Bildes aus.

Auswahl eines Reiters in Photoshop

Der ausgewählte Reiter soll in unserem Beispielbild eine bessere Rennposition erlangen.

Anschliessend klicken Sie in der Werkzeugleiste auf das Symbol zwischen Pipette und Pinsel und wählen die zwei sich kreuzenden Pfeile aus. Mit einem gedrückt gehaltenen Linksklick kann die Auswahl nun innerhalb des Bildes verschoben werden.

Anwendung des inhaltbasierten-Verschieben-Werkzeugs in Photoshop

Bei gedrückt gehaltener linker Maustaste wird der Reiter an eine neue Position versetzt.

Sobald Sie eine passende Stelle für Ihre Auswahl gefunden haben, lassen Sie die linke Maustaste los und die Aktion wird ausgelöst. Daraufhin wird Ihre Auswahl an neuer Stelle positioniert und die vorherige Position retuschiert. Bei der Neu-Positionierung sollten Sie grundsätzlich immer den Betrachtungswinkel und das Verhältnis zu den anderen Bildbestandteilen im Auge behalten. Ungünstige Positionierungen vermitteln unrealistische Grössenverhältnisse und zerstören dadurch die Illusion der Retusche.

Nachbearbeitung eines mit Photoshop verschobenen Bildmotivs

Bei genauerer Betrachtung fallen einige Stellen ins Auge, die eine nachträgliche manuelle Bearbeitung benötigen.

Auch die Ergebnisse des inhaltsbasierten Verschiebens sind nicht immer perfekt. Bei Bedarf müssen Sie eventuell noch einmal mit dem Stempelwerkzeug oder dem Reparaturpinsel nachbessern. Im Beispielbild sind einige fehlerhafte Stellen mit roten Kreisen markiert. Das Stück Rasen im oberen roten Kreis wurde scharf abgebildet, obwohl der umliegende Bereich unscharf dargestellt ist. Beim mittleren roten Kreis verhält es sich genau gegensätzlich und das Rasenstück wurde unscharf abgebildet, obwohl es scharf sein müsste. Der kleinste rote Kreis markiert einen Teil des Schattens eines anderen Reiters, der beim Verschieben fälschlicherweise miteinbezogen wurde.

Durch Bearbeitung mit Photoshop wurde ein Pferderennen-Reiter neu positioniert

Das Ergebnis der Retusche – der Reiter wurde auf eine neue Position gesetzt.

Fazit zum Retuschieren in Photoshop

Adobe Photoshop umfasst eine grosse Anzahl an Werkzeugen, die für eine erfolgreiche Retusche verwendet werden können. Dabei gibt es einerseits manuelle Werkzeuge wie den Kopierstempel oder den Reparaturpinsel, bei denen Ihnen selbst die Auswahl einer geeigneten Retusche-Bildquelle obliegt. Falls die Retusche einmal schneller gehen soll und der jeweilige Bildhintergrund einfach beschaffen ist, so führen semi-automatische Werkzeuge wie das Bereichsreparaturwerkzeug zum Erfolg. Ab den Adobe Photoshop Versionen CS5 und CS6 bietet sich Ihnen ausserdem die Verwendung des inhaltssensitiven Füllens bzw. des inhaltsbasierten Verschieben-Werkzeugs. Letztere realisieren vielversprechende Retuschen innerhalb von Sekunden. Letztlich muss die Retusche für optimale Ergebnisse, trotz des Komforts und der Schnelligkeit der neueren automatischen Werkzeuge, häufig noch einmal manuell korrigiert werden.

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