Umkehrring

Ein Umkehrring, auch Retroadapter oder Retroring genannt, besitzt zwei Anschlüsse, von denen einer zum Bajonettanschluss der Kamera und der andere in das Objektivfiltergewinde passt. Er erlaubt die Befestigung des Objektivs am Kameragehäuse in Retrostellung. Das bedeutet, dass das Objektiv „falsch herum“ auf den Kamerabody geschraubt wird. Die Vorderlinse zeigt dann in Richtung des Sensors, während das Motiv durch die hintere Linse betrachtet wird. Dadurch entsteht ein Lupeneffekt. Die Fokusebene liegt baulich bedingt näher an der Hinterlinse als an der Vorderlinse, wodurch man sich beim Fotografieren in Retrostellung weiter an das Objekt annähern kann. So können stark vergrösserte Nahaufnahmen ohne ein spezielles Makroobjektiv erzielt werden.

Je kleiner die Brennweite des Objektivs ist, desto grösser ist in Retrostellung der Vergrösserungsfaktor. Durch den Einsatz von Umkehrringen werden demnach Abbildungsmassstäbe ermöglicht, die deutlich grösser als 1:1 zu sind. Selbst Nahaufnahmen im Massstab 3:1 (oder höher) können realisiert werden. Bei Weitwinkelobjektiven lassen sich die grössten Abbildungsmassstäbe erreichen. Lediglich Objektive mit extrem kurzen Brennweiten (Superweitwinkel- oder Fischaugenobjektive) eignen sich für den Einsatz eines Umkehrrings nicht: Durch ihre stark gewölbten Linsen und das fehlende Filtergewinde können sie nicht umgekehrt auf der Kamera befestigt werden.

Ein Umkehrring kann bei jeder DSLR verwendet werden, die einen Objektivwechsel erlaubt, und kann mit Zwischenringen oder Balgen kombiniert werden. Retroadapter sind deutlich günstiger als Makroobjektive, bestechen aber auch durch eine gute Abbildungsleistung. Im Vergleich zu Gadgets wie Nahlinsen weisen sie einen deutlichen Vorteil auf: Sie verringern die Bildqualität nicht, da keine zusätzlichen Linsen in das optische System eingebracht werden.

In Retrostellung hat das Objektiv allerdings keinen Kontakt mehr mit der elektronischen Kamerasteuerung. Die automatische Blendenfunktion und der Autofokus können daher bei normalen Umkehrringen nicht genutzt werden. Die Belichtungszeit müssen Sie über die Arbeitsblendenmessung bestimmen und die Blende sowie den Fokus manuell regeln. Da bei der Verwendung eines Umkehrrings verhältnismässig viel Licht geschluckt wird, sollten Sie mit möglichst weit geöffneter Blende fotografieren und auf ausreichend Umgebungslicht achten. Stellen Sie bei Objektiven mit kleinen Brennweiten den manuellen Fokus auf „unendlich“, um das beste Ergebnis zu erzielen. Achten Sie bei Zoom-Objektiven darauf, dass auch die kleinste Brennweite eingestellt ist.

Beim Fotografieren wird die Scharfstellung anschliessend nicht mehr am Objektiv, sondern über den Abstand zwischen Kamera und Objekt geregelt. Da die Schärfentiefe im Nahbereich nur wenige Millimeter beträgt, können ein Einstellschlitten und ein Stativ die Fokussierung erleichtern. Die Schärfentiefe können Sie z. B. durch Abblenden ein wenig vergrössern.

Wenn Sie die elektronischen Funktionen der Kamera erhalten bzw. wiederherstellen möchten, können Sie auf automatische Umkehrringe zurückgreifen: Retroadapter besteht dann aus zwei Komponenten, die jeweils auf dem Kameragehäuse und auf dem Ende des Objektivs befestigt werden. Beide Komponenten werden anschliessend mit einem Kabel verbunden und somit die Kameradaten wieder übertragen.

 

 

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