Besondere Dreheffekte ohne Bildbearbeitung erzeugen

Für das Erzeugen von speziellen Foto-Effekten müssen Sie nicht immer gleich auf Bildbearbeitungssoftware zurückgreifen. Dreheffekte beispielsweise können mit der richtigen Technik bereits während der Aufnahme erzeugt werden.

Beim Dreheffekt verschwimmt das Foto zunehmend an den Seitenrändern während der fokussierte Bereich des Bildes scharf dargestellt wird. Diesen Effekt erzeugen Sie durch ein Drehen der Kamera zum Zeitpunkt des Auslösens.

Mit unseren Tipps zur Vorbereitung und richtigen Durchführung kriegen Sie den Dreh raus bzw. den Dreh ins Bild hinein.

So sind Sie optimal vorbereitet

Für die Erzeugung des Dreheffekts benötigen Sie zunächst eine Kamera, bei der Sie zumindest die Belichtungszeit in Abhängigkeit der anderen Einstellungen frei variieren können. Somit eignen sich Systemkameras aber auch einfache Kompaktkameras.

Heute bieten auch viele Smartphone-Kameras die Möglichkeit, Einstellungen wie den ISO-Wert oder die Belichtungszeit manuell vorzunehmen. Im Gegensatz zu den System- und Kompaktkameras lassen sich die meisten Smartphone-Kamerablenden jedoch nicht variieren. Falls Sie den Dreheffekt gerne mit der Smartphone-Kamera erzeugen möchten, so sollten Sie besonders helle Umgebungen meiden. Aufgrund der fest verbauten Blende (welche für die maximale Lichtaufnahme meist sehr offen gestaltet ist) kommt es bei längeren Belichtungszeiten schnell zu einer Überbelichtung des Bildes.

Veranschaulichung des Dreheffekts an einem Strassenschild

Der Bildaufbau und der Unschärfeeffekt an den Rändern variieren, je nachdem wie schnell die Kamera gedreht wird. Im linken Bild wurde die Kamera eher mässig und im rechten Bild schnell gedreht. 1/20 Sek. | F/11 | 10mm

Für Aufnahmen mit einem Dreheffekt brauchen Sie grundsätzlich keine weiteren Hilfsmittel. Sie lassen sich unproblematisch aus der Hand heraus schiessen. Für einen höheren Komfort und exaktere Drehungen können Sie jedoch auch ein Stativ einsetzen. Dieses sollte über eine klappbare Mittelsäule verfügen, sodass Sie die Kamera auf der Halterung befestigen und entlang der horizontalen Achse drehen können.

Gerade bei den ersten Versuchen kann der Dreheffekt in den Aufnahmen noch ausbleiben oder noch nicht den gesetzten Erwartungen entsprechen. Zusätzlich spielt vor allem bei der Freihand-Fotografie der Zufall eine grosse Rolle. Bringen Sie also auch ein gewisses Mass an Geduld und Neugierde in das Shooting mit ein. Das Variieren der Belichtungszeit, der Drehbewegung oder auch der Drehgeschwindigkeit kann zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, die allesamt besonders sind.

Hierauf sollten Sie bei der Durchführung achten

Der Einfachheit halber sollten Sie für Ihre Aufnahmen den S bzw. TV Modus (Blendenautomatik) nutzen. Hier können Sie eine Belichtungszeit festlegen, wobei die Wahl einer entsprechenden Blende von der Kamera übernommen wird. Für die volle Kontrolle über Blende, Belichtungszeit und Co. muss hingegen der M Modus aktiviert werden.

Variieren Sie die Belichtungszeit – unabhängig davon, für welchen Modus Sie sich entscheiden. Einen guten Einstiegswert stellt eine Belichtungszeit von 1/20 Sekunde dar. Längere Belichtungszeiten sind auch möglich, achten Sie jedoch darauf, nicht unter eine Belichtungszeit von 1/5 Sekunde zu fallen. Das Schwenken der Kamera führt hierbei zu sehr unscharfen Aufnahmen.

Die «optimale» Belichtungszeit hängt vom Motiv, der eingesetzten Brennweite, aber auch der Drehgeschwindigkeit ab. Geduld und mehrfaches Experimentieren führt Sie zu den gewünschten Ergebnissen.

Setzen Sie für Ihre Aufnahmen den elektronischen Sucher Ihrer Kamera ein. Die Bilder lassen sich zwar auch mit Hilfe des optischen Kamerasuchers schiessen, jedoch fällt das Drehen auf Augenhöhe sehr unkomfortabel aus. Bei Verwendung des elektronischen Suchers können Sie den Bildaufbau jederzeit durch einen Blick auf den Kamerabildschirm betrachten und die Bilder ausserdem aus anderen Winkeln heraus aufnehmen. Die Kamera lässt sich somit einfacher und kontrollierter drehen.

Vergleich von Blumen mit und ohne Dreheffekt

Der Dreheffekt sorgt für aussergewöhnliche Bildkompositionen. 1/20 Sekunde | F/11 | 18 mm

Was die Art des Fokus betrifft, so können Sie sowohl den manuellen Fokus als auch den Autofokus einsetzen. Ihre Wahl sollte deshalb auf die Art der Fokussierung fallen, die Ihnen am besten liegt. Bei Einsatz des Autofokus ist darauf zu achten, dass der Schalter am Objektiv nach jeder erfolgten Fokussierung in den manuellen Fokusmodus gesetzt wird. Somit wird auch während der Drehung kein anderer Fokuspunkt angewählt und der ursprüngliche Fokusbereich beibehalten.

Experimentieren Sie auch mit den eingesetzten Brennweiten. Bei den vorangegangenen Aufnahmen haben wir ein Weitwinkelobjektiv verwendet. Der verwendete Brennweitenbereich liegt bei etwa 10 bis 20 mm. Den Dreheffekt können Sie auch mit herkömmlichen Kit-Objektiven gut erzeugen, da diese häufig einen Brennweitenbereich von 18 bis 55 mm abdecken.

Besondere Vorsicht ist beim Drehen der Kamera geboten. Trotz aller Experimentierfreudigkeit sollten Sie die Kamera zur Sicherheit mit einer Schlaufe an Ihrer Hand befestigen. Andernfalls könnten hohe Drehgeschwindigkeiten und Unachtsamkeit dazu führen, dass die wertvolle Kamera zu Boden fällt.

Fazit

Der Dreheffekt bietet vor allem für Einsteiger in das Thema der Digitalfotografie die Möglichkeit, sich genauer mit der eigenen Kamera und den Möglichkeiten der Fotografie auseinanderzusetzen. Ausgefallene Dreheffekte entstehen direkt bei der Aufnahme und bedürfen keiner weiteren Bildbearbeitung. Für wechselnde Ergebnisse lohnt es sich, die Belichtungszeiten, die Brennweite oder auch die Drehgeschwindigkeit der Kamera zu variieren. Um etwaigen Kameraschäden vorzubeugen, sollten Sie auch immer auf eine entsprechende Sicherung der Kamera achten.

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