Lost Places: ein Ausblick aus den Gemäuern von Craco

Die fünf tollsten Lost Places in Europa für Hobbyfotografen

Vergessene und von Verfall geprägte Orte – sogenannte Lost Places – sind eine hervorragende Kulisse für abwechslungsreiche und atemberaubende Fotos. Ob leerstehende Hotels oder alte Industrie-Gebäude, die einzigartigen Motive und das interessante Licht- und Schattenspiel erwecken die Vergangenheit wieder zum Leben. Jedoch sind solche Locations nicht einfach zu finden, denn die interessantesten davon sind gut gehütete Geheimnisse.

Was Sie beim Betreten von Lost Places beachten sollten, lesen Sie in diesem Artikel. Denken Sie ausserdem immer daran: „take nothing but pictures, leave nothing but footprints“.

Auf Entdeckungstour quer durch ganz Europa finden sich alte verlassene Gebäude, Denkmäler, Bahnhöfe, Ruinen und vieles mehr. Wunderschöne Objekte, die an eine längst vergangene Zeit erinnern – lassen Sie sich inspirieren.

5 aussergewöhnliche Lost Places

Der Harzburger Hof, Deutschland – der Verfall eins Prunkhotels

Aussenansicht vom Harzburger Hof – Lost Place in Niedersachsen

Nach seiner Eröffnung im Jahre 1874 in Bad Harzburg, einer Stadt in Niedersachsen, galt dieses Hotel als eines der prächtigsten in Deutschland. Auf rund 18.000 Quadratmetern genoss die adlige Gesellschaft ihre Ruhe vor dem Alltag. Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurde es von Soldaten als Erholungszentrum genutzt. Trotz reichlicher Sanierungsmassnahmen erreichte es aber nie wieder den Glanz alter Tage. Eine sehenswerte Ruine, die durch einen Brand zerstört wurde, prägt nun die Kulisse von Bad Harzburg.

Die Räume sind noch teilweise möbliert, was einen besonderen Rahmen für aufregende Fotos bietet. Highlight ist sicherlich der alte Speisesaal des Hotels. Monumentale Säulen, pompöser Stuck und eine detailverliebte Einrichtung verschaffen dem verfallenen Raum besonderen Charme.

Reich verzierte Treppe im Harzburger Hof

Lungenheilanstalt am Grabowsee nahe Berlin, Deutschland

Nur 20 Minuten vom belebten Berlin entfernt befindet sich diese weitläufige Anlage, die aus mehreren sehr unterschiedlichen Gebäuden besteht. Erbaut wurde sie im Jahre 1896 als Lungenheilanstalt. Hauptsächlich wurden hier Tuberkulosepatienten behandelt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude zu einem sowjetischen Militärkrankenhaus umfunktioniert. Heute sind die meisten Räume leer, doch die verfallenen Räumlichkeiten bieten trotzdem eine Vielfalt an faszinierenden Fotomotiven. Besonders eindrucksvoll ist der Pianosaal der ehemaligen Heilanstalt – bodentiefe Fenster umrahmen einen imposanten Saal, in dessen Mitte ein altes Piano auf einer Bühne steht. Dieser Saal inspirierte auch Hollywood-Star George Clooney, der ihn als Kulisse für den Film „The Monuments Men“ nutzte.

Lungenheilanstalt am Grabowsee Grabowsee - altes Piano 

Oradour-sur-Glane, Frankreich – die geheimnisvolle Gedenkstätte

Dieser Lost Place befindet sich in der Region Nouvelle-Aquitaine im Südwesten Frankreichs. Der Ort erlangte durch ein verübtes Kriegsverbrechen der SS im Jahre 1944, auch „das Massaker von Oradour“genannt, traurige Berühmtheit. Fast alle Dorfbewohner verloren bei diesem Massaker ihr Leben und die Stadt wurde durch die anschliessende Brandstiftung beinahe vollständig zerstört. In den Überresten der Kirche wurde eine sehenswerte Mahn- und Gedenkstätte errichtet. Wenn das Sonnenlicht durch die verfallenen Ruinen strahlt, entstehen interessante Licht und Schatten-Spiele, die aufregende Bildkompositionen zulassen. Aber auch Dämmerung oder Nebel machen diesen Lost Place zu einer tollen Location für Fotografie-Begeisterte.

Kulisse von Oradour-sur-Glane

der zerstörte Dorfplatz von Oradour-sur-Glane

Psychiatrische Anstalt in Volterra, Italien – ein Ort des Grauens

Am Rande von Volterra erstreckt sich das düstere Gebäude der ehemaligen Psychiatrie. Dieser Ort muss zu seiner Zeit die Hölle auf Erden gewesen sein: Berichten zufolge starben 10 Prozent der Insassen infolge schlechter Behandlung, 40 Prozent aufgrund der katastrophalen hygienischen Umstände und der Rest einfach aus Kummer. Infolge der Reformen von Basaglia wurde die Psychiatrie 1978 geschlossen.

Die verfallenen Korridore der Psychiatrie bieten zahllose Motiv-Möglichkeiten

Schauriges Highlight dieses Lost Places ist die Geschichte des Insassen Oreste Nannetti, der das Erlebte mithilfe seiner Gürtelschnalle auf 180 Metern Mauerwerk einritzte. Dieses Tagebuch, das mit Schrift und Zeichen seine Wahrnehmungen wiederspiegelt, ist auch heute noch erhalten.

Ansonsten sind die Gebäude mittlerweile leergeräumt. Trotzdem erwecken Sie den dunklen Geist der Geschichte und bieten eine schaurige Foto-Kulisse.

Gemeinde Craco, Italien – eine durch Erdrutsche zerstörte Geisterstadt

Die Ortschaft Craco in der Provinz Matera wurde bei einem Erdrutsch in den 60er Jahren stark beschädigt. Nachdem die letzten verbleibenden Einwohner die Stadt infolge eines weiteren Erdbebens 1980 verlassen hatten, ist der Ort allgemeinhin als „Città fantasma“– die Geisterstadt – bekannt. Die verlassene Ruinenstadt, die in einen Felsen geschlagen wurde, bietet noch heute eine altertümliche Kulisse mit eindrucksvollem Charisma. Im Jahre 2010 wurde sie sogar in die Liste gefährdeter Kulturdenkmäler aufgenommen. Die ganze Geisterstatt ist ein Mekka für Lost-Place-Fotografen: die Motive sind zahllos und so gelingen sowohl Innen- als auch Aussenaufnahmen der Ruinen.

Craco die Geisterstadt

 

Detailreiche Aufnahme einer Architekturfotografie Münchner Residenz

Architekturfotografie – Tipps zu gelungenen Architekturfotos

Zusammen mit der Objektfotografie gehört die Architekturfotografie zu einem der schwierigsten Gebieten der Fotografie. Dem Fotografen wird ein hohes technisches Verständnis abverlangt. Ausserdem müssen die Einstellungen der Kamera gekannt und beherrscht werden.

Architektur kann sowohl im Aussenbereich als auch im Inneren von Gebäuden festgehalten werden. Dabei spielen zwei wesentliche Strömungen eine grosse Rolle. Da wäre zum einen die dokumentarische Architekturfotografie. Sie kommt immer dann zum Einsatz, wenn Gebäude näher beschrieben werden sollen. Oft werden dabei gebäudespezifische Merkmale exakt wiedergegeben. Dokumentarische Architekturfotos finden sich in Bildbänden, Fachmagazinen, Broschüren und Baudokumentationen wieder. Die andere Strömung der Architekturfotografie beschäftigt sich mehr mit der Interpretation von Gebäuden und hält derweilen einen künstlerischen Aspekt inne. Nicht selten wirken die Fotografien so, als ob die Bildaussage von der Gebäudeaussage entkoppelt ist. Während die dokumentarische Fotografie eher den Architekten hervorhebt, stellt die künstlerische Architekturfotografie ganz den Fotografen in den Mittelpunkt. Ihre Fotos sind in Galerien und Ausstellungen wiederzufinden.

Wie gelingen gute Architekturfotos?

Wir möchten Ihnen zeigen, worauf sie beim Fotografieren von Gebäuden und Räumen achten müssen. Dafür haben wir die wichtigsten Faktoren zusammengetragen und im Folgenden kurz erläutert. Das Fotografieren mit Stativ sei hier vorausgesetzt.

Der Standort und die Perspektive

Das Natural History Museums von innen

Für die Architekturfotografie werden vor allem Zeit und eine angemessene Fotoausrüstung benötigt. Es dauert schon eine Weile, bis eine tolle Perspektive gefunden wird, aus der ein Bauwerk fotografiert werden kann. Der Standpunkt spielt also eine überaus wichtige Rolle. Trotz gleichbleibender Architektur kann die Standortänderung des Fotografen ein grosse Wirkungen auf das Motiv haben. Bei einer Änderung sollte auch immer die Brennweite zum Objekt angepasst werden. Es lassen sich zwei Wirkungen erzielen. Der Fotograf kann zum einen den aussergewöhnlichen Entwurf des Architekten hervorheben oder auf der anderen Seite negative Eigenschaften des Bauwerks kaschieren. Problematisch sind extreme Standorte. Befindet sich der Fotograf zu nah am oder zu weit entfernt vom Objekt, entstehen surreale, befremdliche und unschöne Fotos.

  • Ein geringerer Abstand zum Gebäude lässt es schlanker und Spitzer erschienen.

Motivwahl

Verfallene oder tendenziell unattraktive Bauten können durchaus auch ein potenzielles Motiv darstellen. Ein gutes Motiv hängt von der Beschaffenheit der Abbildungsqualität ab. Für das richtige Motiv wird viel Zeit benötigt, da wie bereits erwähnt, der Standpunkt eine wichtige Rolle spielt. Bei der Suche nach dem richtigen Motivblick hilft es, das Gelände vorher ausreichend zu erkunden. Dazu können mehrere Bilder von der Umgebung aufgenommen und zu Hause analysiert werden. Mit der Zeit kristallisiert sich ein interessantes Motiv heraus.

  • Das richtige Motiv muss erst erkundet werden, aber ohne sich dabei in Gefahr zu begeben.

Stürzende Linien

Straße in Toronto mit Wolkenkratzern

Die dokumentarische Architekturfotografie versucht stürzende Linien unbedingt zu vermeiden. Dieses Phänomen tritt immer dann auf, wenn die Fotokamera nicht parallel zur Objektebene ausgerichtet ist. Viele versuchen die Spitze des Gebäudes noch mit auf das Bild zu bekommen und neigen die Kamera mit dem Objektiv nach oben. Das Problem ist die zunehmende Entfernung des Gebäudes von unten nach oben. Bei einem Weitwinkel wandern senkrechte Kanten umso mehr zur Motivmitte, je weiter weg sie von der Kamera sind.

Illustration erklärt stürzende Linien

Mit digitalen Kameras lassen sich stürzende Linien nur dann vermeiden, wenn sich der Aufnahmestandort genau in der Hälfte der gesamten Gebäudehöhe befindet.

In der künstlerischen Architekturfotografie sind stürzende Linien aber durchaus gewollt. Besonders ausgeprägt sind die Linien in der Froschperspektive, wenn der Fotograf beispielsweise in einer Strasse mit Wolkenkratzern steht. Die steilen Fassaden der Hochhäuser entfalten eine gewisse Dramatik und das ganze Bild gewinnt insgesamt an Dynamik.

  • Je kürzer die Brennweite, desto stärker bilden sich stürzende Linien.
  • Die Froschperspektive lässt Gebäude deutlich grösser erscheinen.

Aufnahmeparameter

Ist die Fotokamera auf einem stabilen Stativ befestigt, können die Aufnahmeparameter eingestellt werden. Wer im Besitz einer DSLR ist, kann nun den Blendenvorwahl-Modus (A / Av) anwählen. Das zu fotografierende Objekt sollte nämlich vor allem eine grosse Tiefenschärfe abbilden können (insofern man sich nahe genug an der Architektur befindet). Damit auch kleine Details im Bild erhalten bleiben, ist ein möglichst niedriger ISO-Wert auszuwählen. In Verbindung mit einer kleinen Blendenöffnung wird eine dementsprechend lange Belichtungszeit ermöglicht. Alleine schon aus diesem Grund rechnet sich ein vernünftiges Stativ. Damit dem Verwackeln kein Spielraum gelassen wird, sollte beim Fotografieren ein Fernauslöser, sowie die Spiegelvorauslösung zum Einsatz kommen. Jede Berührung der Kamera während der Aufnahme würde sich im Bild später bemerkbar machen.

  • Detailreiche Bilder werden mit kleiner Blendenöffnung und langer Belichtungszeit erzeugt.

Das Licht

Jenaer Stadtmauer bei Nacht

Das Licht spielt natürlich nicht nur in der Fotografie, sondern auch in der Architektur eine besondere Rolle. Jedes Gebäude verhält sich bei unterschiedlich starker Beleuchtung anders. Wer die Möglichkeit hat, dass zu fotografierende Objekt eine Zeit lang zu beobachten, sollte herausfinden, zu welcher Tageszeit das Gebäude am schönsten erscheint. Einige entfalten ihre Wirkung in der Mittagssonne, andere erst in der Dämmerung oder in der Nacht, wenn sie angestrahlt werden. Das gilt auch für Innenarchitektur. Bei besonders dunklen Räumen wird eine solide Blitzanlage benötigt.

  • Verschiedene Tageszeiten ergeben unterschiedliches warmes Licht
Ein steinerner Treppenaufgang - Wendeltreppe

Einen geschlossenen Raum fotografisch festhalten

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum das Hotelzimmer in der Realität so viel kleiner wirkt als das tolle Foto, das auf der Website zu sehen war? Oder wie schaffen Sie es, Ihrer Familie, die am anderen Ende der Schweiz wohnt, die neue Wohnzimmereinrichtung abzulichten? Durch den begrenzten Platz und teilweise schwierige Lichtverhältnisse stellt das Fotografieren in Innenräumen eine echte Herausforderung dar. Mit der richtigen Ausrüstung und ein paar Tricks lassen sich jedoch auch geschlossenen Räume professionell festhalten.

Es gibt nicht nur Nachteile bei der Fotografie von Innenräumen. Der grosse Vorteil besteht darin, dass man wetterunabhängig ist und durch entsprechendes Equipment die Gegebenheiten der zu fotografierenden Situation gut anpassen kann.

Lichtstimmung wiedergeben

Aufnahmen, die mit Blitz geschossen werden, wirken oft klinisch und wenig einladend. Das Ziel ist, die im Raum vorherrschende Lichtstimmung auch auf dem Foto wiederzugeben. Dafür benötigen Sie längere Belichtungszeiten und ein Stativ oder eine andere stabile Auflagefläche für die Kamera. Den Blitz sollten Sie ausschalten, da er die Lichtstimmung zerstören würde und harte Schatten erzeugt. Eventuell kann ein indirekter Blitz (gegen Decke oder Wand gerichtet) zum Aufhellen des Raumes genutzt werden.

Viele Digitalkameras haben auch ein Motivprogramm speziell für Innenräume, das Sie über das Menü einstellen können.

Sofern Sie mit einem Stativ oder ähnlichem arbeiten, brauchen Sie keinen Bildstabilisator. Es empfiehlt sich jedoch, einen Fernauslöser zu nutzen oder den Selbstauslöser auf 2 Sekunden einzustellen, um nicht versehentlich beim Auslösen zu verwackeln. Eine lange Belichtungszeit ist beim Fotografieren von Räumen ideal, wenn der Raum nicht taghell erleuchtet ist.

Die Wartehalle eines alten Bahnhofs mit Holzdecken und Holzbänken

Die Wartehalle eines alten Bahnhofs im schummrigen Licht ©Rene Gropp

Wenn Sie aus der Hand fotografieren möchten, nutzen Sie den Bildstabilisator, der in fast jeder neueren Digitalkamera eingebaut ist. Nach Möglichkeit sollten Sie auch den ISO-Wert leicht erhöhen, um die Verschlusszeit zu verkürzen.

Belichtungsprobleme in Innenräumen können dadurch entstehen, dass einige Bereiche sehr dunkel und andere (z.B. Fenster) sehr hell sind. Die grossen Kontraste mit einem hohen Dynamikumfang können als stilistisches Mittel genutzt werden oder über Belichtungsreihen und das übereinanderlegen mehrerer Aufnahmen nachträglich erzeugt werden (HDR-Aufnahme).

Innenräume mit dem richtigen Objektiv fotografieren

Besonders in relativ kleinen Innenräumen eignen sich Weitwinkelobjektive sehr gut, da durch die engen Räume ein ausreichender Abstand zum Motiv oft nicht möglich ist. Die geringeren Brennweiten im Vergleich zu Standardobjektiven ermöglichen die Aufnahme grösserer Bildausschnitte. Dadurch wirken die Aufnahmen weiträumiger. Um eine Verzerrung zu vermeiden, die den Anschein erweckt, das Zimmer hätte schiefe Wände, sollte die Kamera gerade und senkrecht zum Mittelpunkt der gegenüberliegenden Wand ausgerichtet werden.

Für DSLR sind Weitwinkelobjektive ein bekanntes Equipment, es gibt jedoch auch für Smartphones Weitwinkel- sowie Fisheye-Objektive zum Aufsetzen. Dabei sollte man auf die Qualität der Linse und die Kompatibilität zum eigenen Smartphone achten, besonders niedrigpreisige Produkte schneiden in den Kundenbewertungen regelmässig schlecht ab.

Perspektive in Innenräumen

Der Standort, den man als Fotograf einnehmen kann, ist in einem Raum stark eingeschränkt. Für interessante Perspektiven und eine möglichst realistische Raumwiedergabe wird man oft direkt an einer Wand oder in einem Gang stehen müssen. Entfernen Sie störende Objekte aus Ihrem Motiv, indem Sie etwas umräumen oder einen veränderten Aufnahmestandpunkt einnehmen.

Bei rechteckigen Räumen bieten sich zwei Perspektiven an: Sie können sich mittig auf die Raumachse stellen und gen der gegenüberliegenden Wand fotografieren (Zentralperspektive). Besonders kleine Räume wirken dadurch aufgeräumt, ruhig und etwas dynamisch.

Aus Zentralperspektive fotografierte Stube mit Kommode und frontalen Fenstern

Aus Zentralperspektive fotografierte Stube

Alternativ können Sie diagonal oder in einem schrägen Winkel in den Raum fotografieren und sich dafür in eine Ecke stellen. Die Dynamik des Bildes erhöht sich dadurch, es entsteht eine grössere räumliche Tiefe. Andererseits kann diese Zweipunktperspektive – je nach Raum – zu einem unausgewogenen Bildaufbau führen.

In einem Innenraum aus der Ecke diagonal in Richtung Fensterfront fotografierter Speiseraum

In einem Innenraum aus der Ecke diagonal in Richtung Fensterfront fotografiert – dunklere und hellere Bildbereiche sind deutlich sichtbar ©Gundel Woite

Bei grossen Räumen oder gar Räumen, die sich über mehrere Etagen öffnen, haben Sie andere Möglichkeiten, kreative Perspektiven einzunehmen. So können Sie beispielsweise Büros, die über eine Galerie verfügen, von oben aufnehmen. Kirchen und grosse Hallen lassen sich meist nicht in einem Bild abbilden, sondern nur als Teilaufnahmen. Es bietet sich dabei an, mit der Richtung des Lichtes zu fotografieren, beispielsweise mit einem Fenster im Rücken, oder einfallendes Licht aus seitlichen Fenstern als Stilelement zu nutzen.

Aus Zentralperspektive fotografierte verlassene Werkhalle mit Graffiti und schrägem Lichteinfall

Aus Zentralperspektive fotografierte verlassene Werkhalle ©Lydia Hülle

Details in Innenräumen festhalten

Die Details eines Raumes können interessante Akzente setzen. Achten Sie auf die Besonderheiten des Raumes – Dekoration, Möbel, Textilien, aber auch Fenster, Türrahmen, Treppen und ähnliche Raumelemente können interessante Detailaufnahmen liefern. Spielen Sie vielleicht auch ein wenig mit der Anordnung der beweglichen Details, um ein insgesamt harmonischeres Bild des Raumes zu erzeugen.Variieren Sie Ihren Blickwinkel und testen Sie, welche Perspektive die beste ist. Je nach Lichtverhältnissen sollten Sie auch hier ein Stativ nutzen.

Detailaufnahme der Technik einer alten Windmühle – Holzräder und -balken

Detailaufnahme der Technik einer alten Windmühle. ©Gerd Gropp

 

 

 

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Arbeiten mit Schatten in der Lost Places Fotografie mit Gegenlicht

Lost Places im Gegenlicht fotografieren

Ein Ratschlag aus der Fotografie lautet: „Niemals im Gegenlicht fotografieren“. Dieser Rat ist jedoch längst veraltet. Fotografieren mit Gegenlicht ist das Fotografieren in Lichtrichtung. Machen Sie sich das Licht zunutze: Denn das Gegenlicht ermöglicht viele Gestaltungsmöglichkeiten und kann ein Foto richtig aufwerten. Daneben können einzigartige (un)gewollte künstlerische Effekte entstehen. Vor allem in der Lost Places-Fotografie wird dem Fotografieren mit Gegenlicht eine steigende Bedeutung zugeschrieben. Ein wenig Erfahrung und eine Kamera mit manuellen Einstellmöglichkeiten sind unabdingbare Voraussetzungen für gelungene Gegenlicht-Fotos.

Lost Places – eine alte Industriehalle mit Gegenlicht fotografiert

Quelle: Lydia Hülle

Die richtige Kameraeinstellung für Gegenlicht

Beim Fotografieren in Richtung des Lichts sind einige Einstellungen an der Kamera unverzichtbar. Ein genereller Tipp: Für gute Ergebnisse sollte auf jeden Fall im manuellen Modus fotografiert werden. Auf den Automatikmodus sollte man besser verzichten, denn dieser wird mit der Situation nicht zurechtkommen.

Wichtig im manuellen Modus sind vor allem die Einstellungen der Lichtempfindlichkeit und Blendenöffnung. Je nach Lichtsituation und Kameratyp kann die Einstellung hier variieren. Der ISO-Wert sollte dabei immer so niedrig wie möglich eingestellt werden. Am besten eignen sich Werte um ISO 100. Bei der Blende sollte die Einstellung am besten f/8 betragen. Die Brennweite sollte im Normalbereich liegen. Generell sollte bei Gegenlicht besser mit einer kleinen Blendenöffnung gearbeitet werden. Die richtige Einstellung wird meist aber erst durch Ausprobieren gefunden, denn jede Situation ist individuell.

Wenn möglich, sollte der automatische Weissabgleich der Kamera ausgeschaltet sein. Der Blitz sollte bei Fotografien mit Gegenlicht nur dann benutzt werden, wenn wichtige Objekte in den Vordergrund gerückt werden sollen.

Für alle, die schon etwas Erfahrung mitbringen, lohnt sich eine Streulichtblende. Durch sie wird die Gefahr einer unerwünschten Kontrastreduktion und Blendenflecken im Bild vermieden. Leider lässt sich dieses Hilfsmittel nur bei der Spiegelreflexkamera verwenden. Für andere Kameratypen gibt es keine derartigen Hilfsmittel.

Lost Places mit Gegenlicht fotografiert - das Motiv von drei Fenstern erscheint dunkel

Quelle: Lydia Hülle

Diese Kniffe sind hilfreich bei Gegenlicht

Für das Fotografieren mit Gegenlicht ist etwas Übung gefragt. Das eigentliche Motiv wird dabei oft sehr dunkel. Besonders häufig kann das Problem von Blendenreflexen auftreten, welche in Form der verwendeten Blende auf dem Bild sichtbar sein können. Je nach Blendenform können diese Flecken dann eckig oder rund sein. Das muss allerdings nicht schlecht sein, denn dadurch können einzigartige künstlerische Effekte entstehen.

Bei Sonnenuntergang, Nebel und leichtem Regen sowie Porträtaufnahmen lohnt sich das Fotografieren mit Blitz. Bei Sonnenlicht sollten die Schatten, die das Gegenlicht dem Fotografen entgegenwirft, genutzt werden, denn dabei treten die Farben in den Hintergrund. Dann können schöne Effekte im Bild sichtbar werden. So können interessante Lichtsäume um die Konturen und Umrisse entstehen, die Objekte als geheimnisvolle Silhouetten wirken lassen.

Arbeiten mit Schatten in der Lost Places Fotografie mit Gegenlicht

Quelle: Lydia Hülle

Mit diesen Tipps gelingt das perfekte Foto bei Gegenlicht

  1. Wenn möglich, in den Schatten gehen – Die direkte Sonneneinstrahlung sollte am besten vermieden werden, da dadurch nicht nur das Objektiv, sondern auch das Auge Schaden nehmen können.
  2. Einen Aufhellblitz verwenden – Der Aufhellblitz reflektiert das Licht auf das Motiv zurück. So wird dafür gesorgt, dass die Objekte in den Vordergrund gerückt werden.
  3. Gegebenenfalls die Perspektive wechseln – Oftmals gelingen nicht gleich auf Anhieb gute Aufnahmen. Es lohnt sich daher, auch mal die Perspektive zu wechseln.
  4. Eine Gegenlichtblende verwenden – Um unschöne Reflexionen im Bild zu vermeiden, sollte bei der Spiegelreflexkamera eine Gegenlichtblende auf das Objektiv aufgesetzt werden.
  5. Einen Filter benutzen – Es kann hilfreich sein, einen Graufilter für diese Gegenlichtbilder zu verwenden. Dann entsteht eine reduzierte Wirkung des Lichteinfalls.
Die Effekte mit Gegenlicht sind unterschiedlich – an diesem Lost Place erscheinen Lichtspiele in der Fensterscheibe

Quelle: Lydia Hülle

Für das Fotografieren mit Gegenlicht wird keine teure Kamera benötigt. Im Prinzip können tolle Schnappschüsse mit allen digitalen Kameras gemacht werden, die mit umfangreichen manuellen Einstellungsmöglichkeiten ausgestattet sind.

Das richtige Licht lässt verlassene Objekte erst richtig aufleben

5 Tipps für gelungene Lost-Places-Fotos

Neben aller Faszination für die Lost-Places steht das Motto der Urban-Explorer auch für jeden Hobby-Fotografen an erster Stelle: „Kein Foto ist die Gefahr für Leib und Leben wert“.

Tipp 1: Die Location finden

Das Licht macht die Stimmung in einem verlassenen Lokschuppen der Deutschen Bahn in Schwandorf

Quelle und Urheber: http://toni-wittmann.de – Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert. – Original: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lost_Place_Lokschuppen.jpg?uselang=de

Eine geeignete Location zu finden ist nicht einfach aber zentral, denn die interessantesten Locations sind gut gehütete Geheimnisse. Verständlich, bedenkt man, welche Auswirkungen das auf den Tourismus an solchen Plätzen haben kann. Dennoch gibt es einige Communitys, in denen ein Austausch mit Gleichgesinnten möglich ist. Auch die direkte Nachfrage bei einem Fotografen kann zum Erfolg führen. Neben den Tipps von anderen Urban-Explorern, gibt es noch weitere Quellen.

Es lohnt sich mit offenen Augen durch gewohnte Umgebungen zu gehen und neue Blickwinkel einzunehmen. So findet man Inspiration, wo man zunächst keine vermutet. In vielen Städten gibt es beispielsweise morbide verlassene Industrieanlagen oder längst nicht mehr bewohnte alte Villen.

In der Fremde ist es zeitaufwendiger, aber meist erfolgreicher, sich an Einheimische zu wenden. Gerade ältere Menschen besitzen Wissen über Orte, die man nicht im Netz findet. Diese Quellen zu nutzen, erfordert Fingerspitzengefühl und Zeit, zahlt sich aber aus. Manchmal können diese Leute auch bei der Frage der Grundstücksverwalter weiterhelfen.

Manche Fotografen nutzen sogenannte Locationkarten, in denen Sie Ihre Standorte mit den dort entstandenen Fotos taggen. Diese Suche ist weniger hilfreich, wenn man noch unerforschte Orte finden will, aber für Einsteiger eine gute Möglichkeit, Informationen zu erhalten.

Eine weitere Art, Karten zu nutzen, bietet Google Maps. Mit diesem Dienst kann man Wege ausfindig machen, die man bisher nicht entdeckt hat. Street View bietet zusätzlich die Möglichkeit, sich einen ersten Eindruck von den vorliegenden Bedingungen zu verschaffen.

Ein heisser Tipp ist das Thema Geocaching. Menschen suchen bei diesem Hobby Schätze (z.B. in Form kleiner Dosen), die von anderen an verwinkelten, banalen oder exotischen Orten versteckt wurden. Geocaching offenbart viele Foto-Locations oder auch Lost-Places, die gern als Verstecke genutzt werden.

Es gibt Anbieter, die öffentliche und kostenpflichtige Touren durch verlassene Orte anbieten, so zum Beispiel in Beelitz oder Wünsdorf in Brandenburg/Deutschland. An den begleiteten Touren kann immer nur eine begrenzte Zahl von Personen teilnehmen und sich je nach Tour auch frei auf dem Gelände bewegen. Solche Touren entsprechen jedoch nicht im Kern der Idee von Urban-Exploration und werden von vielen Urban Explorern strikt abgelehnt. Dennoch bieten sie die Gelegenheit, völlig legal verlassene Orte der Zeitgeschichte zu fotografieren.

Das Lungenheilgebäude für Männer der verlassenen Beelitz-Heilstätten in Deutschland

Diese Datei wird unter der Creative-Commons-Lizenz „CC0 1.0 Verzicht auf das Copyright“ zur Verfügung gestellt. – Original: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Beelitz-Heilst%C3%A4tten_M%C3%A4nner-Lungenheilgeb%C3%A4ude_24.JPG?uselang=de

Tipp 2: Zentral ist die Stimmung

Verlassenes Dorf in der Wüste

Quelle: Shaun Levick

Ist die passende Location gefunden, ist es ratsam sich in allen Räume (unter Beachtung der Sicherheitsaspekte) und auf dem Areal nach interessanten Motiven umzusehen. Hat man ein Motiv gefunden sollte man sich Zeit lassen, um eine geeignete Perspektive zu finden. Sich genau im Raum umzusehen und die Magie des Ortes zu spüren, verhilft zu gelungenen Bildern.

Lost-Places-Fotos übermitteln immer eine Stimmung oder Emotion. Die Realität abzulichten, ist nicht das Ziel. Ein Wechsel der Objektive und der Position im Raum kann von Vorteil sein, wenn sich die gewünschte Stimmung nach den ersten Probeschüssen nicht einfangen lässt. Dieser Prozess kann durchaus mehrere Stunden bis Tage in Anspruch nehmen.

Nicht immer sind Totalen das geeignete Mittel, die Magie eines Raumes einzufangen. Probieren Sie verschiedene Perspektiven, Winkel, Sichtachsen und Detailaufnahmen vom Motiv. Ziel ist es, den Betrachter der Fotografie durch das Bild zu führen und ihn die Faszination des Ortes spüren zu lassen.

Tipp 3: Die Wahl des Objektivs

Mit einem Weitwinkelobjektiv lassen sich Räume fotografieren

Den ganzen Raum mit seiner Stimmung und seinen Details einzufangen, ist für jeden Fotografen eine Herausforderung. Wenig Platz und Licht erschweren das Fotografieren. Hier eignet sich eine Spiegelreflexkamera mit einem (Super-) Weitwinkelobjektiv mit einer Brennweite von 10 – 20 mm. Es bietet den Vorteil ganze Räume mit wenig Abstand ablichten zu können. Ein weiterer Pluspunkt dieser Objektive ist die Fähigkeit, einen grösseren Umfang von Helligkeitsbereichen zu erfassen. Das ist in den oft düsteren Lost-Places unverzichtbar. Diese Objektive sind auf eine sehr geringe Brennweite eingestellt und daher nicht flexibel einsetzbar. Ein weiterer Nachteil ist die vergrösserte Darstellung von nahen Objekten.

Um flexibel zu bleiben, sollte auch immer ein Normalobjektiv von 17 – 55 mm mitgenommen werden. Dieses eignet sich auch für die meisten Detailaufnahmen.

Tipp: Um einen häufigen Objektivwechsel zu vermeiden, nutzen Sie auf der Strecke in das Gebäude ein Objektiv und wechseln Sie es auf dem Rückweg gegen ein anderes. So können Sie Motive aus verschiedenen Perspektiven ablichten, ohne ständigen Umbau an der Kamera.

Tipp 4: Die richtige Belichtung

Das richtige Licht lässt verlassene Objekte erst richtig aufleben

Verlassene Orte leben von Zwielicht und Schattenspiel. An sonnigen Tagen werden stark differenzierte Schatten geworfen und in den Sonnenstrahlen glitzert der Staub. In den späten Nachmittagsstunden sind die Schatten länger und das Licht ist weicher. Bewölkter Himmel lässt das Licht in Innenräumen sehr samtig und düster erscheinen. Entsprechend der aktuellen Wetterlage und Uhrzeit können Fotos von ein und demselben Ort eine ganz unterschiedliche Stimmung vermitteln. Es lohnt sich, den Wetterbericht zu Rate zu ziehen und dann über den Aufbruch zu entscheiden.

Aufgrund der oft schwierigen Lichtverhältnisse ist es ratsam, von jedem Motiv drei bis sechs Belichtungsreihen zu erstellen (inclusive Über- und Unterbelichtung). Nur so ist man in der Lage, den vollen Umfang der verschiedenen Helligkeitsbereiche zu erfassen.

Um später in der Bearbeitung das geeignete Bild auszuwählen oder gegebenenfalls ein HDR zu konvertieren, müssen die Bilder deckungsgleich sein. Das erreicht man mit einem stabilen Stativ, einem Beanbag oder einem anderen festen Kamerastand. Das Stativ verhindert auch ein Verwackeln der Bilder bei langer Belichtungszeit.

Bei der Nutzung eines Stativs sollte der Bildstabilisator ausgestellt werden. Dieser versucht, die nicht vorhandenen Bewegungen der Kamera zu stabilisieren. Das Ergebnis ist ein unscharfes Bild. Ein Fern- oder Selbstauslöser bietet die Möglichkeit, weitere potenzielle Unschärfe durch ungewollte Bewegungen zu reduzieren.

Tipp 5: Es werde Licht

An besonders düsteren Orten reicht eine hohe Belichtungszeit und eine grosse Blende nicht aus. Der Auto-Fokus ist nicht in der Lage, das Motiv scharf zu stellen. Erfahrene Urbexer wedeln solche lichtarme Motive gleichmässig mit der Taschenlampe bei langer Belichtungszeit aus. Mit dieser Technik ist es möglich, wichtige Teile des Bildes stärker zu beleuchten.

Der integrierte Blitz wird selten genutzt, denn das Weitwinkelobjektiv wirft bei der Nutzung des Blitzes einen Schatten auf die obere Hälfte des Bildes. Der untere Bereich ist stark überbelichtet. Ein Aufsteckblitz wird aufgrund seiner Unhandlichkeit ebenfalls selten genutzt.

Massive Steintreppe in einer alten verlassenen Villa

Lost Places Fotografie – Was man beachten sollte

Motivation

Lost Places sind spannende Orte für Urban Explorer. Sie nennen sich auch „Urbexer“. Ihre Motivation, neue verlassene Objekte zu entdecken und mit ihren Kameras längst Vergangenes zu dokumentieren, liegt in der romantischen und zum Teil ästhetischen Atmosphäre. Viele Urbexer fasziniert vor allem die Authentizität, die Lost Places ausstrahlen. Von Zerfall geprägte Anlagen und Betriebe stehen im Kontrast zur städtebaulichen modernen Investitionskultur. Viele Lost Places Fotografen finden es daher befreiend und entspannend, vor der Zivilisation zu flüchten.

Nicht selten entstehen durch aus den Wänden gewachsenen Bäumen und bizarren Graffitis surreale Motive, die zum fotografischen Experimentieren verleiten. Neben der Erkundung urbaner Relikte und deren Dokumentation rückt bei vielen Fotografen das künstlerische Arbeiten in den Vordergrund.

Der Londoner Geograf und Urban Explorer Bradley L. Garrett stellte die These auf, dass Urban Exploration eine Reaktion auf die zunehmende Überwachung und Kontrolle des öffentlichen Raumes sei.

Sicherheit

Massive Steintreppe in einer alten verlassenen Villa

Es gibt einige grundsätzliche Verhaltensregeln, die die Sicherheit beim Betreten eines Lost Places garantieren. Dazu gehört in aller erster Linie, dass verlassene Orte niemals alleine besucht werden sollten. Am besten wird man von einer ortkundigen Person aus der Gegend begleitet. Für manche Lost Places werden sogar professionelle Touren angeboten, wie zum Beispiel für die berühmten Beelitz Heilstätten in Brandenburg (Deutschland).

Erhöhte Aufmerksamkeit ist ab dem Betreten eines Lost Places unbedingt geboten. Voreilige Schritte und unbedachte Handlungen können zu schweren Verletzungen führen – gerade wenn das Objekt einsturzgefährdet ist. Marode Böden und Decken sollten immer gut im Auge behalten werden. Sicherheit geht vor. Urbexer erzählen zum Teil von ganzen Stockwerken, die eingestürzt sind. Bei Unsicherheit über Löcher im Boden oder Haltbarkeit von Dielen sollte man dem Reiz widerstehen, dass Unbekannte zu entdecken, und umkehren.

Gesetzliche Grundlagen

Zaun mit Warnschild: Betreten des Grundstücks verboten.

Das Eindringen in fremde Objekte stellt meist einen Hausfriedensbruch dar. In der Schweiz beschreibt das der Artikel 186 des StGB. Danach können eine Haftstrafe von bis zu drei Jahre oder eine Geldstrafe verhängt werden. In Deutschland ist dafür der Paragraph 123 StGB zuständig. Demnach kann eine Haftstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe bei Zuwiderhandlung drohen.

Viele Urban Explorer betreten ohne die nötigen Genehmigungen fremde Objekte und begehen damit streng genommen Hausfriedensbruch. Grundstücksverwalter sind zuweilen sehr schwer ausfindig zu machen oder haben wenig Verständnis für die Hobby-Fotografen. Den Urbexern geht es aber nicht wie in anderen Fällen von Hausfriedensbruch darum, Einrichtungsgegenstände zu verwüsten, Sachen zu entwenden oder dem Gebäude oder Grundstück anderweitige Schäden zuzuführen. Sie gehen nur ihrem Hobby nach – dem fotografischen Dokumentieren und Experimentieren an besonderen Orten.

Unwritten rules

Altes zerstörtes Sofa in einem verlassenen Haus

Unter Urban Explorern gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: „Take nothing but pictures – leave nothing but footprints!“ zu Deutsch in etwa: „Nimm‘ nichts mit, ausser Fotos und hinterlasse nichts, ausser deiner Fussspuren.“ Jeder ernstzunehmende Urbexer hält sich an diesen Grundsatz. Leider kommt es aber auch immer wieder vor, dass sich Randalierer und andere Personen gewaltvollen Zugang zu Objekten verschaffen. Dort zerstören sie das Interieur und lassen Müllberge zurück. Street Art Fotografen, die etwas auf sich halten, verurteilen das. Sie möchten lediglich das dokumentieren, was über die letzten Jahrzehnte mit den Objekten unter Einwirkung der Natur passiert ist.

Die Urban-Exploration-Szene lehnt auch solche Handlungen von Menschen ab, bei denen es nur um die Ausbeutung von Materialwerten ankommt. Immer wieder wird beobachtet, dass Kupferdiebe nicht bewachte Industrie-Areale, alte Villen und andere Ruinen aufsuchen, um alte Kupferleitungen aus den Wänden zu schlagen. Das daraus gewonnene Kupfer wird später teuer weiterverkauft.