Digitalkamera mit zwei zusätzlichen Objektiven

Welche Objektivtypen gibt es? – Unterschiede, Hersteller und Kaufkriterien

Das Objektiv ist, neben der Kamera selbst, eines der wichtigsten Werkzeuge eines Fotografen. Die Auswahl des geeigneten Objektivs ist bei der Fülle an Varianten und Herstellern am Markt nicht immer einfach.

Mit diesem Artikel geben wir einen Überblick über die verschiedenen Objektivarten und die wichtigsten Hersteller. Weiterhin werden Kriterien angeführt, die Sie bei der Entscheidung für ein Objektiv beachten sollten.

Objektiv-Typen und ihre Unterscheidungskriterien

Generell lassen sich Objektive anhand ihrer Brennweite und Lichtstärke unterscheiden. Je nach Ausprägung dieser Parameter definieren sich auch die Einsatzgebiete der verschiedenen Objektiv-Typen. Im Folgenden werden die Objektivtypen und deren Unterschiede detaillierter erklärt.

Ausführliche grundlegende Informationen zur Brennweite und Lichtstärke finden Sie im Artikel: «Worauf muss man beim Objektivkauf achten».

Festbrennweiten- vs. Zoomobjektive

Festbrennweitenobjektive sind Objektive mit einer bestimmten Brennweite und ohne Zoommöglichkeit. Diese Objektive sind klein und kompakt. Dadurch haben sie ein geringes Gewicht im Vergleich zu anderen Objektivtypen und sind vergleichsweise günstig in der Anschaffung (ab ca. 110 CHF). Der grosse Vorteil von Festbrennweitenobjektiven ist die grosse Lichtstärke und die damit verbundene bessere Abbildungsqualität im Vergleich zum Zoomobjektiv. Ein Nachteil ist, dass man durch die feste Brennweite auf einen bestimmten Bildausschnitt festgelegt ist. Eine Veränderung des Ausschnitts ist nur durch die Verlagerung des Standortes des Fotografen möglich. Aufgrund der geringen Schärfentiefe sind Festbrennweitenobjektive unter anderem für die Portraitfotografie geeignet.

Das Zoomobjektiv mit seinem einstellbaren Brennweitenbereich ist dagegen ein echter Allrounder. Der Fotograf hat ein Objektiv für verschiedenste Situationen, die unterschiedliche Brennweiten erfordern (Portraitfoto vs. Landschaftsfoto) und dadurch einen grossen Gestaltungsspielraum. Für die höhere Flexibilität müssen Abzüge in der Abbildungsqualität im Vergleich zur Festbrennweite in Kauf genommen werden. Zoomobjektive sind z.B. weniger lichtstark als Festbrennweiten. Auch nimmt die Lichtstärke des Zoomobjektivs ab, je weiter die Brennweite in den Tele-Bereich verlagert wird. Besonders praktisch ist das Zoomobjektiv auf Reisen, da sich der Umfang des Fotogepäcks durch Wegfall von nicht extra benötigten Tele- und Weitwinkelobjektiven deutlich reduziert.

verschiedene Kamera-Objektive in einer Zusammenstellung

Die Spezialisten: Teleobjektiv, Weitwinkelobjektiv, Makroobjektiv

Neben der Einteilung in Festbrennweiten- oder Zoomobjektiv gibt es Objektive, die sich in ihren Eigenschaften von einem Standardobjektiv unterscheiden.

Teleobjektive haben eine grosse Brennweite (erhältlich im Brennweiten von 70 mm bis über 1000 mm). Sie sind sowohl als Festbrennweiten- als auch als Zoomobjektive erhältlich und dienen der Vergrösserung von weiter entfernten Objekten. Sie erzeugen eine geringere räumliche Tiefe als z.B. Weitwinkelobjektive, wodurch das Gefühl einer geringeren Entfernung zum Objekt entsteht und das Bild sich verdichtet. Zum Fotografieren mit einem Teleobjektiv ist auf Grund ihres hohen Gewichts meist ein Stativ notwendig. Zum Einsatz kommen diese Objektive z.B. in der Sport- und Tierfotografie.

Weitwinkelobjektive besitzen Brennweiten unter 50 mm und bieten bei gleichem Bildabstand einen grösseren Bildausschnitt als Standardobjektive. Sie werden zumeist als Zoomobjektiv angeboten und decken in verschiedenen Varianten einen Brennweitenbereich von 10 – 35 mm ab. Weitwinkelobjektive erzeugen bei gleichem Bildausschnitt mehr Tiefe als ein Teleobjektiv, wodurch Abstände zwischen einzelnen Objekten auf dem Bild besser herausgestellt werden können. Je geringer die Brennweite des Objektivs, desto stärker tritt der Effekt der Vignettierung (Verdunklung der Seitenränder) auf. Eingesetzt werden Weitwinkelobjektive unter anderem in der Landschaft- und Architekturfotografie.

Makroobjektive sind optimiert auf die Fotografie im Nahdistanzbereich und bilden die fotografierten Objekte im Abbildungsmassstab 1:2 oder 1:1 ab. Sie sind sowohl als Festbrennweiten- als auch als Zoomobjektiv in Brennweiten zwischen 40 – 200 mm erhältlich. Im Vergleich zum Standardobjektiv zeichnen sie sich durch eine geringere Naheinstellgrenze aus. Nachteile sind ihr hoher Preis und das relativ hohe Gewicht. Makroobjektive finden Einsatz in der Detailfotografie und bei Kleintieraufnahmen.

Der Panorama-Spezialist: Fischaugenobjektiv

Das Fischaugenobjektiv ist ein spezielles Objektiv aus dem Superweitwinkelbereich. Mit diesem können Sie Bildwinkel von bis zu 180° erreichen. Es biegt gerade Linie ausserhalb des Bildmittelpunktes nach aussen, wodurch ein rundliches Abbild entsteht. Es treten Effekte wie tonnenförmige Verzeichnung, Tiefendehnung und Deformation auf, die die Anwendung eines Fischaugenobjektivs vor allem im Bereich der Panoramafotografie reizvoll machen.

Meerblick vom Strand aufgenommen mit einem Fischaugenobjektiv

Objektiv-Hersteller

Bei der Auswahl eines Objektivs steht auch die Entscheidung für einen Hersteller an. Prinzipiell bieten die bekannten Kamera-Hersteller wie z.B. Canon, Nikon oder Olympus jeweils eigene Objektive für ihre Kameras an. Ausserdem existieren spezialisierte Objektiv-Hersteller wie z.B. Leica, Voigtländer oder Zeiss. Die herstellereigenen Objektive sind nur mit dem jeweiligen Kameraanschluss erhältlich. Bei den Objektiven der spezialisierten Hersteller kann man je Objektiv zwischen den verschiedenen Kameraanschlüssen wählen und den geeigneten Anschluss für seine Kamera heraussuchen.

Entscheidungshilfe bei der Objektivwahl

Als Abschluss möchten wir drei Kriterien aufführen, die Sie bei der Entscheidung für ein Objektiv berücksichtigen sollten, um auch ein geeignetes Objektiv für ihre Vorhaben zu erhalten. Zusätzlich dazu können Sie im Artikel «Worauf muss man beim Objektivkauf achten» auch einen Absatz zum Thema Preisspanne bei Objektiven finden.

Kameraanschluss

Wichtig bei der Auswahl eines Objektivs ist der jeweilige Kameraanschluss. Das am weitesten verbreitete Anschluss-Prinzip ist der Bajonett-Anschluss. Diesen gibt es in der jeweiligen Herstellermodifikation in verschiedenen Ausführungen. Beispielhaft sind in der untenstehenden Tabelle einige Bajonett-Anschlussvarianten aufgeführt. Informieren Sie sich unbedingt vor dem Kauf eines Objektivs, ob dieses mit Ihrer Kamera kompatibel ist.

HerstellerName des Bajonett-Anschlusses
CanonEF-Bajonett
NikonNikon-F, Nikon-1
PentaxK-Bajonett
OlympusFour-Thirds-Standard
SonyE-Bajonett

Neben den Bajonett-Anschlüssen existieren unter anderem bei älteren Kameras bzw. auch bei Kameras für Industriezwecke noch Schraubgewinde wie z.B. der herstellerübergreifende Standard M-42.

Einsatzbereich

Beim Kauf eines Objektivs ist es ebenfalls wichtig zu wissen, wofür dieses zum Einsatz kommen soll. Benötigt man einen Allrounder, sollte aus den oben genannten Gründen auf ein Zoomobjektiv zurückgegriffen werden. Möchte man einen Spezialisten, um noch mehr Bildqualität zu erhalten, dann ist einer der oben genannten speziellen Objektivtypen – je nach Einsatzbereich – zu empfehlen. Haben Sie bisher nur mit Zoomobjektiven gearbeitet und möchten nun austesten, was man in Bezug auf die Bildqualität noch herausholen kann, dann suchen Sie nach einem geeigneten Festbrennweitenobjektiv. Hier eignen sich zum Einstieg Festbrennweiten von 50 mm besonders gut.

Minimale Naheinstellung und Filtergewinde

Weitere zu beachtende Entscheidungskriterien sind die minimale Naheinstellung und das Filtergewinde.

Die minimale Naheinstellung – von den Herstellern oft als MOD (= minimale Objektdistanz) bezeichnet – ist der geringstmögliche Abstand zwischen dem Motiv und der vordersten Kameralinse. Möchten Sie vor allem im Bereich der Nahdistanzfotografie arbeiten, sollten Sie diese Angabe im Blick haben.

Tipp: Die minimale Nahdistanzeinstellung lässt sich durch die Verwendung von sogenannten Zwischenringen (zwischen Anschlussgewinde und Kamera) weiter optimieren.

Auf die Angaben zum Filtergewinde sollten Sie achten, wenn Sie sich zu ihrem bisherigen Objektiv bereits optische Filter angeschafft haben. Sofern bisheriges und neues Objektiv dasselbe Filtergewindemass haben, können Sie Ihre bisherigen Filter auch für das neue Objektiv nutzen.

Tipp: Durch die Verwendung von Filteradaptern ist es möglich unterschiedliche Filtergewindemasse auszugleichen. Diese können dazu verwendet werden grössere Filter an kleineren Gewinden anzuschliessen.

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