Klassischer Effekt der Infrarotfotografie

Infrarotfotografie mit Digitalkameras

Die Bildentstehung durch Infrarotfotografie ist ein exotisches Thema. Genau wie früher ist analoge Infrarotfotografie noch heute ein teures Hobby. Heutzutage gibt es kaum noch grosse Unternehmen, die Infrarotfilme herstellen. Für echte Fans der analogen Fotografie produzieren kleinere Hersteller noch Filme zum Infrarot-Fotografieren. Der Preis für einen Film bewegt sich etwa zwischen 8 CHF und 16 CHF. Daran kann man erkennen, dass es sich wirklich um eine Nische in der Analogfotografie handelt. Durch die Verwendung von Digitalkameras ist es möglich, das erzielte Ergebnis sofort zu betrachten und zu perfektionieren, ohne lange warten zu müssen.

Wellenlänge des Lichts

Spektrallinien des sichtbaren Lichts
Wichtigster Bestandteil in der Fotografie ist das Licht. Für den Menschen ist das der sichtbare Teil einer elektromagnetischen Strahlung, die eine Wellenlänge von etwa 380 nm bis 780 nm besitzt. Licht mit kürzerer Wellenlänge wird als UV-Strahlung (ultraviolette Strahlung) bezeichnet. Oberhalb von 750 nm befindet sich bereits die nahe Infrarotstrahlung.

Die Kamera sieht mehr als unser Auge

Der menschliche Sehapparat kann keine Infrarotstrahlen wahrnehmen. Bildsensoren von Digitalkameras sind dem Menschenauge in dieser Beziehung überlegen. Mit einer Empfindlichkeit bis zu einer Wellenlänge von über 1000 nm können sie weit bis in den Infrarotbereich „sehen“.  Darüber hinaus beginnt sich die Infrarotstrahlung in Wärmestrahlung umzuwandeln. Wärmebildkameras können beispielsweise Strahlung mit einer Wellenlänge von 3500 nm bis etwa 15000 nm darstellen. Die Infrarotfotografie spielt sich indes wesentlich näher am sichtbaren Bereich des Lichts ab.

Filter sind essentiell für die Infrarotfotografie

Fast alle heutigen Digitalkameras sind so gebaut, dass sie den für den Menschen sichtbaren Teil des Lichts möglichst real aufnehmen können. Deswegen besitzen die digitalen Kameras einen Infrarot-Sperrfilter, der Infrarotfotografie nicht unbedingt erleichtert, da er die langwelligere Strahlung zurückhält. Der Sperrfilter ist fest im Kamerainneren verbaut und lässt sich nicht ohne weiteres entfernen. Günstigere oder ältere Kameramodelle weisen zumeist einen nicht so effektiven Filter wie teurere Modelle auf.
Tipp:
Inwieweit sich eine Digitalkamera für Infrarotfotografie eignet, lässt sich ganz einfach mit einer IR-Fernbedienung testen. Beim Betätigen eines Knopfes der Fernbedienung emittiert die eingebaute Diode Infrarotstrahlung. Der Mensch kann kein Leuchten erkennen. Wird hingegen eine Digitalkamera vor die Diode gehalten und eine Taste auf der Fernbedienung gedrückt, kann auf dem Bildschirm der Kamera ein weisses Leuchten gesehen werden (insofern der IR-Sperrfilter nicht zu stark filtert). Je kürzer die Belichtungszeit der Kamera bei diesem Test ist, desto schlechter ist der IR-Sperrfilter und umso besser eignet sich die Digitalkamera somit für die Infrarotfotografie.

Wer sich trotz der Widrigkeiten entscheidet, infrarot zu fotografieren, benötigt einen Schwarzfilter. Dieser dichte optische Rotfilter lässt nur Infrarotstrahlen durch. Es gibt ihn in unterschiedlichen Ausführungen – je nachdem wie gross der Anteil an gefiltertem sichtbaren Licht sein soll. Zum Ausprobieren eignet sich aber auch ein Provisorium aus 1-2 Schichten unbelichtetem entwickelten Diapositivfilm, der lichtdicht vor der Objektivlinse angebracht ist. Gute Infrarotfilter beginnen bei einem Preis von etwa 50 CHF.

Je dichter der IR-Sperrfilter der Digitalkamera ist, desto länger müssen die Belichtungszeiten sein. Deshalb ist ein Stativ in der Infrarotfotografie in den meisten Fällen Pflicht. Auf den automatischen Fokus und Weissabgleich muss komplett verzichtet werden, da der Schwarzfilter keine Sensormessungen mehr zulässt. Um gute Infrarotbilder zu bekommen ist Geduld und viel Handarbeit nötig.

Manch einer besitzt noch eine ältere Spiegelreflexkamera, die ihr Dasein lediglich in einer Vitrine fristet. Wer sich traut, kann die Kamera konvertieren. Übersetzt heisst das, dass der eingebaute IR-Sperrfilter ausgebaut wird. Wie das genau funktioniert, erfahren Sie hier.

Wood-Effekt – Raureif im Sommer

Alle Objekte die mit Licht bestrahlt werden, reagieren mit einer Mischung aus Absorption und Reflexion. Beim Wood-Effekt scheinen grüne Blätter von Bäumen auf einer Infrarotaufnahme bei starkem Sonnenlicht sehr weiss.

Infrarotfotografie grüne Blätter weiss
An trüben Tagen kommt dieser Effekt wesentlich schwächer zu Geltung und die Aufnahme sieht insgesamt eher wie ein Schwarz-Weiss-Foto aus.
Bei Bewölkung funktioniert Infrarotfotografie nur bedingt
Im Infraroten Bereich erscheint das grüne Chlorophyll der Blätter transparent. Das langwellige Licht wird am Wasser reflektiert, welches sich in den Laubblättern befindet. Auf den Aufnahmen erstrahlen die Blätter dann in weiss bis leicht violett. Dieser Effekt ist nicht nur für uns Menschen schön anzusehen, sondern hat auch einen überlebenswichtigen Effekt für die Pflanzen selbst. Damit sie nicht dem Hitzetod erliegen, wird eine zu hohe Aufnahme des langwelligen Lichts (Wärmestrahlung) durch Reflexion verhindert.

Fazit

Infrarotfotografie ist keine Erfindung der Digitalfotografie. Dennoch ist es wesentlich komfortabler diesen Effekt mit einer digitalen Kamera als mit einer analogen hervorzurufen. Durch die langen Belichtungszeiten, die wiederum zu Rauschen auf den Aufnahmen führen können, und dem eingebauten IR-Sperrfilter benötigt es für tolle Bilder schon ein wenig handwerkliches Geschick. Die digitale Infrarotfotografie sorgt jedenfalls für tolle Bilder und beeindruckende Farben.

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