HDR-Bild Klöntal, Kanton Glarus, Schweiz

Ein HDR-Bild aus einer Belichtungsreihe erstellen

Bei kontrastreichen Motiven stossen viele Kameras an ihre Grenzen. Wer schon einmal aus dunklen Räumen hinaus ins Tageslicht fotografiert hat oder versuchte, Objekte vor einem sehr hellen Himmel abzubilden, kennt das Problem. In unserem Artikel Dynamikumfang in der Fotografie – HDR-Bilder haben wir gezeigt, woran das liegt.

Obwohl der menschliche Sehapparat ein Wunder der Natur ist, umfasst er längst nicht den gesamten Dynamikbereich des sichtbaren Lichts. Dieses Verhältnis zwischen dunklen und hellen Bereichen übersteigt bei weitem auch den abbildbaren Bereich gedruckter oder auf Monitoren angezeigter Bilder. So kommt es, dass Monitore und Kameras nur einen gewissen Spielraum im Dynamikumfang aufweisen. Fotografen können also nur einen Teil der Informationen aufnehmen, die sie eigentlich sehen. Zumindest in der digitalen Fotografie kann der dynamische Bereich eines Fotomotivs künstlich vergrössert bzw. verlängert werden.

Einige Fotografen haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Fotografien der menschlichen Wahrnehmung grösstmöglich anzunähern. Da es noch keine marktreifen, geschweige denn kosteneffizienten HDR-Kameras gibt, behilft man sich mit Belichtungsreihen. Im Folgenden haben wir ein kleines HDR-Bilder-Tutorial zusammengestellt. Probieren Sie aus, wie einfach Sie selbst tolle HDR-Bilder produzieren können.

Der Dynamische Bereich digitalisiert

HDR-Bilder sind Bilder mit einem sehr hohen dynamischen Bereich bzw. Motivkontrast. Durch die realitätsnähere Abbildung eröffnen sich neue Möglichkeiten, da der Dynamikbereich der sichtbaren Welt grösstenteils eingefangen werden kann. Im Prinzip wird versucht, Dynamikbereiche aus mehreren unterschiedlich belichteten Fotografien übereinander zu legen, um einen nahezu vollständigen Motivkontrast zu erlangen. Die meisten Informationen (z.B. Farbabstufungen oder Kontrastdifferenzierungen) enthält die Farbdarstellung (auch Farbtiefe genannt) Deep Color. In der professionellen Fotografie wird darauf zurückgegriffen, weil sie die meisten Farbnuancen abbilden kann. Zum Vergleich: True Color hat eine Farbtiefe von 24-bit, das entspricht 16.777.216 Farbnuancen. Dagegen ermöglicht Deep Color eine Farbdarstellung ab 30-bit von 1,07×109 ­Farben. Allerdings können gewöhnliche Monitore nur 24-bit darstellen. Im RGB-Farbraum stehen je Kanal 8-bit zur Verfügung (R G B = 3 x 8 = 24-bit). HDR-Bilder können auf diesen Monitoren gar nicht wiedergegeben werden. Dazu greifen Grafikprogramme auf sogenannte Tone-Mapping-Operatoren zurück. Auf die genaue Funktionsweise soll an dieser Stelle allerdings nicht eingegangen werden.

Die Belichtungsreihe für das spätere HDR-Bild

Belichtungsreihe Thun vom Schloss aus ©Daniel Moser/Flickr (CC BY 2.0)

Belichtungsreihen zum HDR-Bild zusammenfügen

Wie bereits erwähnt, eignet sich Photoshop für die Erzeugung von HDR-Bildern recht gut. Schon in der mittlerweile kostenfreien Photoshop-Version CS2 befindet sich das Tool, um HDR-Bilder zu erzeugen und zu optimieren. Voraussetzung für die Arbeit am Computer sind natürlich einwandfreie Aufnahmen. Folgendes müssen Sie beachten, wenn Sie Fotos aufnehmen, die dann mit „Zu HDR zusammenfügen“ in Photoshop kombiniert werden sollen.

Bei den unterschiedlichen Belichtungsreihen ist ein Stativ von enormer Wichtigkeit. Es sorgt dafür, dass sich das Aufnahmefeld nicht ändert. Ein Fernauslöser ist sehr zu empfehlen, um keine Erschütterungen zu erzeugen. Das Zusammenfügen der Bilder im Nachhinein funktioniert nur, wenn alle Bilder exakt dieselbe Szene zeigen.

Je nach Dynamikumfang der Szene (z.B. sehr hell und sehr dunkel) sind hinreichend viele Bilder mit ganz unterschiedlichen Belichtungsstufen notwendig. Dabei sind mindestens drei Bilder erforderlich – Wir empfehlen aber fünf bis sieben Bilder, um ein schönes Ergebnis zu erzielen.

Bei gleichbleibender Blende braucht nur die Verschlusszeit reguliert zu werden, um unterschiedlich stark belichtete Aufnahmen zu erhalten. Eine Änderung der Blende beeinflusst die Tiefenschärfe, was zu geringeren Ergebnissen führen kann. Auch die ISO-Werte sollten unberührt bleiben, um Rauschen und Vignettierungen zu vermeiden.

Die Belichtungsreihenfunktion der Kamera sollte nicht zum Einsatz kommen, da die Belichtungsunterschiede im Allgemeinen zu gering sind.

Zur Orientierung: Ein oder zwei EV-Schritte (EV = Exposure Value = Lichtwert) bzw. bis zu umgerechnet zwei Blendenwerte sollte der Belichtungsunterschied betragen.

Die Beleuchtungsverhältnisse sollten beibehalten und nicht etwa mit einem Blitz zwischendurch geändert werden.

Bilder am PC zum HDR-Bild zusammenfügen

Wir gehen wie auf den folgenden Bildern vor:

Zu HDR-Bild zusammenfügen mit Photoshop CS2

(Quelle: Screenshot)

Nach dem Photoshop geöffnet ist, befindet sich unter Datei → Automatisieren das Feld „Zu HDR zusammenfügen…“. Beim Anklicken öffnet sich folgende Maske:

Unter „Durchsuchen...“ werden die einzelnen Aufnahmen aus dem jeweiligen Ordner ausgewählt.

(Quelle: Screenshot)

Unter „Durchsuchen…“ werden die einzelnen Aufnahmen aus dem jeweiligen Ordner ausgewählt. Photoshop kann Dateiformate wie Photoshop (PSD, PSB), Radiance (HDR), Portable Bit Map (PBM), OpenEXR und TIFF verarbeiten. Die folgende Maske sieht dann in etwa so aus:

HDR-Bild: Maske mit ausgewählten unterschiedlich belichteten Aufnahmen

(Quelle: Screenshot)

Hier sind noch einmal alle Dateien zusammengestellt, die zu einem HDR-Bild zusammengefügt werden sollen. Durch „OK“ wird der Vorgang eingeleitet:

Das HDR-Bild wird in Photoshop erzeugt

(Quelle: Screenshot)

Im Anschluss können noch kleine Anpassungen vorgenommen werden. Da ein HDR-Bild Kontraststufen enthält, die Standard-Monitore nicht abbilden, wird die HDR-Vorschau mit Hilfe von Algorithmen (Tone Mapping) heruntergerechnet. Das Bild wirkt insgesamt dennoch deutlich detailreicher als im Vergleich ein einfach belichtetes Motiv.

Das fertige HDR-Bild – Auch die Berge im Hintergrund sind gut zu erkennen

Thun vom Schloss aus ©Daniel Moser/Flickr (CC BY 2.0)

HDR-Bilder zeichnen sich durch einen hohen Helligkeitskontrast aus. Mittels Algorithmen (Tone Mapping) werden die Bilder heruntergerechnet. Durch die HDR-Technik erwachen Fotos mit satteren Farben, mehr Details und helleren Bildern quasi zum Leben. Sie können viel besser das wiedergeben, was der Betrachter einst gesehen und eingefangen hat. Selbst bei strahlendem Sonnenschein sind im Schatten noch feine Zeichnungen und Details zu erkennen. Im Gegensatz zu einigen teuren Fernsehern können viele Monitore den Dynamikumfang der HDR-Bilder aber noch gar nicht abbilden.

 

Header Image Credit: ©Wendelin Jacober/Flickr