Weitwinkelobjektiv

Alle Objektive mit einer Brennweite von weniger als 50 Millimetern werden der Klasse der Weitwinkelobjektive zugeordnet. Hat ein Objektiv eine Brennweite von 20 mm oder weniger, spricht man von einem Superweitwinkelobjektiv. Die extremste Form von Weitwinkelobjektiven sind Fischaugenobjektive. Diese haben eine Brennweite von 16 mm und ermöglichen einen Bildwinkel von annährend 180 Grad.

Die Brennweiten der Objektive beeinflussen den Aufnahmewinkel direkt, bei Weitwinkelobjektiven ist dieser Aufnahmewinkel vergleichsweise gross. Dies ermöglicht die Abbildung grosser Bildausschnitte.

Weitwinkelobjektive bestehen aus mehreren verschiedenen Linsenarten. Durch dieses komplexe Zusammenspiel unterschiedlicher Linsen wird versucht, Bildunreinheiten auszugleichen. Bei zunehmender Winkelgrösse werden nämlich Bildunreinheiten wie verschwommene Ränder, Reflexionen und Verzerrungen zum zunehmenden Problem.

Neben diesen Herausforderungen und dem weiten Aufnahmewinkel besitzen Weitwinkelobjekte noch weitere Eigenschaften, die man als Fotograf kennen und beachten sollte. Bei Fotografien, die mit einem Weitwinkelobjektiv aufgenommen wurden, erscheinen die vorderen und hinteren Bildebenen weit voneinander entfernt. Dieser Effekt entsteht, da weiter entfernte Objekte übermässig stark verkleinert dargestellt werden.

Bei der Verwendung von Weitwinkelobjektiven ist es wichtig, die Kamera möglichst waagerecht zu halten. Neigt man die Kamera nach oben oder unten, entstehen sogenannte stürzende Linien. Die im Bild befindlichen vertikalen Linien laufen dann aufeinander zu. Dieser Effekt kann aber auch für kreative Bildgestaltung genutzt werden. Möchte man ihn vermeiden und trotzdem einen höheren oder tieferen Aufnahmepunkt wählen, so sollte man in die Hocke gehen oder von einer erhöhten Stelle aus fotografieren.

Des Weiteren entsteht beim Fotografieren mit Weitwinkelobjektiven eine grosse Schärfentiefe, die selbst bei grosser Blende die Bildebenen scharf erscheinen lässt. Dies ermöglicht es, ein einzelnes Objekt oder eine Person in den Fokus zu rücken, ohne Unschärfe auf anderen Bildebenen zu riskieren. Stilistisch ist es empfehlenswert, bei Aufnahmen mit Weitwinkelmotiven ein Objekt als Fokuspunkt zu nutzen. Durch den grossen möglichen Bildausschnitt entstehen ohne Fokusobjekt häufig aussagelose Aufnahmen.

Da Weitwinkelobjektive häufig in der Landschaftsfotografie eingesetzt werden, spielt Sonneneinstrahlung in der Bildgestaltung eine grosse Rolle. Lichtpunkte und Sonnenreflexionen kann man mit einer Gegenlichtblende vermeiden, allerdings darf diese die Bildränder des weiten Objektivs nicht beeinflussen.

Neben Aussenaufnahmen kommen Weitwinkelobjektive auch bei der Immobilienfotografie zum Einsatz. Durch den weiten Bildwinkel ist es möglich, grössere Teile eines Zimmers aufzunehmen. Dadurch entstehen weitaus aussagekräftigere Bilder als beispielsweise mit einem Normalobjektiv.