Belichtungsautomatik

Anders als analoge Fotoapparate besitzen moderne Spiegelreflexkameras eine Belichtungsautomatik (engl. AE = Automatic Exposure). Diese automatische Belichtungssteuerung funktioniert durch die Koppelung von Blende und Verschluss, welche massgeblich Lichtintensität bzw. Belichtungsdauer beeinflussen. Genau diese zwei Parameter ergeben die Belichtung eines Bildes. Anders ausgedrückt ist die Belichtung das Produkt aus Lichtintensität und Belichtungsdauer: Belichtung = Lichtintensität x Belichtungsdauer.

Werden in der analogen Fotografie Blende und Verschluss manuell angepasst, ermöglicht die digitale Fotografie die Wahl von Belichtungsautomatiken. Diese Automatiken sind besonders für Benutzer gedacht, die einfach auf den Auslöser drücken wollen und sich nicht tiefergehend mit der Belichtungsmessung ihrer Kamera auseinandersetzen möchten. Grundsätzlich können drei Typen differenziert werden:

Blendenautomatik

Am Betriebsartenwähler: S/Tv kurz für: Shutter priority / Time value
Verschlusszeit wird vorgewählt – Blende wird automatisch eingestellt

Bei der Blendenautomatik, auch Zeitvorwahl oder Belichtungspriorität genannt, muss die Belichtungszeit durch den Fotografen vorgewählt werden. Der integrierte Belichtungsmesser der Kamera stellt dementsprechend die Öffnung der Blende ein. Die Blendenautomatik wird gerne dazu genutzt, Dynamik und die Konturschärfe einer Aufnahme zu beeinflussen. Auf den meisten Betriebsartenwählern wird dieser Modus über S oder Tv angewählt.

Zeitautomatik

Am Betriebsartenwähler: A/Av kurz für Aperture priority / Aperture value
Blende wird vorgewählt – Verschlusszeit wird automatisch eingestellt

Auch als Blendenpriorität oder Blendenvorwahl bezeichnet, gibt der Fotograf den Lichtdurchlass durch das Objektiv bei der Zeitautomatik vor. Diesen regelt er über die Arbeitsblende. Der Belichtungsmesser der digitalen Kamera bestimmt dann die geeignete Belichtungszeit für das Motiv.

Die Blende ist ein fotografisches Gestaltungsmittel mit Einfluss auf Belichtungszeit und Schärfentiefe. In der Portraitfotografie werden Personen besonders dann hervorgehoben, wenn der Hintergrund unscharf erscheint. Dafür sollte die Blendenzahl klein gewählt werden (z. B. 1,4 oder 2,0), damit die Blende möglichst weit offensteht. Die Blendenzahl ist ein relativer Wert, der sich aus dem Quotient aus Brennweite und dem Durchmesser der Eintrittspupille an der Kamera ergibt.

In der Landschaftsfotografie wählt man eine hohe Blendenzahl (z. B. 16 oder 22) um einen grossen Bereich möglichst scharf zu stellen. Die Blendenöffnung ist dann nur sehr klein.

Programmautomatik

Am Betriebsartenwähler: Vollautomatik P
Blende und Verschlusszeit werden bei der Programmautomatik von der Kamera automatisch gesteuert.

Dieser beliebte Modus wird gerne für die Aufnahme von Schnappschüssen und Situationen verwendet, in den wenig Zeit für Einstellungen an der Kamera bleibt. Entsprechend der Belichtungsmessung eines Motives stellt die Kamera die benötigte Belichtungszeit und Blendenöffnung automatisch ein. Je nach Kameramodell unterscheiden sich die Programmautomatiken zum Teil deutlich in den Arbeitsweisen. Das mitgelieferte Handbuch kann im Allgemeinen Aufschluss darüber geben.

Technisch versierte Amateur- und Profifotografen widmen sich gerne der Fotografie im manuellen Modus „Manuell M“, weil sich auf diese Weise die Schwächen der Belichtungsautomatik umgehen lassen. Kameras mit Automatiken haben zum Beispiel zum Teil grosse Probleme damit, reproduzierbare Bilder, also erneut das gleiche Motiv mit den gleichen Einstellungen, zu erzeugen oder den richtigen Weissabgleich zu treffen. Das zeigt sich gut bei Hochzeitsaufnahmen von Braut und Bräutigam. Je nach Berechnung des Lichtmessers kann es passieren, dass der schwarze Anzug dunkelgrau erscheint (Schwarzwert zu hell) oder das Brautkleid einen Graustich (Weisswert zu dunkel) bekommt.