Spiegellose Systemkameras

Systemkamera ist eine alte Bezeichnung für eine Kamera, an der man unterschiedliches Zubehör, wie verschiedene Objektive oder System-Blitzgeräte, anbringen kann. Systemkameras zeichnet also die Eigenschaft austauschbarer Komponenten aus. Nun gehören zu dieser Definition nicht nur digitale Spiegelreflexkameras (DSLR), sondern auch spiegellose (digitale) Kameras mit Wechselobjektiv (MILC = mirrorless interchangeable-lens camera).

Im Gegensatz zu dieser Definition wird der Begriff Systemkamera im allgemeinen Sprachgebrauch meist in Abgrenzung zu digitalen Spiegelreflexkameras benutzt. Er steht also synonym für digitale spiegellose Kameras. In den letzten Jahren sind immer mehr Kameras dieser Bauart auf den Markt gekommen. Mittlerweile gibt es spiegellose Systemkameras in allen denkbaren Varianten.

Allen gemein ist die Eigenschaft, dass sie ohne umklappenden Spiegel und Prisma-Sucher auskommen. Hieraus ergeben sich mehrere Vorteile. Durch das Wegfallen der Bauteile erscheint die Kamera viel kompakter und leichter. Das fehlende Pentaprisma für den Sucher ermöglicht eine niedrigere, der fehlende Spiegelkasten eine schmalere Bauweise. Die Spiegellosen Systemkameras können ausserdem durch die schnelle Reaktionszeit punkten. Teilweise übertrumpfen sie darin sogar professionelle DSLRs. Es gibt Modelle, die bis zu 60 Bilder pro Sekunde aufnehmen.

Durch die vielfältigen Ausstattungsmerkmale ist es nicht leicht, spiegellose Systemkameras einzuordnen. Technisch gesehen, schliessen sie die Lücke zwischen Kompaktkameras / Bridgekameras und APS-C Spiegelreflexkameras. Allerdings werden die digitalen MILCs mit zahllosen Sensorgrössen angeboten. Diese reichen vom CX-Format (beispielsweise Nikon J3, S2, AW1, …) bis hin zum Mittelformat (Hasselblad X1D). Letzteres Sensorformat sticht sogar noch das Kleinbildformat professioneller digitaler Spiegelreflexkameras, obwohl das Gehäuse kleiner als das der meisten dieser Kleinbildkameras ist.

Beim Fotografieren sind spiegellose Systemkameras vergleichsweise geräuscharm, da kein Spiegel umklappt. Die Technologie arbeitet ausserdem verschleissfreier und ist dadurch langlebiger. Zudem können leichtere und kürzere Objektive zum Einsatz kommen, wodurch sich das Gewicht des Zubehörs deutlich reduziert. Die Einstellmöglichkeiten gehobener Modelle können bis in den Profi-Bereich langen. Die technischen Gegebenheiten begünstigten auch Videoaufnahmen.

Dagegen hat die kompakte Bauweise nicht nur Vorteile. Menschen mit grossen Händen finden hin und wieder keinen richtigen Griff an der Kamera und die Bedienelemente sind oft zu klein. Ausserdem kann die Ergonomie auch dadurch getrübt werden, dass grössere Objektive den Schwerpunkt der leichten Kamera sehr weit nach vorne verlagern. Zudem liegen die Preise für spiegellose Systemkameras zum Einsatz in der (semi-)professionellen Fotografie meist über denen vergleichbarer DSLR-Modelle.