Street Art belebt urbane Räume und findet immer mehr Begeisterte

Street Art – Motivwahl

Was früher und teilweise auch heute noch von einigen Leuten als Schmiererei an Häuserfassaden, Bahnhofsgebäuden und Stromkästen empfunden wurde, stellt heute eine eigene Form der Kunst dar: die Street Art. Wer sich mit offenen Augen durch die Strassen der Grossstädte dieser Welt bewegt, wird auf die verrücktesten Motive stossen. Natürlich fällt nicht jede Graffiti-Signatur in die Kategorie der «nichtkommerziellen Kunst im öffentlichen Raum». Von überlebensgrossen Portraits über verzerrte Karikaturen bis hin zu abstrakten Gebilden und Schriftzügen kann Street Art unzählige Gesichter haben. Zunehmend wird sie als Bereicherung des oft grauen und eintönigen Grossstadt-Dschungels gesehen, statt als Verschmutzung des öffentlichen Raumes.

Bei den verschiedenen Ausprägungen von Street Art unterscheiden sich mehrere Stile und Techniken.

Wir zeigen Ihnen 6 der typischsten und ausgefallensten Techniken, nach denen Sie bei Ihrem nächsten Städtetrip unbedingt Ausschau halten sollten.

Ad-Busting

Jeder hat vermutlich schon einmal ein Werbe- oder Wahlplakat gesehen, dass mit kleinen Ergänzungen oder bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet worden ist. Sofern es sich nicht nur um Schmierereien mit dem Kugelschreiber handelt, die schnell im Vorbeigehen hinterlassen wurden, handelt es sich um Ad-Busting. Diese Stilart wird besonders zur provokativen Entfremdung von Werbung im öffentlichen Raum genutzt. Dabei werden Plakate überklebt oder bemalt, um die eigentliche Message ins Gegenteilige oder Lächerliche zu ziehen. Ad-Busting steht ganz im Zeichen der Kritik an Werbung und Medien und wird schon seit über 40 Jahren von Street Art Künstlern praktiziert.

Cut-Out

Neben ausgefallenen grossflächigen Motiven, die man in verschiedenster Form im öffentlichen Raum findet, sind Cut-Outs oft erst auf den zweiten Blick zu entdecken. Diese stellen lediglich einen bestimmten Ausschnitt eines Motivs dar und werden nahezu heimlich ins Stadtbild integriert. Die meist schwarz-weissen Motive können von Tieren über Menschen bis zu Gegenständen jede Gestalt annehmen. So sieht man beispielsweise nur die Hände einer Figur, die aus einem Briefkasten klettern will oder die Augen eines Tieres, dass durch einen Spalt in der Mauer die Passanten zu beobachten scheint.

Eine kleine Figur scheint aus dem Strassenschild zu steigen

Sticker

Möchte man seine eigene Signatur oder sein persönliches Logo möglichst weit im urbanen Raum verbreiten, sind Sticker eine beliebte Möglichkeit und eine weitverbreitete Street Art Technik. Ein kurzer Slogan oder ein einprägsames Motiv lassen sich preisgünstig vervielfältigen und ohne grossen Zeitaufwand einfach an sämtlichen Flächen anbringen. Statt die Sticker drucken zu lassen, greifen viele Künstler auch auf gut klebende Päckchenaufkleber zurück. Diese werden dann mit Schablonen, Farbstiften oder Stempeln abstrakt gestaltet und an Bushaltestellen, Strassenschildern, Briefkästen und Ähnlichem platziert.

Roll-On

Besonders für grossflächige Motive wird die Roll-On Technik verwendet. Wie der Name bereits vermuten lässt, wird hierbei das Kunstwerk mit Farbrollen an die Wand gebracht. Mit Hilfe von Teleskopstangen können auch schwer erreichbare Stellen an Brücken und Häuserfassaden erreicht werden. Da präzise Motive mit einer Farbrolle schwer zu gestalten sind, werden mit dieser Technik vorwiegend kurze und prägnante Slogans oder Sprüche in grossen Lettern aufgetragen.

Grosse Schriftzüge werden meistens mit Farbrollen an die Wand gebracht

Urban Knitting

Eine sehr schräge und eher seltenere Ausprägung von Street Art ist das Urban Knitting. Hierbei werden Autos, Strassenlaternen, Stromkästen und Ähnliches mit auffälligen Strickelementen versehen oder komplett eingehüllt. Da diese Technik, je nach Ausmass der gestrickten Elemente, äusserst aufwändig ist, schmuggelt sie sich eher selten ins Stadtbild. Findet man dennoch ein Urban Knitting auf seinem Weg, ist dies definitiv einen Schnappschuss wert.

Mural

Riesige Bilder an tristen Häuserfassaden werden als Murals bezeichnet. Sie beeindrucken besonders durch ihre enorme Grösse und sind im Gegensatz zu vielen anderen Street Art Formen in der Regel legal. Für die gezielte Gestaltung grosser, farbloser Flächen an Gebäuden, Brücken und Mauern erhalten in vielen Metropolen immer öfter Street Art Künstler die Möglichkeit, ihre faszinierenden Werke zur Schau zu stellen. Einige Murals haben somit in ihrer Stadt bereits Kultcharakter erlangt und zählen zu den örtlichen Sehenswürdigkeiten.

Ein bekanntes Mural in Berlin

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