Die Sofortbildkamera – Retro-Charme kombiniert mit moderner Fototechnik

Ein Blitz, ein kurzes Surren und dann das spannungsvolle Warten bis zum entwickelten Bild. Sofortbildkameras haben sich ihren Charme im Zeitalter der digitalen Fotografie erhalten. Heute begeistern Sie nicht nur Nostalgiker, denn dank moderner Technik sind sie durchaus alltagstauglich. Wir stellen das Kultobjekt vor und geben Tipps zum Kauf und Gebrauch.

Die Polaroid-Kamera – Ein Stück Fotografie-Geschichte

In der vordigitalen Zeit waren Fotos, die nicht erst im Labor entwickelt mussten eine kleine Sensation. Die Idee der Sofortbildkamera geht auf den Physiker Edward Land zurück, der 1948 das erste Modell entwickelte und seinem Unternehmen Polaroid zu internationaler Bekanntheit verhalf. Das Polaroid-Foto, charakteristisch mit dem weissen Bildrand, stand stellvertretend für ein ganzes Produktsegment.
Die eigentliche Neuerung war aber nicht die Kamera an sich, sondern der von Land entwickelte Trennbildfilm. Mit dem Herausziehen des Films aus dem Kameraschlitz wurde dieser durch zwei Walzen geschoben, die eine Entwicklerpaste zwischen Positiv und Negativ verteilten. Nach circa 30 bis 60 Sekunden zog man das Positiv vom Negativ ab, um nun das fertig entwickelte Foto zu betrachten. Der später in den siebziger Jahren entwickelte Integralfilm vereinte alle benötigten Filmbestandteile, so dass das Positiv nicht mehr vom Negativ getrennt werden musste. Die Nachteile beider Verfahren lagen auf der Hand – die fertigen Fotos liessen sich weder speichern noch reproduzieren.

Polaroid Land Kamera liegt auf einem Tisch

Mit der Digitalisierung der Fotografie galten Sofortbildkameras schliesslich als nicht mehr zeitgemäss. So konnten Fotos nun direkt nach dem Aufnehmen auf dem Display betrachtet und beliebig vervielfältigt werden. Im Jahr 2008 ging Polaroid Konkurs und stellte die Produktion von Filmen ein. Von einigen Anhängern der Polaroid-Kamera wurde daraufhin das Unternehmen „Impossible“ gegründet, das bis heute kompatible Analogfilme produziert.

Fotos mit Unikat-Charakter

Der digitalen Fotografie ist es gleichzeitig zu verdanken, dass die Sofortbildkamera in den letzten Jahren ein Revival erlebte. In Zeiten, in denen hunderte digitaler Bilder auf Speicherkarten oder Festplatten lagern, wird die haptische Erfahrung mit Fotos wieder relevant. Vor allem bei Feierlichkeiten gibt es schliesslich oft diese besonderen Momente, die man sofort, auf einem Foto verewigt, in den Händen halten und herumzeigen möchte. Hier kommt die Sofortbildkamera zum Einsatz. Durch sie entstehen Bilder, die man gleich anfassen, an die Wand pinnen oder in das Gästebuch der Party kleben kann. Auch zum Dekorieren sind sie wunderbar geeignet.

Ein Blumenstrauss dekoriert mit Sofortbildern

Da sich analoge Fotos nicht so einfach vervielfältigen lassen, hat jedes Bild seinen eigenen, einzigartigen Wert.

Sofortbild-Foto mit weissem Rand

Diesen Unikat-Charakter wissen nicht nur Hobbyfotografen, sondern auch Foto-Künstler zu schätzen. Ersterer wird zusätzlich verstärkt durch die Anfälligkeit analoger Filme für Licht und Wärme. Besonders bei diffusem Licht erhält das Foto einen Farbstich.

Funktionsweise aktueller Modelle

Während die Handhabung der Kult-Kamera für Einige eher umständlich ist, ist sie für Andere ein Teil des „Nostalgie-Erlebnisses“. So muss zunächst ein zum verwendeten Modell kompatibler Film eingelegt werden. Dieser wird separat zur Kamera gekauft. Nachdem das Foto aus der Kamera herausgekommen ist, legt man es bei der analogen Variante auf eine ebene Fläche und wartet, bis nach wenigen Minuten Farben und Formen sichtbar werden. Im Gegensatz zu den analogen Modellen entstehen Fotos bei der digitalen Variante nicht durch einen chemischen Prozess, sondern durch einen integrierten Thermodrucker. Durch diesen tritt das Bild fertig entwickelt aus der Kamera. Im Gegensatz zur analogen Variante lassen sich Fotos bei den digitalen Kameras ausserdem auf einer internen Speicherkarte sichern und reproduzieren.

Analog oder digital?

Die meisten analogen, bzw. digitalen Modelle haben heute eine kompakte Grösse, die nur noch wenig an das etwas klobige Format der ursprünglichen Polaroid-Kamera erinnert. Mittlerweile sind auch viel mehr Funktionen hinzugekommen.

Günstige analoge Modelle, wie die Fujifilm Instax Mini 8, gibt es schon ab einem Preis von ca. 70 CHF. Charakteristisch für die Kamera ist die sogenannte High-Key Belichtung, durch die der Bildhintergrund aufgehellt, bzw. weicher dargestellt werden kann. Durch das analoge Verfahren werden bewegliche Motive allerdings meist unscharf und weniger detailreich abgebildet. Den zugehörigen Fujifilm Instax Mini Film (2×10 Blatt ab 25 CHF) gibt es zudem nur im Visitenkartenformat (62sx46 mm). Wer jedoch eine Sofortbildkamera nur gelegentlich oder für die nächste Party braucht, ist mit der Fujifilm Instax Mini 8 dennoch sehr gut beraten.

Echte Fotografie-Nostalgiker können die ursprünglichen Polaroid-Kameras in den gängigen Online-Portalen im gebrauchten Zustand erwerben, so zum Beispiel die Polaroid Supercolor 635 (gesehen bei Ebay ab 63 CHF) oder die Polaroid SX-70 (gesehen bei Ricardo ab 89 CHF). Dank der kompatiblen Analogfilme von „Impossible“ lassen sich auch heute noch echte Polaroid-Bilder im typischen Retro-Look aufnehmen. Zu beachten ist, dass die aktuell produzierten Impossible-Filme eine Wartezeit von mindestens 30 Minuten brauchen bis das Bild fertig entwickelt ist. Durch eine neu entwickelte Beschichtung sind sie aber auch weniger lichtempfindlich. Der Film ist in 8-Blatt-Einheiten für rund 21 CHF erhältlich.

Die Sofortbildkamera Polaroid Supercolor 635 in einem Schrank zwischen Kleidung.

Wahre Fans erwerben die „I-1 Impossible“ (ab ca. 300 CHF), die eigens von dem niederländischen Unternehmen entworfen wurde und an das Design der ersten Polaroid des Jahres 1948 angelehnt ist. Die Kamera verfügt über eine Bluetooth-Schnittstelle mit der sie an ein iOS Gerät angeschlossen werden kann. Über eine App lassen sich die Belichtungszeit, die Blende und der Blitz steuern.

Inzwischen hat sich auch Polaroid mit der Produktion digitaler Sofortbildkameras wieder am Markt positioniert. Auf der integrierten Speicherkarte werden Fotos zunächst gesichert. Anschliessend kann ausgewählt werden, welche Bilder gedruckt werden sollen. Dazu liefern digitale Modelle, wie etwa die Polaroid Snap (ab ca. 125 CHF) vergleichsweise mehr Detailtreue. Bildschärfe und Farbigkeit reichen dennoch nur an das Niveau eines günstigen Smartphones. Das benötigte Zink-Fotopapier wird in Einheiten von 50 Blatt (à 2×3 Zoll) zu einem Preis von rund 36 CHF verkauft. Neben einem Selbstauslöser mit Selfie-Funktion kann man zwischen verschiedenen Bildeffekten auswählen, darunter finden sich auch die klassischen Polaroid-Ränder.

Fazit

Moderne analoge und digitale Sofortbildkameras erreichen kaum die Bildqualität konventioneller Kameras. Sie überzeugen aber mit ihrer Kompaktheit sowie vielen neuen Funktionen. Dazu liefern sie den gewissen Spassfaktor beim Fotografieren, den kaum ein anderer Kameratyp mit sich bringt.