Durch die Baumwipfel fallendes Sonnenlicht macht die Lichtstimmung magisch

Lichtverhältnisse optimal nutzen – Welches Licht sorgt für schöne Fotos?

Für das menschliche Auge ist Licht mit einer Wellenlänge zwischen ca. 380 bis 780 Nanometern sichtbar. Die Wellenlänge des Lichts bestimmt dabei die Farbe, die die meisten Menschen wahrnehmen. In der Fotografie sind darüber hinaus Lichtintensität, Polarisation und Beleuchtungsrichtung von grosser Bedeutung. Die Richtung des Lichts und die Farbtemperatur variieren dabei abhängig von Tageszeit, Wetter, Jahreszeit, Verschmutzung der Luft und geographischer Lage.

„Goldene Stunde“, „Blaue Stunde“, weiches oder hartes Licht, Vorder-, Seiten- und Gegenlicht – Wir geben Ihnen einen Überblick über unterschiedliche Lichteigenschaften, die für die Fotografie Relevanz besitzen.

Lichtstimmung

Abhängig von der Farbtemperatur des verfügbaren Lichts kann die Farbwiedergabe des Fotomotivs völlig unterschiedlich sein. Die Atmosphäre beeinflusst das auf der Erde ankommende Sonnenlicht so, dass abhängig von Bewölkung, Luftfeuchtigkeit, Luftverschmutzung und ähnlichen Faktoren bestimmte Wellenlängen des Lichts absorbiert werden. Je tiefer die Sonne dazu steht, desto grösser ist zudem die Distanz, die das Licht zur Erdatmosphäre zurücklegen muss.

Bei tiefem Sonnenstand werden zuerst die blauen Anteile des Lichts absorbiert. Das verbleibende Licht hat dann einen hohen Rotanteil, wirkt warm und schmeichelhaft. Rötliche Sonnenauf- und Untergänge und die warmen Farben am Abend sowie am Morgen resultieren aus diesem hohen Rotanteil. In der sogenannten „Goldenen Stunde“ lassen sich besonders schöne Fotos aufnehmen. Durch das warme Licht werden Farben intensiviert, Schatten konturreicher und Hauttöne schimmern.

Im Abendlicht sieht der Himmel tiefrot aus – Vögel und Bäume wirken schwarz

Im Abendlicht sieht der Himmel tiefrot aus – Vögel und Bäume werden nur noch als Schatten wahrgenommen | Quelle: Gerd Gropp

Wird es noch etwas dunkler, folgt die „Blaue Stunde“. Nach Sonnenuntergang – wenn die Atmosphäre die entsprechenden Bedingungen bietet – leuchtet die Umgebung in königsblau. Besonders Motive, die mit Kunstlicht beleuchtet sind, lassen sich trotz des geringen Restlichts am Himmel noch sehr gut ablichten. Es ist empfehlenswert, ein Stativ zu nutzen und ein automatisches Belichtungsprogramm zu wählen.

Auch bei relativer Dunkelheit ist es meist besser, keinen Blitz zu verwenden. Motive, die weiter entfernt sind, können durch einen Blitz ohnehin nicht ausgeleuchtet werden. Zudem besteht die Gefahr, dass das Bild dadurch völlig unnatürlich beleuchtet wird und die schöne Stimmung nicht mehr eingefangen werden kann oder gar zu dunkel bzw. völlig schwarz wird. Besser ist, entsprechend mit Belichtungszeiten und ISO-Werten zu experimentieren oder – bei weniger Erfahrung – auf die automatischen Programme der Kamera zu setzen.

Lichtrichtung

Relevant für die Fotografie sind vor allem Vorder-, Seiten- und Gegenlicht. Die Lichtrichtung beschreibt dabei den Winkel zwischen Lichtquelle, Fotomotiv und Kamera. Die Lichtrichtung wirkt auf die räumliche Tiefe des fotografierten Motivs, da sie Schattenrichtung und -länge bestimmt.

Vorderlicht strahlt in Richtung der Aufnahme. Da die Schatten hinter dem Motiv verborgen sind, wird kein räumlicher Eindruck vermittelt.

Seitenlicht kann diffus sein oder in einem gebündelten Strahl in einem Winkel von 20 – 80° einfallen. Es gilt auch als «Universallicht» und ist geeignet für die meisten Motive. Der einfallende Schatten erzeugt dabei räumliche Tiefe und betont Konturen. Wenn Streiflicht in einem Winkel von ca. 80 – 100° auf Motive fällt, so werfen diese lange Schatten. Streiflicht ist dadurch besonders gut geeignet, um Oberflächenstrukturen darzustellen.

Besonders das Fotografieren im Gegenlicht ist keine einfache Angelegenheit. Tipps dazu finden Sie in unserem Artikel Lost Places im Gegenlicht fotografieren.

Sonnenaufgang über einem Gewässer mit Nebel und wunderschönen Sonnenreflexen

Beim Fotografieren mit Gegenlicht treten leicht Blendenreflexe auf den Fotos auf. Dies lässt sich mit einer Gegenlichtblende vermeiden. | Quelle: Gundel Woite

Weiches oder hartes Licht und Kunstlicht

In der senkrecht stehenden Sonne am Mittag werden die Sonnenstrahlen nur wenig gestreut und das Licht hat einen verhältnismässig kurzen Weg durch die Atmosphäre zurückgelegt. Dadurch entsteht hartes Licht mit scharfen Schatten und starken Helligkeitsunterschieden zwischen beleuchteten Bereichen und Schattenbereichen. Besonders Portraits wirken oft unschön durch die sich im Gesicht abzeichnenden Schatten.

Auch künstliches Licht kann hart sein, wenn die Beleuchtungsquellen entsprechend kleine Reflektoren besitzen, also punktförmig sind. Dies gilt auch für eingebaute oder externe Blitze. Fällt das Licht von vorn auf das Motiv, wird die Wirkung jedoch gedämpft. Besonders bei seitlichem Einfall von hartem Licht kommt es zu starker Schattenbildung.

Pflanzensprösslinge in Kokosbechern im Kunstlicht

Im Fotostudio wird mit Kunstlicht gearbeitet. Die Motive wirken hier durch das weisse harte Licht klar umrissen und sehr kontrastreich. Die Nachbearbeitung verstärkt den Effekt. | Quelle: Gerd Gropp

Kunstlicht kann viele verschiedene Charakteristika besitzen, je nach Farbtemperatur und Abstrahlungsfläche der Beleuchtungsquelle. Teilweise wirken im Kunstlicht fotografierte Motive sehr unnatürlich – das kann entweder gewünschte künstlerische Effekte erzeugen oder störend wirken. Sollen Motive, die mit künstlichem Licht beleuchtet werden, möglichst farbecht dargestellt werden, kommt man um einen manuellen Weissabgleich und entsprechende Farbkorrekturen nicht aus. Häufig ist es jedoch auch erwünscht, Lichtstimmungen einzufangen und mit abzubilden. Wer beispielsweise ein Lagerfeuer fotografiert, schätzt die Gemütlichkeit des warmen Lichtes und möchte diese einfangen.

Weiches Licht entsteht, wenn die Abstrahlfläche der Lichtquelle gross ist. Es führt zu einer gleichmässigen Ausleuchtung und nur minimalen Schatten. Es eignet sich sehr gut für Portraitfotos. Weiches Licht entsteht beispielsweise bei bewölktem Himmel oder zur «Goldenen Stunde». Auch im direkten Mittagslicht lassen sich im Schatten Bilder mit weichem Licht aufnehmen.

Lesen Sie hier mehr zur Ausnutzung der Lichtverhältnisse: Available-Light-Fotografie.

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