Ein Bach in den Alpen – Fliessendes Wasser weich fotografiert - Quelle: René Gropp

Fliessendes Wasser weich fotografieren

Fliessende Gewässer wie Flüsse oder Wasserfälle oder Strände sind beliebte Motive für ausdrucksstarke Fotos. Um besonders tolle Wassereffekte zu erzeugen, steht jeder Fotograf vor der Entscheidung, ob jeder einzelne Tropfen eines reissenden Flusses „eingefroren“ oder die Fliessbewegung eines Wasserfalls hervorgehoben werden soll. Im zweiten Fall erscheint das Wasser weich und die Fliessspuren werden sichtbar. Das Wasser wirkt wie ein Schleier und strahlt etwas Mystisches aus.

Wir geben Ihnen in diesem Artikel einige Tipps zu Kameraeinstellungen und hilfreichem Fotoequipment, damit Ihre Wasseraufnahmen besonders weich erscheinen.

Technische Einstellungen an der Kamera

Besonders wichtig, damit Wasser weich erscheint, ist die Belichtungszeit. Verändert sich die Belichtungszeit, werden bewegte Objekte des Motivs verwischt und statische Elemente bleiben scharf. Hierbei gilt: Je  länger ein Motiv belichtet wird, desto weicher wirkt es. Die Länge der Verschlusszeit sollte ausserdem an die Fliessgeschwindigkeit angepasst werden. Bei einem langsam fliessenden Bach ist mindestens eine Belichtungszeit von 0,5 Sekunden, bei einem reissenden Wasserfall von 0,1 Sekunden notwendig. Hier helfen ein paar Probeaufnahmen mit verschiedenen Einstellungen. Zusätzlich hat die Brennweite einen Einfluss auf das Ergebnis des Bildes. Bei geringen Brennweiten benötigt das Wasser mehr Zeit, um den Bildausschnitt von einem bis zum anderen Rand zu durchlaufen. Entsprechend kann bei höheren Brennweiten eine geringere Verschlusszeit gewählt werden.

Vergleich von Aufnahmen eines Baches – Momentaufnahme und lange Belichtung - Quelle: René Gropp

Vergleich von Aufnahmen eines Baches – Momentaufnahme und lange Belichtung – Quelle: René Gropp

Um Farben und Kontraste optimal abzulichten, empfiehlt es sich, einen Ort oder eine Tageszeit zu wählen, die weniger helles und intensives Licht hervorbringt. Die Blaue Stunde, der Abend oder eher trübe Tage eignen sich am besten für das Fotografieren der Wasserbewegung. Um das auf den Sensor einfallende Licht zusätzlich zu reduzieren, sollten Sie den niedrigsten ISO-Wert (zwischen 50 und 100) an der Kamera verwenden.

Es gilt: Die Einstellungen zum ISO-Wert, der Belichtungszeit und der Brennweite sollten stets abhängig vom Motiv und vor allem passend zur Fliessgeschwindigkeit des Gewässers und den Lichtverhältnisses gewählt werden. Manchmal müssen Sie hierfür verschiedene Justierungen ausprobieren, um Wasser weich wirken zu lassen.

Fotoausrüstung zum Fotografieren von weichem Wasser

Am ehesten geeignet für das Fotografieren von Wasser in seiner Fliessbewegung sind Spiegelreflexkameras. Sie bieten in ihrer Grundausstattung schon die notwendigen Voraussetzungen und Einstellungsmöglichkeiten, damit reissende Flüsse und Wellen am Strand weich abgelichtet werden können. Mit einer Kompakt- oder Digitalkamera können Fliessspuren von Wasser ebenfalls festgehalten werden. Bei der Wahl des Fotoapparats sollten Sie darauf achten, dass dieser einen manuellen Modus besitzt und die Belichtungszeit, die Brennweite und der ISO-Wert per Hand verändert werden können. Einige Kameras haben bereits eine integrierte Auswahl an Voreinstellungen, wie zum Beispiel den Modus „Langzeitbelichtung“, die sich für die Aufnahme von fliessendem Wasser eignen. Die besten Ergebnisse erzielen Sie jedoch, wenn die Einstellungen an der Kamera manuell gewählt werden.

Ein Wehr wird von Wasser überströmt – weiches Wasser lässt das Foto malerisch wirken - Quelle: René Gropp

Ein Wehr wird von Wasser überströmt – weiches Wasser lässt das Foto malerisch wirken – Quelle: René Gropp

Um unerwünschte Unschärfe oder verwackelte Bilder bei Langzeitbelichtungen zu vermeiden, bietet es sich zudem an, ein Stativ zu verwenden. Dadurch erhalten Sie selbst bei langen Verschlusszeiten scharfe Bilder mit tollen Weichwassereffekten.

Wenn Sie ein besonderes Wasser-Motiv gefunden haben, jedoch sehr helles Licht einfällt, stossen Sie mit den manuellen Einstellungen an der Kamera häufig an Grenzen, um scharfe, kontrastreiche Fotos zu schiessen. Meist freut sich ein Fotograf über gute Lichtverhältnisse, für besonders weich wirkendes Wasser ist jedoch weniger Licht mehr. Durch die langen Belichtungszeiten fallen Kontraste bei sehr intensivem Licht gering aus und das Motiv ist unter Umständen kaum noch erkennbar. In solchen Fällen sollten Sie einen Polarisations- oder einen Graufilter verwenden. Diese „schlucken“ zusätzlich Licht, verhindern Wasserreflexionen und sorgen für scharfe Fotos und weiches Wasser.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.