Zusammenschnitt – Bewegungen einer Möwe im Flug © René Gropp

Vogelflug – Faszinierende Fotos fliegender Vögel machen

Vögel zu fotografieren kann ganz einfach sein – sofern sie sitzen und stillhalten. Ganz anders, wenn sie in den Lüften fliegen. Die grosse Distanz zum fokussierten Objekt sowie die schnelle und manchmal unvorhersehbare Bewegung des Vogels machen ein Ablichten fliegender Vögel sehr schwierig. Selbst erfahrene Fotografen brauchen oft viele Anläufe, bis ein richtig gutes Foto dabei ist. Für Anfänger heisst es: Um das Üben kommt man nicht herum.

Wir erklären die Grundlagen der Vogelfotografie, welche technischen Voraussetzungen bestehen und geben Tipps für die erfolgreiche Jagd auf das Motiv des fliegenden Vogels.

Das Motiv kennen(lernen)

Die Dynamik des Vogelflugs ist komplex, das macht es für den Fotografen mitunter schwierig, Vögel abzulichten. Grosse Vögel wie Gänse, Enten, Störche, Reiher und Möwen sind grundsätzlich einfachere Motive als kleinere Spezies. Zum einen sind sie schlicht besser auszumachen und auch leichter grossflächig zu fotografieren, zum anderen bewegen sie sich gemächlicher und vorhersehbarer. Kleine Vögel wie Spatzen, Maisen, Eisvögel und Mauersegler oder gar Fledermäuse bewegen sich wesentlich schneller und unsteter und wechseln oft völlig unvorhersehbar die Richtung. Es ist damit eine echte Herausforderung, sie überhaupt vor die Linse zu bekommen.

Möwe im Flug vor wolkigem Himmel © René Gropp

Möwe im Flug vor wolkigem Himmel © René Gropp

Es bietet sich an, zum Üben einen Ort mit regem Flugverkehr zu wählen, an dem die Vögel an Menschen gewöhnt sind. Sie sind dann oft weniger scheu und man kann sich dichter annähern. Auch die Nähe zu Futterhäuschen kann eventuell helfen.

Mit der Zeit lernt man die Eigenheiten im Flugverhalten bestimmter Vögel kennen und kann sich beim Fotografieren entsprechend darauf einstellen.

Die Technik

Wenn auch vieles mit den handlichen Begleitern möglich ist – fliegende Vögel lassen sich nicht mit einem Smartphone oder einer Kompaktkamera ablichten oder bestenfalls als entfernte schwarze Punkte. Mit einer Bridgekamera mit einem Zoomobjektiv kann man es bei langsameren Vögeln durchaus versuchen. Eine DSLR mit einem lichtstarken Teleobjektiv ist in der Vogelfotografie dennoch die beste Wahl. Brennweiten von 300 bis 500 mm sind – je nach Cropfaktor – in der Regel empfehlenswert. Mit geringeren Brennweiten kann fotografiert werden, sofern man sich den Vögeln ausreichend annähern kann, sie also nicht zu weit in die Höhe fliegen.

Die Meinungen bezüglich der Nutzung eines Stativs gehen auseinander. Je nach Gewicht der Kamera und konkretem Einsatz kann ein Stativ entweder sinnvoll oder hinderlich sein. Für Profis gibt es Stative mit sogenannten Kardanköpfen, die wie eine Schaukel funktionieren. Diese sind jedoch preisintensiv und für den Hobbyfotografen, der gelegentlich Schwenks mit dem Stativkopf machen möchte, etwas übertrieben. Ein guter Kompromiss zwischen Flexibilität und Stabilität kann auch mit einem einfach Einbeinstativ erreicht werden.

Kameraeinstellungen

Im Idealfall richtet sich der Fotograf mit der Sonne im Rücken aus. Die Belichtung ist dann einfacher und die Schatten sind weich. Da die Vögel nicht auf ihren Einsatz warten, sollten alle relevanten Kameraeinstellungen vor Beginn der Fotosession getroffen werden.

Den fliegenden Vogel zu fokussieren ist wegen des wechselnden Hintergrundes und der sich verändernden Entfernungen nicht ganz simpel. Ein zu langsamer Autofokus kann dabei zum Problem werden. Die Einstellung auf den Nachführ-Autofokus bzw. die automatische Schärfenachführung bietet sich an. Bei Nikon wird dieser Modus als AF-C (Autofocus-Continous) und bei Canon AI-Servo bezeichnet. Manche Nikon-Kameras bieten auch die Möglichkeit des 3D-Trackings, bei dem auch die Farbe der Objekte einbezogen wird und die auch «wiedergefunden» werden, wenn sie zwischendurch aus dem Fokus geraten sind.

Die Belichtungszeit sollte möglichst kurz sein, um die Bewegung auf dem Bild einzufrieren. Dafür bietet sich der Modus S (Tv) – also Shutter Priority – an. Die Belichtungszeit wird manuell gewählt, die Blende automatisch angepasst. Um Verwacklungen vorzubeugen, sollte die Belichtungszeit bei höchstens 1/1000 s liegen, eher noch geringer. Möglich ist auch die Vorgabe von Verschlusszeit und Blende mit ISO-Automatik.

Schwarz-Weiss Foto einer fliegenden Krähe © René Gropp

Belichtungszeit 1/1600 s; Brennweite 300 mm – trotzdem sind die Flügelspitzen der Krähe unscharf © René Gropp

Oft ist der Effekt unscharfer Schwingen gewünscht, da sie dem Bild Natürlichkeit und Dynamik verleihen. Wesentlich ist aber, dass der Vogel ansonsten scharf abgelichtet wird. Bildstabilisatoren können dabei hilfreich sein.

Mit etwas Übung können etwas längere Belichtungszeiten als Stilmittel verwendet werden: Für besondere Dynamik kann man mit der Bewegung des Vogels mitgehen, indem man mit dem Objektiv der Flugbahn des Vogels genau folgt. Der Vogel selbst wird dann scharf abgebildet, während der Hintergrund verschwimmt. Besonders schön ist dieser Effekt bei einem struktur- und farbinhomogenen Hintergrund.

Greifvögel im Gleitflug vor blauem Himmel © René Gropp

Greifvögel im Gleitflug vor blauem Himmel © René Gropp

In manchen Situationen ist es sinnvoll, der Kamera die ISO-Einstellung vorzugeben. Weisse Vögel beispielsweise können je nachdem, vor welchem Hinter- oder Untergrund sie fliegen, schnell zu Über- oder Unterbelichtung führen. Das kommt besonders bei blauem Himmel oder spiegelnden Wasseroberflächen vor.

Serienbildfunktion und Sport-Modus

Sehr praktisch um am Ende die besten Aufnahmen herauszusuchen: Die Serienbildfunktion erlaubt die Aufnahme mehrerer Bilder pro Sekunde. Beim Fotografieren fliegender Vögel erhöht sich die Chance auf das entscheidende Bild, wenn Sie viele Fotos aufnehmen.

Anfänger können auch ausprobieren, wie die Ergebnisse im Sport-Modus der Kamera sind. Dieser ist auf schnelle Bewegungen ausgelegt und bringt unter Umständen gute Schnappschüsse ohne viele manuelle Einstellungen zu tätigen.

Fazit

Fliegende Vögel zu fotografieren ist eine der schwierigeren Disziplinen. Eine DSLR mit einem lichtstarken Teleobjektiv und einem schnellen Autofokus sind die optimale Ausrüstung. Kurze Belichtungszeiten ermöglichen scharfe Bilder und das «Mitziehen» der Kamera sorgt für interessante Effekte. Mit ein wenig Erfahrung lässt sich der Ausschuss verringern, doch auch geübte Vogelfotografen brauchen viele Anläufe für ein atemberaubendes Bild.

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