Kolibri

Die besten Schweizer Naturfotografen

Naturfotografie ist eine Kunst für sich. Teilweise muss man stundenlang ausharren, um ein schönes Landschaftsfoto schiessen zu können. Bei bewegten Fotos, beispielsweise von Tieren, kann es wiederum auf Sekunden ankommen. Umso faszinierender sind daher die Fotos, die bei einer solchen Arbeit entstehen. Wir haben für Sie mit den vier besten Naturfotografen der Schweiz gesprochen. Zudem haben wir jedem von Ihnen die Frage gestellt: „Was fasziniert Sie an der Naturfotografie?“. Die Fotografen und ihre Antworten wollen wir Ihnen in diesem Artikel vorstellen.

Tobias Ryser

Der Fotograf ging in dem vom Verein Naturfotografen Schweiz jährlich organisierten Wettbewerb als Gesamtsieger 2016 hervor. Mit seinem Foto „Im herbstlichen Ahornhain“ schnappte er sich den ersten Platz, ist jedoch auch noch in weiteren Kategorien vertreten. Aus diesem Grund haben wir Tobias Ryser ein paar zusätzliche Fragen gestellt, deren Antworten Sie hier lesen können.

FFL: Seit wann fotografieren Sie schon? Wie haben Sie die Fotografie für sich entdeckt?

„Schon in jungen Jahren liebte ich es, draussen unterwegs zu sein und war fasziniert von der Natur. Später, auf Reisen und Ausflügen, hielt ich die erlebten Abenteuer und Landschaften auf einer kleinen Kompaktkamera fest und habe schon damals die Szenerie erst verlassen, wenn das entstandene Bild in meinen Augen stimmig war.

Anfang 2011 begann ich mich im Windschatten eines guten Freundes und Fotografen intensiv mit der Fotografie zu beschäftigen und schaffte mir meine erste digitale Spiegelreflexkamera an. Plötzlich begriff ich, wie ich anhand der Fotografie meine Liebe zur Natur noch intensiver ausleben konnte und begann meine Outdooraktivitäten auf die Fotografie abzustimmen.“

 

FFL: Sie sind ausgebildeter Landschaftsarchitekt und Teilzeit-Ranger. Bleibt da überhaupt noch genug Zeit für die Fotografie?

„In der Fotografie kann ich meine Fähigkeiten perfekt einbringen. Nebst einem sensiblen Gespür für besondere Momente und Lichtstimmungen bin ich äusserst geduldig und habe ein gutes, detailverliebtes Auge. Dies alles half mir, dass ich heute als selbstständiger Fotograf arbeiten darf. Die Ausbildung zum Landschaftsarchitekten und meine Teilzeitanstellung als Ranger tragen dazu bei, dass ich auf meinen Workshops aus dem Vollen schöpfen kann und meinen Kunden ein besonderes Naturerlebnis ermögliche.“

 

FFL: Auf Ihrer Webseite finden sich faszinierende Fotos aus Neuseeland, Frankreich und der Schweiz. Welches dieser Ziele war Ihnen das liebste?

„Am liebsten bin ich in den Schweizer Bergen unterwegs. Dort fühle ich mich am wohlsten und kenne mich sehr gut aus. In unserer Heimat gibt es derart viel Schönes zu entdecken, dass ich mich manchmal frage, warum man immer in ferne Länder reisen muss, um etwas Aussergewöhnliches zu erleben. Der emotionale Wert eines Bildes hat bei mir einen sehr grossen Stellenwert und ich bin der Ansicht, dass man sich ein bezauberndes Bild zu einem gewissen Grad verdienen sollte. Mit einem anstrengenden Aufstieg beispielsweise.“

 

FFL: Sie sind auch Hochzeitsfotograf und geben Workshops. Für welches Metier schlägt Ihr Herz denn am meisten? Wo liegt der Unterschied?

„Bei der Hochzeitsfotografie geht es darum, eine Geschichte zu erzählen. Dabei arbeitet man unter Zeitdruck und muss besondere Momente innert kürzester Zeit erkennen und ästhetisch festhalten können. Bei der Landschaftsfotografie hingegen hat man die Zeit, sich lange nach einem stimmigen Bildausschnitt umzusehen und hübsche Vordergründe zu suchen. Spielt das Licht verrückt, arbeitet man aber auch da in Eile.

Sowohl in der Hochzeitsfotografie als auch als Workshopleiter spielt der Umgang mit dem Gegenüber die entscheidende Rolle. Wenn es mir gelingt, mit dem Brautpaar oder dem Workshopteilnehmenden ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen, profitiert jedes einzelne Bild davon. Glücklicherweise gelingt mir das in den allermeisten Fällen, da ich ein äusserst emphatischer und begeisterungsfähiger Typ bin.“

 

FFL: Gute Motive gibt es fast überall und sie sind trotzdem unheimlich schwer zu finden. Suchen Sie nach speziellen Motiven oder fotografieren Sie, was Ihnen vor die Linse kommt?

„In der Fotografie bin ich ein absoluter Perfektionist und mein grösster Kritiker. Auf meinen Touren ist die Kamera zwar stetiger Begleiter, allerdings nehme ich sie nur noch sehr gezielt hervor. Gerade in der Landschaftsfotografie bin ich mittlerweile ziemlich verwöhnt und fotografiere nur noch bei aussergewöhnlichen Lichtstimmungen. Meine Motive finde ich in der Regel anhand einer Kombination aus Recherche, Kartenstudium und Suchen vor Ort.“

 

FFL: Wie bereitet man sich am besten auf einen Trip in die Natur zum Fotografieren vor? Was darf, neben der Kamera, nicht fehlen?

„Ein guter Natur- und Landschaftsfotograf zeichnet sich nebst seiner fotografischen Fähigkeit durch fundierte Naturkenntnisse aus. Je besser man sein Motiv kennt und sich damit auseinandersetzt, desto besser auch das Bildmaterial. Wer in schönem Licht Landschaften fotografieren möchte, benötigt nebst der Kamera auch ein Stativ. Daneben gibt es viele Hilfsmittel wie Pol-, Grau- und Grauverlaufsfilter, mit welchen man bessere Ergebnisse erzielt, vorausgesetzt man weiss sie richtig einzusetzen.“

Ahornhain

 

Wolkenmeer über dem Wald

Beide Fotos: Tobias Ryser, www.tobias-ryser.ch

Anna-Barbara Utelli

„An der Naturfotografie fasziniert mich die intensive Auseinandersetzung mit der Natur, die mich schon seit Kindsbeinen an interessiert. Weiterhin gibt mir die Fotografie die Möglichkeit, die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur anderen in einer für alle verständlichen „Sprache“ mitzuteilen und dabei ganz persönliche Akzente setzen und Perspektiven einnehmen zu können. Das Abschalten vom Alltag durch die Konzentration auf das Hier und Jetzt, wo nur der Moment mit dem aktuellen Licht und dem unmittelbaren Geschehen zählt und interpretiert werden will, ist ebenfalls faszinierend.“

Wasserfall in den Bergen

Blumen im Morgentau

Beide Fotos: Anna-Barbara Utelli, www.linaria-alpina.com

Andi Hofstetter

„Die Naturfotografie bringt mich an Orte, die ich sonst nie gesehen hätte, zeigt mir Dinge, die ich sonst nie finden würde. Seit ich mich intensiv mit der Naturfotografie auseinandersetze, nehme ich viele Dinge ganz anders wahr. Es faszinierend mich, die Schönheit unserer Natur auf ein Bild zu bannen und meinem Umfeld näher zu bringen, in was für eine schützenswerter Welt wir leben. Schlussendlich ist es die Kombination aus dem draussen sein, neue Dinge entdecken und diese kreativ und im besten Licht umzusetzen. Die Naturfotografie ist so nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken.“

Sonnenaufgang auf dem Chäserrugg

Steinbock in der Dämmerung

Beide Fotos: Andi Hofstetter, http://www.ahofstetter.ch/

David Schweizer

„Es ist das Zusammenspiel zwischen einer einzigartigen aber oft launischen Natur und den unerschöpflichen fotografischen Möglichkeiten, welche meine Leidenschaft für die Naturfotografie nährt.

Als Mensch werde ich von der Natur nur geduldet. Entsprechend brauche ich bei der Fotografie inmitten Landschaft, Wetter und Lebewesen viel Rücksicht, Geduld und immer auch das gewisse Quäntchen Glück. Manchmal reicht es, zufällig im richtigen Moment mit der Kamera am richtigen Ort zu sein. Ein Andermal steige ich drei Tage durch die Berge und bringe kein überwältigendes Bild mit nach Hause. Aber lohnen tut es sich immer: Die Entschleunigung meines Alltags durch das Innehalten in der Natur ist mindestens ebenso wertvoll, wie das Festhalten einer grossartigen Szenerie.“

Grimselpass mit Sonneneinfall

Kolibri

Beide Fotos: David Schweizer, www.davidschweizer.ch

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