Lost Places: ein Ausblick aus den Gemäuern von Craco

Die fünf tollsten Lost Places in Europa für Hobbyfotografen

Vergessene und von Verfall geprägte Orte – sogenannte Lost Places – sind eine hervorragende Kulisse für abwechslungsreiche und atemberaubende Fotos. Ob leerstehende Hotels oder alte Industrie-Gebäude, die einzigartigen Motive und das interessante Licht- und Schattenspiel erwecken die Vergangenheit wieder zum Leben. Jedoch sind solche Locations nicht einfach zu finden, denn die interessantesten davon sind gut gehütete Geheimnisse.

Was Sie beim Betreten von Lost Places beachten sollten, lesen Sie in diesem Artikel. Denken Sie ausserdem immer daran: „take nothing but pictures, leave nothing but footprints“.

Auf Entdeckungstour quer durch ganz Europa finden sich alte verlassene Gebäude, Denkmäler, Bahnhöfe, Ruinen und vieles mehr. Wunderschöne Objekte, die an eine längst vergangene Zeit erinnern – lassen Sie sich inspirieren.

5 aussergewöhnliche Lost Places

Der Harzburger Hof, Deutschland – der Verfall eins Prunkhotels

Aussenansicht vom Harzburger Hof – Lost Place in Niedersachsen

Nach seiner Eröffnung im Jahre 1874 in Bad Harzburg, einer Stadt in Niedersachsen, galt dieses Hotel als eines der prächtigsten in Deutschland. Auf rund 18.000 Quadratmetern genoss die adlige Gesellschaft ihre Ruhe vor dem Alltag. Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurde es von Soldaten als Erholungszentrum genutzt. Trotz reichlicher Sanierungsmassnahmen erreichte es aber nie wieder den Glanz alter Tage. Eine sehenswerte Ruine, die durch einen Brand zerstört wurde, prägt nun die Kulisse von Bad Harzburg.

Die Räume sind noch teilweise möbliert, was einen besonderen Rahmen für aufregende Fotos bietet. Highlight ist sicherlich der alte Speisesaal des Hotels. Monumentale Säulen, pompöser Stuck und eine detailverliebte Einrichtung verschaffen dem verfallenen Raum besonderen Charme.

Reich verzierte Treppe im Harzburger Hof

Lungenheilanstalt am Grabowsee nahe Berlin, Deutschland

Nur 20 Minuten vom belebten Berlin entfernt befindet sich diese weitläufige Anlage, die aus mehreren sehr unterschiedlichen Gebäuden besteht. Erbaut wurde sie im Jahre 1896 als Lungenheilanstalt. Hauptsächlich wurden hier Tuberkulosepatienten behandelt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude zu einem sowjetischen Militärkrankenhaus umfunktioniert. Heute sind die meisten Räume leer, doch die verfallenen Räumlichkeiten bieten trotzdem eine Vielfalt an faszinierenden Fotomotiven. Besonders eindrucksvoll ist der Pianosaal der ehemaligen Heilanstalt – bodentiefe Fenster umrahmen einen imposanten Saal, in dessen Mitte ein altes Piano auf einer Bühne steht. Dieser Saal inspirierte auch Hollywood-Star George Clooney, der ihn als Kulisse für den Film „The Monuments Men“ nutzte.

Lungenheilanstalt am Grabowsee Grabowsee - altes Piano 

Oradour-sur-Glane, Frankreich – die geheimnisvolle Gedenkstätte

Dieser Lost Place befindet sich in der Region Nouvelle-Aquitaine im Südwesten Frankreichs. Der Ort erlangte durch ein verübtes Kriegsverbrechen der SS im Jahre 1944, auch „das Massaker von Oradour“genannt, traurige Berühmtheit. Fast alle Dorfbewohner verloren bei diesem Massaker ihr Leben und die Stadt wurde durch die anschliessende Brandstiftung beinahe vollständig zerstört. In den Überresten der Kirche wurde eine sehenswerte Mahn- und Gedenkstätte errichtet. Wenn das Sonnenlicht durch die verfallenen Ruinen strahlt, entstehen interessante Licht und Schatten-Spiele, die aufregende Bildkompositionen zulassen. Aber auch Dämmerung oder Nebel machen diesen Lost Place zu einer tollen Location für Fotografie-Begeisterte.

Kulisse von Oradour-sur-Glane

der zerstörte Dorfplatz von Oradour-sur-Glane

Psychiatrische Anstalt in Volterra, Italien – ein Ort des Grauens

Am Rande von Volterra erstreckt sich das düstere Gebäude der ehemaligen Psychiatrie. Dieser Ort muss zu seiner Zeit die Hölle auf Erden gewesen sein: Berichten zufolge starben 10 Prozent der Insassen infolge schlechter Behandlung, 40 Prozent aufgrund der katastrophalen hygienischen Umstände und der Rest einfach aus Kummer. Infolge der Reformen von Basaglia wurde die Psychiatrie 1978 geschlossen.

Die verfallenen Korridore der Psychiatrie bieten zahllose Motiv-Möglichkeiten

Schauriges Highlight dieses Lost Places ist die Geschichte des Insassen Oreste Nannetti, der das Erlebte mithilfe seiner Gürtelschnalle auf 180 Metern Mauerwerk einritzte. Dieses Tagebuch, das mit Schrift und Zeichen seine Wahrnehmungen wiederspiegelt, ist auch heute noch erhalten.

Ansonsten sind die Gebäude mittlerweile leergeräumt. Trotzdem erwecken Sie den dunklen Geist der Geschichte und bieten eine schaurige Foto-Kulisse.

Gemeinde Craco, Italien – eine durch Erdrutsche zerstörte Geisterstadt

Die Ortschaft Craco in der Provinz Matera wurde bei einem Erdrutsch in den 60er Jahren stark beschädigt. Nachdem die letzten verbleibenden Einwohner die Stadt infolge eines weiteren Erdbebens 1980 verlassen hatten, ist der Ort allgemeinhin als „Città fantasma“– die Geisterstadt – bekannt. Die verlassene Ruinenstadt, die in einen Felsen geschlagen wurde, bietet noch heute eine altertümliche Kulisse mit eindrucksvollem Charisma. Im Jahre 2010 wurde sie sogar in die Liste gefährdeter Kulturdenkmäler aufgenommen. Die ganze Geisterstatt ist ein Mekka für Lost-Place-Fotografen: die Motive sind zahllos und so gelingen sowohl Innen- als auch Aussenaufnahmen der Ruinen.

Craco die Geisterstadt

 

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