Familie in traditioneller Kleidung auf einer Beerdigung, Toraja- Kultur. Insel Sulawesi, Indonesien.

Faces of… Authentische Einblicke im Ferienland festhalten

Der Eifelturm von Paris, die Pyramiden von Gizeh, das London Eye – diese Wahrzeichen prägen eine Stadt. Es sind die Motive, die wir bereits vor unseren Ferien dutzendfach gesehen haben und die wir vor Ort nun selbst mit der Kamera einfangen wollen. Doch so berühmt diese Sehenswürdigkeiten auch sind, so wenig sagen sie über das eigentliche Reiseziel aus. Ein authentisches Erleben der Feriendestination hat zumeist nur wenig mit hochpolierten Touristenattraktionen zu tun. Vielmehr sind es die Menschen, die ein Land besonders machen. Ihre Bräuche und Kulturen, ihre Bauwerke und Spezialitäten – all das spiegelt sich vor allem im alltäglichen Leben der Einheimischen wider.

Neben den Fotos der Wahrzeichen sind es vor allem die Gesichter der Strassenhändler oder spielender Kinder, die die Erinnerungen an die Ferien wiederaufleben lassen. Dennoch ist es gar nicht so einfach, richtig schöne und vor allem authentische Fotos von Menschen zu schiessen.

Wir geben einige Tipps, wie sie magische Momente in den Ferien mit der Kamera einfangen können.

Unbemerkt bleiben

Die wichtigste Regel für authentische Fotos ist, dass der Fotografierte nicht merken darf, dass er fotografiert wurde. Denn vor der Kamera fangen Menschen automatisch zu posieren an. Sie wollen, dass ihr Foto besonders schön aussieht, sie lächeln dezent und bringen sich in Position.

Der Reiz liegt hingegen darin, die Menschen in ihrem alltäglichen Tun festzuhalten und so die Welt abseits des Tourismus zu erleben. Gerade in ärmeren Ländern hat diese Realität wenig bis nichts mit dem Scheinbild zu tun, das den Besuchern vorgespielt wird.

Alte Frau beim Schälen von Zwiebeln. Luang Prabang, Laos.

Alte Frau beim Schälen von Zwiebeln. Luang Prabang, Laos.
© Annika Weiland

Das richtige Objektiv

Da es sehr wichtig ist, beim Fotografieren unbemerkt zu bleiben, ist ein Teleobjektiv sehr nützlich. Bereits ab einer Brennweite von 70 Millimetern spricht man von einem Teleobjektiv. Je grösser die Brennweite des Objektives, desto stärker ist die mögliche Vergrösserung des zu fotografierenden Objektes.

Zu beachten ist, dass bei starker Vergrösserung auch die Gefahr verwackelter Bilder steigt. Da der Aufbau von Stativen nicht nur dem Grundsatz der Unauffälligkeit widerspricht, sondern es zudem erschwert, flexibel auf das Geschehen einzugehen, ist dieses Zubehör für das Fotografieren spontaner Momente eher ungeeignet. Vielmehr empfiehlt es sich, einen sicheren Stand einzunehmen und sicherheitshalber mehrere Fotos zu schiessen.

Teleobjektive werden mit grösserer Brennweite auch zunehmend unhandlicher und schwerer, was auf Reisen sehr unpraktisch ist. Ein guter Kompromiss für Hobbyfotografen unterwegs sind daher Kombiobjektive mit einer Brennweitenspanne von 55 bis 200 Millimetern. Diese sind vergleichsweise handlich und ermöglichen das Fotografieren sowohl naher als auch ferner Objekte. Ein weiterer Vorteil ist, dass man sich das ständige Wechseln von Objektiven spart und man somit schneller auf das Geschehen reagieren kann.

Der richtige Standort

Belebte Plätze sind grundsätzlich eine gute Wahl, wenn man gern unauffällig Fotos von Einheimischen schiessen möchte. Dazu eignen sich etwa Marktplätze oder stark frequentierte Sehenswürdigkeiten. Empfehlenswert ist es, sich beispielsweise in einem Café niederzulassen und dem Treiben in Ruhe zuzusehen. So kann man viele Eindrücke sammeln und, wenn sich die Gelegenheit ergibt, auch recht unbemerkt einige Fotos schiessen. Da man sitzt, ist auch die Gefahr des Verwackelns vergleichsweise gering.

Frühmorgendlicher Bettelgang der Mönche durch ein Dorf in Nord-Laos

Frühmorgendlicher Bettelgang der Mönche durch ein Dorf in Nord-Laos
© Annika Weiland

Die richtigen Einstellungen

Durch manuelle Einstellung der Kamera kann man fantastische Resultate erhalten und allerlei schöne Details gekonnt in Szene setzen. Jedoch bedarf es einiger Erfahrung und vor allem Zeit, um die Kamera auf die aktuellen Lichtverhältnisse und Objekte einzustellen. Gerade beim Fotografieren von Menschen mangelt es an jener Zeit, denn es gilt, kleine Gesten und spontane Momente einzufangen. Für Fotografie-Anfänger kann es also eine Lösung sein, zunächst den automatischen Modus der Kamera zu nutzen und sich anfänglich vor allem auf die Motivauswahl und den Bildausschnitt zu konzentrieren.

Wer bereits geübter ist, sollte sich an einem Ort niederlassen und seine Kamera an das vorhandene Umgebungslicht anpassen. Hierzu sind Blende, ISO und Belichtungszeit einzustellen – entsprechende Tipps gibt es hier. Durch das Verbleiben an einem Ort bleibt auch das Umgebungslicht relativ gleich, sodass man mit einer gut eingestellten Kamera mit verschiedensten Motiven herumexperimentieren kann. Trotzdem sollte beachtet werden, dass nicht nur die Umgebung Einfluss auf die richtigen Kamera-Einstellungen hat, sondern auch andere Faktoren, wie beispielsweise die Zoom-Stufe, das Ergebnis beeinflussen.

Zum Glück bieten belebte Plätze in fernen Ländern fast zahllose Übungsmöglichkeiten und mit ein wenig Glück und Geduld kann jeder Hobbyfotograf magische und authentische Momente für die Ewigkeit festhalten. Auch wenn wir nie erfahren werden, wer die Menschen auf den Bildern sind, haben wir mit den spontanen Aufnahmen einen winzigen Teil ihres Lebens festgehalten und sie sind so ein Teil der eigenen Ferien-Erlebnisse geworden.

 

Kleines Mädchen in Saigon während des Tét Festivals in Saigon

Kleines Mädchen in Saigon während des Tét Festivals in Saigon
© Gundel Woite

Zu guter Letzt

Auch wenn nicht jedes Bild einwandfrei belichtet ist, sich Schatten oder kleine Unschärfen zeigen – am Ende kommt es auf den richtigen Bildausschnitt und die Geschichte hinter der Aufnahme an. Fotografieren Sie, was Ihnen auf Reisen besonders auffällt oder Sie bewegt.