Kondenswasser-Bildung auf einer Scheibe

Fotografieren bei hoher Luftfeuchtigkeit – Tipps und Tricks

Brillenträger kennen das Problem Kondenswasser: Wer im Winter aus dem kalten ins Warme kommt, erblindet für kurze Zeit, da die Brillengläser sofort beschlagen. Die Gläser bleiben so lange beschlagen, bis sie sich der Raumtemperatur angepasst haben. Das gleiche passiert im Sommer: Die eiskalte Limonade am Badesee ist sofort mit einem nassen Film ummantelt, da die Umgebungstemperatur höher ist als die der Limonade. Dieser Kälte-Wärmeschock lässt sich immer dann beobachten, wenn die Temperatur eines Objekts wesentlich geringer als die der Umgebungsluft ist. Die Erklärung dafür ist simpel: Warme Luft kann viel mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte Luft. Beim Auftreffen auf das kalte Glas einer Brille, Flasche oder eben eines Fotoobjektivs kühlt sich die Luft rasch ab, ihre Wasseraufnahmefähigkeit sinkt und es entsteht Kondenswasser, das sich in winzigen Tröpfchen auf dem Glas niederschlägt.

Was genau passiert bei Kondenswasser auf dem Objektiv?

Egal ob Sommer oder Winter, durch extreme Temperaturunterschiede besteht die Gefahr, dass sich Kondenswasser auf der Kamera bildet. Hierbei entstehen kleine Wassertropfen auf dem Fotoapparat, die die empfindliche Technik beschädigen können, sobald sie ins Innere des Geräts eindringen. Wird die Kamera zu diesem Zeitpunkt in Gebrauch genommen, kann das Kondenswasser im schlimmsten Fall zu bleibenden Schäden führen.

Wechseln Sie das Objektiv, bevor sich die Kamera der Umgebungstemperatur angepasst hat, kann das gravierende Schäden am hochempfindlichen Kamera-Sensor hinterlassen und sollte daher unbedingt vermieden werden. Bei einem Objektivwechsel kann Kondenswasser ins Innere des Apparats gelangen und eingeschlossen werden, welches Sie nur sehr schwer wieder herausbekommen und möglicherweise zu einer defekten Kamera führt. Daher empfiehlt es sich, das Objektiv bereits zu wechseln und richtig einzustellen, bevor der warme Raum betreten wird.

In jedem Falle aber ist der Nebel, der sich auf der Linse bildet, absolut hinderlich beim Fotografieren. Im Tropenhaus oder bei dampfenden Speisen in der Küche – Objektiv- und Umgebungstemperatur sind oft sehr unterschiedlich und die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Auch bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumlichkeiten mit vielen Menschen, wie zum Beispiel bei Konzerten oder anderen Feierlichkeiten, kann es zu einer hohen Luftfeuchtigkeit kommen. Was kann man tun, um bei hoher Luftfeuchtigkeit trotzdem Fotos machen zu können?

Abbildung eines Tropenhauses von Ihnnen

 

Kein Beschlagen der Kamera – so geht’s

Um ein Beschlagen des Objektivs zu vermeiden, sollten Sie die Kamera zunächst langsam auf Zimmertemperatur bringen. Dafür verpacken Sie den Fotoapparat am besten in Ihrer Fototasche oder alternativ in einem einfachen Plastikbeutel. Beim Verpacken sollte darauf geachtet werden, dass der Beutel verschliessbar ist und dass so wenig Luft wie möglich in den Beutel eingeschlossen wird. Dafür eignen sich besonders Ziploc-Beutel. Sollte sich ein Film aus Kondenswasser bilden, geschieht das auf dem Plastikbeutel und nicht auf der Kamera. Lassen Sie den verpackten Apparat (je nach Temperaturunterschied) bis zu einer Stunde im entsprechenden Raum liegen, ohne ihn zu benutzen und das Objektiv auszufahren. In dieser Zeit kann sich das Gerät langsam aufwärmen und sich der Zimmertemperatur anpassen. Wenn sich die Kamera akklimatisiert hat, ist eine erneute Benutzung unbedenklich und ein Beschlagen des Objektivs kein Problem mehr.

Um die Linse des Objektives zusätzlich vor Feuchtigkeit abzuschirmen, gibt es bereits kostengünstige farbneutrale Schutzfilter, die an der Front des Objektives angebracht werden können. Des Weiteren lässt sich der Body der Kamera und auch der Körper des Objektives durch das Einhüllen in einen Plastikbeutel während des Fotografierens schützen. Neben einer herkömmlichen Plastiktüte gibt es Allwetterschutz-Hüllen, die gut an die Form der Kamera angepasst sind. Eine sehr sichere aber auch sehr kostenintensive Variante ist eine Unterwasser-Tasche oder ein Unterwassergehäuse. Eine solche Anschaffung ist jedoch nur bei regelmässiger Verwendung empfehlenswert. Zudem ist es ratsam, stets ein Mikrofasertuch dabei zu haben, um entstehendes Kondenswasser abzutupfen.

Bei Ausflügen in eine feuchte und warme Umgebung, wie beispielsweise ein Tropenhaus, bietet die Fahrt im Auto eine gute Gelegenheit, das Kameraequipment an die bevorstehende Wärme zu gewöhnen. Dafür sollte die Kamera mit darauf gerichteter Lüftung im Fussraum platziert werden, durch die warme Luft aus der Lüftung wird diese vorgewärmt.

Was tun bei Feuchtigkeit im Inneren der Kamera?

Grundsätzlich gilt: Ein bisschen Feuchtigkeit verträgt fast jede Kamera. Dennoch ist eine gesunde Portion Vorsicht angemessen und generell sollten Sie Ihre Kamera so gut wie möglich vor Nässe und hoher Feuchtigkeit schützen, sei es Regen, Schnee oder Kondenswasser.

Sollte dennoch Kondenswasser ins Innere der Kamera gelangt sein, sollten Sie sofort die Stromzufuhr unterbrechen und den Akku und die Speicherkarte entfernen. Weiterhin empfiehlt es sich, das Objektiv zu entfernen und das Gerät trockenzulegen. Dazu haben Sie zwei verschiedene Möglichkeiten. Entweder Sie legen Ihre Kamera in ungekochten Reis und lassen sie in der Sonne trocknen oder Sie packen das Gerät bei niedrigster Stufe (maximal 35°C) in den Backofen. Bei Letzterem sollten Sie jedoch immer ein wachsames Auge auf Ihre Kamera haben und ab und zu die Ofentür öffnen, sodass die Feuchtigkeit entweichen kann.