Nebelwelle am Schweizer Belchen – Fine Art Photography von Roland Moser

Fine Art Photography

Der Schweizer Landschafts- und Reisefotograf Roland Moser fotografiert seit über 20 Jahren leidenschaftlich. Er praktiziert die sogenannte Fine-Art-Fotografie und bietet auf seiner Webseite nature-moments.com Einblicke in die künstlerischen Arbeiten. Um mehr über Fine Art Photography erfahren zu können, haben wir mit dem Experten gesprochen.

Die Geschichte der Fine Art Photgraphy

Die Ursprünge des Begriffes «Fine Art» – also der feinen Kunst – liegen in der Malerei des frühen 19. Jahrhunderts. Als sich die Fotografie zu Beginn des 20. Jahrhunderts als eigenständiger Kunstbereich etablierte, wurden fachspezifische Ausdrücke aus der Malerei übernommen. So wie es die Fine-Art-Malerei bereits vorführte, liegt auch der wesentliche Aspekt der Fine-Art-Fotografie nicht im Abbilden der tatsächlichen unbearbeiteten Realität des Gesehenen. Vielmehr steht das Schaffen eines künstlerischen Werkes im Fokus, indem eine künstlerische Vision auf ästhetische Art und Weise verwirklicht wird. Somit ist die Technik, die gebraucht wird, um die exakten Details des Kunstwerkes herauszuarbeiten, ein wesentlicher Aspekt der Fine Art Photography.

Roland Moser: Fine Art Landscape Photography

Zunächst haben wir den Fotografen Roland Moser gefragt, was Fine Art Photography für ihn bedeutet:

«Für mich ist Fine Art Photography ein Qualitätsbegriff und weniger ein Stilbegriff. Ich bin in erster Linie «Print-Maker». […] Ein Fine-Art-Print ist für mich ein gutes Bild in bester Qualität ausbelichtet, gedruckt und edel präsentiert. Es muss für mich einen bestimmten Qualitätsstandard haben.»

…und wie er zur Fotografie gelangt ist:

«Amerika war immer ein Traum von mir und als ich dann [in den 1990igern] durch dieses Land reiste, war ich so begeistert, dass ich begann, die Landschaften und Städte zu fotografieren. Damals aber noch mit einer einfachen, analogen Kamera. Ich kaufte Foto-Magazine und studierte Bilder anderer Fotografen. Doch erst viele Jahre später mit dem Kauf meiner ersten digitalen Kamera begann ich die Landschaftsfotografie ernsthaft zu betreiben. Ich studierte alles, erwarb mir Photoshop und verbrachte tausende von Stunden damit, mir Wissen anzueignen. Ich wollte alles wissen, ich war wie ein Schwamm, sog alles in mir auf. Und ich bin Perfektionist. So wollte ich immer die bestmögliche Qualität.«

Yellow Water Billabong, Kakadu Nat’l Park, Australien – Fine Art Photography von Roland Moser

Yellow Water Billabong, Kakadu Nat’l Park, Australien – Fine Art Photography von Roland Moser

Auf die Frage, wie Roland Moser seinen eigenen Stil herausbildete, sagt er: «Ich denke, das ist ein jahrelanger Prozess. Man geht nicht einfach raus in die Natur, um zu fotografieren und findet seinen eigenen Stil. Ich glaube, dass das Fotografieren etwas Dynamisches ist – man wandelt sich immer wieder. Ich wollte immer mehr als eine Landschaft dokumentarisch wiederzugeben. Ich wollte meine Ansicht der Realität dieses einen besonderen Momentes zeigen. Schon als Kind war ich fasziniert von den grossen Weiten und unberührten Landschaften. Das hat mich wohl sehr stark beeinflusst in meiner Art der Fotografie.»

«Schlussendlich dreht sich alles um das Licht. Landschaftsfotografen sind Lichtjäger. Man muss sich in Geduld üben und oft warten, bis das Licht zu einem findet. Doch für mich gehört alles dazu, nicht nur die Arbeit vor Ort in den paar Minuten oder Sekunden, in denen man den Auslöser betätigt. Man erkundet eine Landschaft, sieht ein tolles Motiv, kehrt immer wieder zu diesem Ort zurück bis das Licht für diese bestimmte Idee passt und kann dann, wenn in diesem Moment alles zusammenkommt, das Licht ernten.»

Cinque Torri, Dolomites, Italien – Fine Art Photography von Roland Moser

Cinque Torri, Dolomites, Italien – Fine Art Photography von Roland Moser

Unter Fotografen ist die Fotonachbearbeitung ein zum Teil polarisierendes Thema. Gerade für die Fine Art Photography ist die nachträgliche Bearbeitung der jedoch Fotodatei essentiell: «Nichts kann meiner Meinung nach weniger echt sein, als ein Bild «Out of Cam». Ich will doch dem Betrachter mein Bild, meine Emotionen und meine Ansicht von diesem einzigartigen Moment zeigen und nicht etwas, das ein Softwarehersteller programmiert hat. Wer bestimmt denn, dass das Rot gerade so ausgesehen hat oder ob das Grün so oder anders wirkte. Das ist doch für jeden individuell. Mein Stil entwickelt sich immer weiter: Sei es durch neue Bearbeitungstechniken oder neue Perspektiven, weil ich mich mit der Zeit verändere.»

Roland Moser gibt Tipps an ambitionierte Hobbyfotografen

Im Zuge unseres Interviews fragten wir den Fotografen der Fine Art Landscape auch nach hilfreichen Tipps für ambitionierte Hobbyfotografen:

«Erstmal würde ich sagen: Habt vor allem Spass und Freude an dem, was ihr macht und befasst euch nicht mit Labels. Überlegt genau, was ihr wollt und verfolgt euer Ziel. Sucht euren Stil und experimentiert. Studiert Bilder von euren Lieblingsfotografen, aber kopiert diese nicht.

Die nachträgliche Bildbearbeitung gehört genauso dazu wie das eigentliche Fotografieren vor Ort. Wenn ihr das eine oder andere auslasst, dann schränkt Ihr euch bloss selbst ein. Nehmt euch Zeit bei der Bildbearbeitung, denn diese ist für mich gerade für Fine Art Photography sehr wichtig. […] Fotografieren ist eine Kunstform, darum lasst euch nicht von anderen Meinungen einengen.»

Lac de Derborence, Wallis, Schweiz – Fine Art Photography von Roland Moser

Lac de Derborence, Wallis, Schweiz – Fine Art Photography von Roland Moser

«Versucht sowohl bekannte Motive in neuem Licht zu zeigen als auch neue unbekannte Motive zu suchen. […] Ein Bild fängt mit einer Idee, mit einer Vision an. Ich habe genaue Vorstellungen von einem Bild, wenn ich einen bestimmten Ort aufsuche. Doch nicht immer komme ich mit dem gewünschten Bild nach Hause. Manchmal ergeben sich unterwegs stattdessen ganz neue Ideen und Möglichkeiten.»

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