Zusammentreffen von Fotografen bei der Fashion Week in Mailand

Street Style Fotografie

Die Street Style Fotografie ist immer auf der Suche nach innovativen Modetrends und richtungsweisenden Looks. Erfolgreiche Street Style Blogger erreichen auf ihren sozialen Kanälen ein Millionenpublikum und wirken so als Trendsetter der ersten Stunde. Wir stellen das Phänomen vor.

Die Anfänge der Street Style Fotografie

Die Street Style Fotografie hat sich im Amerika der 70er Jahre entwickelt. Ihr Wegbereiter, der ehemalige NY Times Kolumnist Bill Cunningham, zog mit seiner Analogkamera durch die Strassen New Yorks auf der Suche nach spontanen Situationen und authentischen Motiven. Im Mittelpunkt seines Schaffens standen normale Menschen in ihren alltäglichen Outfits, die dennoch etwas aussergewöhnlich Individuelles ausstrahlen: „Die beste Fashion-Show findet auf der Strasse statt“, so wird Cunningham von der New York Historic Society zitiert. Inzwischen verstorben, gilt er nach wie vor als einer der wichtigsten Modefotografen der Stadt. Seinem Stil folgten zahlreiche Nachahmer.

Mann mit Lederjacke im Strassenbild

Der Aufstieg der Street Style Blogs

Cunninghams Kredo bewährt sich auch für die Street Style Fotografen von heute. Meist handelt es sich bei Ihnen um trendbewusste Privatpersonen in Grossstädten. Die Entstehung von Weblogs und der sozialen Medien erlaubt es, Ihre Eindrücke mit vielen anderen Modebegeisterten zu teilen. Mittlerweile hat die Blogosphäre ein eigenes Subgenre zur Street Style Fotografie hervorgebracht. Zu den renommiertesten Adressen zählen u.a. die Blogs Jak & Jil von Tommy Ton oder Scott Schumanns The Satorialist. Doch auch namhafte Modemagazine wie die Vogue wissen um die Bedeutung von Street Styles und schicken regelmässig eigene Fotografen in die grossen Metropolen der Welt, um aktuelle Trends zu beziehen.

Zum Erfolg zahlreicher Street Style Blogger hat nicht zuletzt der Online-Dienst Instagram beigetragen. Hier teilen sowohl berühmte Fashion Blogger als auch unbekannte Amateurfotografen Ihre Eindrücke der neuesten Looks der Strasse mit ihren Fans, die bei Instagram Follower genannt werden. Viele Street Style Blogger gelangten auf diesem Weg in rasanter Geschwindigkeit zu grosser Bekanntheit. So haben einige mittlerweile mehr Follower, als so manche prominente Persönlichkeit. Der Modebloggerin Kristina Bazan folgen mehr als 1,5 Millionen Personen. Inzwischen wurde die erst 22-Jährige vom US-Wirtschaftsmagazin Forbes zur weltweit zweiteinflussreichsten Person in der Kategorie «Art & Style» gekürt.

Street Style Fotograf bei der Arbeit

Profitables Geschäft

Den Einfluss einiger Street Style Blogger haben viele Modeunternehmen für ihre eigenen Zwecke erkannt. Anlässlich der grossen Fashion Shows in Paris oder Mailand statten sie ihre Models mit Stücken der aktuellen Kollektionen aus und schicken sie gemeinsam mit einem Fotografen auf die Strassen rund um die Veranstaltungsorte. Andere Street Style Fotografen werden darauf aufmerksam und halten ebenfalls mit der Kamera darauf. Die Modelabels können durch die Reichweiten bekannter Street Style Blogger Ihre Kollektionen noch viel mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken und so den Verkauf ihrer Stücke steigern. Dafür erscheint mittlerweile bedeutsamer zu sein, was auf den Strassen geschieht, als was sich auf den Laufstegen abspielt.

Zusammentreffen von Fotografen bei der Fashion Week in Mailand

Hinzu kommen die zahlreichen unbekannten Models, die darauf hoffen, von etablierten Street Style Fotografen beachtet zu werden. Oftmals ohne eigene Einladung reisen sie den grossen Shows hinterher, ziehen sich mehrmals am Tag um und laufen wiederholt über die gleiche Strasse. Dieser »Hype» um Aufmerksamkeit wird von vielen Szenekennern kritisiert, denn er hat mit den ursprünglichen Werten von Authentizität und Spontaneität nicht mehr viel zu tun. Längst schon heisst es: Auffallen um jeden Preis. Dazu wird sich schon mal in schräg-schrille Outfits gekleidet und skurril posiert. Besonders abgehärtete Charaktere versuchen durch nicht wettergerechte Kleidung aufzufallen. Dazu zählt das Tragen von Wollmänteln im Sommer, oder das Zeigen von nackter Haut im Winter.

Tipps für Street Style Models und Fotografen

Viele Blogger wünschen sich inzwischen einen Trend hin zurück zu mehr Natürlichkeit. Für aufstrebende Street Style Models bedeutet das, sich lieber so anzuziehen, wie es der eigenen Persönlichkeit entspricht. Die meisten Fotografen werden schliesslich erkennen, wenn sich jemand verkleidet und dadurch unnatürlich wirkt. Das gleiche Prinzip gilt für das Posieren. Eine Person ist dann authentisch, wenn sie eine natürlich Haltung beim Gehen oder Stehen einnimmt und sich so gibt, als würde der Fotograf gar nicht anwesend sein.

Frau im Destroyed Jeans Look

 

Für diejenigen, die sich selber als Street Style Fotografen unter Beweis stellen wollen, gibt es einige Hinweise beachten. Um auf interessante Motive zu treffen, ist es besser, sich auf stark frequentierten Plätzen in der Stadt aufzuhalten als in abgelegenen Stadtteilen. Hilfreich ist, mit möglichst wenig Foto-Equipment unterwegs zu sein. Dies erleichtert das schnelle Vorankommen. Die meisten Street Style Motive sind schliesslich in Bewegung und stehen nicht statisch an einer Stelle. Deswegen ist es auch ratsam, möglichst kurze Belichtungszeiten zu wählen, damit wichtige Details im Bild nicht verschwimmen. Im Idealfall sind die richtigen Kameraeinstellungen bereits voreingestellt. Für natürliche Aufnahmen empfiehlt es sich ausserdem, auf den Blitz und künstliches Licht zu verzichten und stattdessen bei Tageslicht zu fotografieren.

Zu beachten sind auch die Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Personen, insofern sie zu erkennen sind. So entscheiden die abgebildeten Personen in der Regel darüber, ob und in welcher Form ein Bild aufgenommen und veröffentlicht werden darf. Deshalb dürfen Fotos meist nur dann veröffentlicht werden, wenn die darauf Abgebildeten ihr Einverständnis gegeben haben.